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Häusliche Gewalt : Nach unseren Gebräuchen ist die Ehe heilig

  • -Aktualisiert am

Bild: Thomas Fuchs

Die Frau aus Ostanatolien wird zwangsverheiratet. Der Mann quält sie und die Kinder. Dann wird er schwerkrank und verliert die Beine. Und das Leben. Ein Gerichtsbericht.

          Im Juni 2015 war Rafete „wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren“ verurteilt worden. Die Kammer war „aufgrund sicherer medizinischer Beweisanzeichen“ davon überzeugt, dass Rafete ihren Ehemann Ilker „stranguliert“ hatte, doch glaubte sie ihr, dass sie ihn vorher bewusstlos vor seinem Rollstuhl auf dem Boden liegend gefunden hatte, zwar „spontan den Entschluss gefasst hatte, ihn zu töten, aber erschrocken“ über sich selbst „von ihrem Tun abließ und Hilfe holte“.

          Die freilich kam zu spät.

          Zu Rafetes Gunsten ging das Landgericht in der ersten Instanz davon aus, dass Ilker schlussendlich an einem Herzinfarkt gestorben war, der auch zuerst zu der Bewusstlosigkeit geführt hatte. Sein Herz ist schließlich krank gewesen. Überhaupt war der Mann „multimorbid“. Nachzuweisen war dieser angenommene todbringende Infarkt nicht. Eine halbe bis zu zwei Stunden dauert es, bis sich im Gewebe des Herzens eine sichtbare Reaktion zeigt, die später zu lehmgelben, schließlich grauen Narben führt. Stirbt der Mensch durch den Infarkt augenblicklich, gibt es naturgemäß auch keine Reparaturmechanismen mehr, die man bei einer Obduktion sehen könnte.

          Gegen das Urteil gingen alle Parteien in Revision: die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und die Geschwister des Toten, die Nebenkläger waren. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil ein Jahr später auf und verwies den Fall zurück an das Landgericht; eine andere Kammer sollte die Sache neu verhandeln. Vier Jahre nach der Tat geht es erneut in die Beweisaufnahme. „Wenn ich ihn hätte töten wollen, hätte ich das früher gemacht“: Dieser Satz, ob er oder sie töten wollte, gekonnt oder die Anwandlung dazu gehabt hätte, haben konnte, fällt oft bei Gericht. Hier auch.

          Er konnte nicht mehr der Haustyrann sein, der seine Frau schlug

          „Wenn ich ihn hätte töten wollen, hätte ich das damals gemacht“, sagt Rafete. Damals, bevor Ilker nach überstandenem Mundbodenkrebs und der beidseitigen Unterschenkelamputation wegen seines Diabetes auf den Rollstuhl angewiesen war, Hilfe brauchte. Nach mehreren Herzinfarkten und als er, wie sein Arzt es ausdrückte, „im Prinzip alles hatte, was man haben konnte“. Exzessives Trinken und andauerndes Kettenrauchen hatten das Übrige dazu getan, dass Ilker sich von seinen Krankheiten nicht wirklich erholte.

          Es gab zwar noch Streitigkeiten, aber er konnte nicht mehr der Haustyrann sein, der seine Frau schlug, sie „und die Kinder stundenlang zur Bestrafung zwang, auf einem Bein zu stehen“. Rafete wiederholt dieses „stundenlang auf einem Bein stehen“ in dieser zweiten, erneuten Hauptverhandlung, das „schlimmer ist als Schläge“, wie sie sagt. Die Kinder und sie schliefen in ihrer Tageskleidung, der Vater kam nachts betrunken nach Hause und holte sie aus den Betten, um sie für diese arrangierte Ehe bezahlen zu lassen.

          Mit sechzehn war Rafete in einem kleinen Ort in Ostanatolien „zwangsverheiratet“ worden mit ihrem neun Jahre älteren Cousin. „Meine Mutter wollte das. Weil mein Vater meine Schwester mit seinem Neffen verheiratet hat, konnte meine Mutter das entscheiden. Eine Woche vor der Hochzeit habe ich ihn das erste Mal gesehen.“ Ilker arbeitete da schon als Gastarbeiter in Deutschland. Er hatte auch eine deutsche Freundin dort. Einmal im Jahr kam er nach Hause in den Urlaub, machte Rafete ein Kind und fuhr allein zurück.

          Als sie schwanger wurde mit Ogulcan, blieb er sieben Jahre fort. Sie lebte bei ihren Schwiegereltern und seinen sechzehn Geschwistern in seinem Elternhaus. Später holte Ilker sie zu sich, die erstgeborenen Töchter blieben zunächst in der Türkei. Ilker zog mit ihr sogar eine Weile bei seiner Geliebten ein, mit der er ebenfalls eine Tochter hat. „Er hat mich festgebunden und vor meinen Augen Sex gemacht mit ihr“, übersetzt der Dolmetscher Rafetes leises Murmeln. Ilker verbietet der Analphabetin in ihrer ersten Zeit in Deutschland, allein das Haus zu verlassen.

          „Der Antrieb war sehr gemindert, sie litt unter Depressionen“

          „Seit der Heirat“ litt sie „unter Niedergeschlagenheit“, sagt ihr türkischer „Doppel-Facharzt, Neurologe und Psychiater“ vor Gericht. Mehrmals wies dieser sie in die Psychiatrie ein, sie ging aber auch von sich aus dahin. „Untergeordnet den familiären, kulturellen Zwängen“ habe die Patientin sich. „Schmerzen überall“ hatte sie, „somatische“. Organische Ursachen für diese findet kein Arzt. Aber ihre wiederholten Ohnmachtsanfälle? Das kommt „häufig vor bei Migrantinnen, dass sie bei Belastungen mit Ohnmachtsanfällen reagieren“.

          Ob auch die wiederholten Vergewaltigungen in der Ehe in ihren Gesprächen vertieft wurden, will einer der Anwälte der Nebenklage wissen. „Nur als Ursache für ihren Zustand. Es ist auch schwierig als Mann, als türkischer Mann, das zu kommunizieren. Auch als Arzt im Patientenverhältnis mit einer Frau. Das wissen Sie“, antwortet Rafetes Psychiater ihm leise. Offener und auch auf Türkisch hatte Rafete mit der Assistenzärztin der Psychiatrie am Universitätsklinikum sprechen können. Die junge, zarte Frau mit den langen, feingliedrigen Händen erscheint mit Kopftuch vor Gericht.

          Über Rafete sagt sie: „Der Antrieb war sehr gemindert, sie litt unter Depressionen. Dass sie Schmerzen hatte, war deutlich zu sehen.“ Durch ihren „Blick auf die Schmerzen war sie sehr eingeengt“. Eine „posttraumatische Belastungsstörung“ wurde im Kollegenkreis diskutiert. Ihr erzählte Rafete, dass sie sich mit einem Goldstück die Freiheit erkaufte, zurück in die Türkei zu gehen.

          Sie wollte sich auch scheiden lassen. „Da hat meine älteste Tochter gesagt, früher hast du viel mehr gelitten, da hast du dich nicht scheiden lassen, warum willst du das jetzt?“ Wenn sie sich jetzt vom Vater trennen würde, „siehst du uns nicht wieder“. Sie weinte dabei, „da hab ich es nicht gemacht“. Als Ilker den Krebs bekam, kehrte Rafete zu ihm zurück, aus Angst „vor der Ächtung der Gesellschaft“ und pflegte ihn, berichtet die junge Psychiaterin.

          Ilker vertrank sein Geld oder schickte es an seine deutsche Freundin

          Einer von Ilkers Brüdern sagt vor Gericht: „Mein Bruder hatte Angst vor dem Tod. Er wollte leben, auch wenn ihm die Beine fehlten.“ Und: „Nach unseren Gebräuchen ist die Ehe heilig, ob sie gut ist oder schlecht.“ Er hätte auch nie gesehen, dass Ilker „es übertrieben hätte“ mit der Züchtigung der Frau.

          „Etwas besser“ war Rafetes Leben mit Ilker geworden, als 1990, elf Jahre nach Ogulcan, der jüngste Sohn Badak geboren wurde. Den „hat er geliebt. Ogulcan nicht“. Aus lauter Kummer habe Ogulcan „mit sechzehn all seine Haare verloren“, sagt Rafete mit dieser leisen, alten, müden Stimme und dem immergleichen bleichen und gelben Gesicht. Badak war es auch, der sich um den Vater kümmerte.

          Ihn die Treppe hinauf-, hinabtrug, damit der hinauskam, nachdem er auf den Rollstuhl angewiesen war. Rafete hatte angefangen zu arbeiten, als Badak im Kindergartenalter war, bei der Lufthansa in der Küche. Sie war es, die ihren und den Unterhalt der Kinder und die Miete bezahlte. Ilker vertrank sein Geld oder schickte es an seine deutsche Freundin.

          Vor vier Jahren, am Neujahrsmorgen, geriet Ilker mit Ogulcan in Streit und warf ihn aus der Wohnung. Rafete war außer sich darüber, telefonierte mit den Verwandten, beschwerte sich über ihren Mann. „Für meine Kinder würde ich töten“, soll sie gesagt haben zu einer Schwester von Ilker. Ach, sagt diese lapidar vor Gericht, das seien doch nur türkische Redewendungen, die nichts bedeuteten. Ja, erwidert der Richter, diese nicht ernstgemeinten Bemerkungen würden sich ja durch das ganze Verfahren ziehen.

          Im Nachhinein hätte einiges anders laufen sollen

          Zwei Tage nach dem Streit mit Ogulcan nun war Ilker tot. Rafete rief die Nachbarn um Hilfe, ein marokkanisches Ehepaar. Bis auf den „Austausch von Spezialitäten“ ab und an zwischen den Frauen gab es sonst wenig Kontakt. Die beiden dachten, Rafete brauche Hilfe, den schweren Mann wieder in den Rollstuhl zu heben, doch der Nachbar sah sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmte, und alarmierte die Rettung. „Hast du gesehen, er hat so Pünktchen?“, habe seine Frau ihn gefragt, als sie nach Eintreffen des Krankenwagens zurück in ihre Wohnung gingen, „Pünktchen am Hals“. Ilker war nicht wiederzubeleben.

          Zwei Kriminalbeamte kamen, von den Notärzten gerufen, dazu und betrachteten das Ganze als „normale Leichensache“. Schnell füllte sich die Wohnung mit „zirka dreißig Leuten“, Verwandten. „In dieser Situation hat man zwei Möglichkeiten: Verstärkung holen und alle rausschaffen oder den Leichnam wegschaffen“, sagt einer der Polizisten vor Gericht. Die Polizisten entschieden sich für Letzteres. „Im Nachhinein wäre Tatortsicherung richtig gewesen.“ Im Nachhinein hätte wohl einiges anders laufen sollen, geben die Beamten zu. Der Leichnam wurde zum Hauptfriedhof statt in die Rechtsmedizin gebracht.

          Bei der näheren Betrachtung fielen den Beamten nun „Einblutungen in den Augen und Hautrötungen in Hals und Nacken“ auf, die ihnen verdächtig vorkamen. Trotzdem dauerte es sechs Tage, bis der Tote im Rechtsmedizinischen Institut obduziert wurde. „Verdeckte Maßnahmen wurden veranlasst“, Rafete und Badak abgehört. Die Beamten bekamen „einen Hinweis auf ein Martyrium in der Ehe“, auf Rafetes „Ärztehopping“, vermutlich wegen „Medikamentensucht“. Erst ein Jahr später jedoch begannen Vernehmungen.

          Drei Jahre nach Ilkers Tod fand der erste Prozess statt. Nach Erinnerungen wurde mit Hilfe von Protokollen gegraben. Das ist heute, vier Jahre später bei dieser zweiten Hauptverhandlung, nicht besser.

          Rafetes Kinder verweigern die Aussage vor Gericht

          62 Jahre ist Rafete mittlerweile alt und sieht aus wie 75. Die Depressionen, unter denen sie noch immer leidet, wogen mit hoher Windstärke durch den Saal und klatschen den Anwesenden schwer ins Gemüt. Ihr Gesicht regt sich nicht mehr. Einzig ein unbewusstes, angewöhntes Hochheben der Lippen, der fallenden Gesichtszüge, passiert in diesem Antlitz, so, wie wenn eine schlechte Zahnprothese zurückgerückt werden muss. Ihr Gang ist schleppend; sie hebt kaum die Füße, wenn sie von den Wachtmeistern in den Verhandlungssaal geführt wird.

          Ihre Kinder verweigern die Aussage. Sie haben alle keinen Beruf erlernt, Ogulcan arbeitet da und dort und wo man keinen Abschluss braucht, Badak ist „Gastronom“. Er ist auch der Einzige, der Deutsch spricht vor Gericht. Eine der Töchter sagt: „Ich hab so viel erlebt, lieber mache ich keine Aussage“, ihre Stimme zittert dabei. Als Einziger bekommt der älteste Sohn Ogulcan ein Lächeln von Rafete. Abzüglich Depression und Sedierung ist es beinahe strahlend. Die beiden Söhne umarmen ihre Mutter nach ihrer Nichtaussage.

          Die Töchter sind überaus geschminkt und tragen kurze Röcke. Sie sehen viel älter aus, als sie sind. Beide sind geschieden. „Weil sie nicht so leiden wollten wie ihre Mutter“, sagt die Sachverständige, eine Fachärztin für Psychiatrie, die Rafete untersucht hatte, aus. An dieser Stelle, nur hier, schluchzt Rafete laut auf. Im ersten Verfahren war sie wiederholt in Ohnmacht gefallen, im Saal, auf dem Gang. „Heute ist sie ja in einer wesentlich besseren Verfassung.“ Ob Depressive nicht eher autoaggressiv wären, will die Verteidigung hören. „Wenn man sich suizidieren kann, kann man auch andere töten“, antwortet die Psychiaterin. Auch „die Einsichtsfähigkeit“ ist „nicht tangiert“.

          Häusliche Gewalt sei „ganz normal in südländischen Familien“

          Ilkers Schwester beteuert: „Gewalt gibt es in unserer Familie nicht.“ Rafete hat ihr den Kopf abgewandt. Ob sie bestätigen könnte, dass ihr Bruder viel getrunken habe, fragt der Vorsitzende diese Schwester des Toten. „Die Türken trinken alle viel“, lautet ihre Antwort, wegwerfend. Alles lacht daraufhin gequält im Saal, bis auf Rafete. „Gerne“ macht nur einer aus der Familie eine Aussage. Ein Neffe, bei dem Ogulcan nach Ilkers Rausschmiss untergekommen war.

          Wenn Ilker sein „Lieblingsonkel“ gewesen sei, wie er sagt, wisse er etwas über häusliche Gewalt, die es gegeben haben soll? „Das ist ganz normal in südländischen Familien. Bei uns sagt man ja, man liebt das Kind, man schlägt das Kind. Internationale Fußballhärte“ sei das. Sein Vater habe ihn auch geschlagen, und das sei völlig in Ordnung so. „Badak war der Lieblingssohn, das war klar. Der Onkel war sehr reserviert, distanziert, gefühlsarm. Seine Liebe zur Familie hat er nicht so zeigen können.“

          Und der Rausschmiss von Ogulcan, „das muss man nicht so ernst nehmen, ist immer noch sein Vater. Bei uns gibt es sowieso keine Obdachlosen, einer von der Familie nimmt einen immer auf.“ Rafete habe „den Ogulcan sehr geliebt, das hat man über die Jahre ja so mitbekommen“. Sein Onkel „war ein lebensfroher Mensch, ein Aufmunterer auf gut Deutsch“.

          Einer der Hausärzte der Eheleute, 68 Jahre alt, sagt: „Er war kein fröhlicher Mensch, auch schon vor all den Beschwerden nicht. Das ist nichts Außergewöhnliches, dass viele türkische Patienten durchgängig gedrückter Stimmung sind.“ – „Eine türkische Krankheit!“, ruft einer der Anwälte der Nebenklage ein, die der Richter „die Boygroup“ nennt; vier junge Männer, Kinder von Einwanderern, alle hinter ihren Macbooks, die mit Staatsanwaltschaft und Sachverständigen den zwei Verteidigern links und rechts von Rafete und dem Dolmetscher gegenübersitzen.

          Punktuelle Einblutungen am Hals würden zu Fingerspitzen passen

          Die eindeutige Beurteilung des Rechtsmediziners, wenn auch zunächst fachärztlich leicht verschwurbelt, lässt die Verfahrensbeteiligten aufhorchen, muss sie doch klarer ausfallen als im Verfahren der ersten Instanz von dessen Kollegen ausgesprochen und der Kammer gewürdigt. „Die Befunde des Drosselns und insbesondere des Würgens kann ich im Hinblick auf den eingetretenen Tod nicht wegdenken. Die Merkmale“ hätten sie im Kollegenkreis „für akut lebensbedrohlich“ befunden. Da seien „rillenartige Vertiefungen im Nacken“, „zahlreiche eindeutige Einblutungen in den Augen, im Ober- und Unterlid, der Nase“, die in ihrer „Häufigkeit und ihrem Ausmaß“ sofort den „eindeutigen und dringenden Verdacht“ auf ein Erwürgen aufkommen ließen.

          An den von der ersten Kammer angenommenen Herzinfarkt klammert sich die Verteidigung in diesem zweiten Verfahren weiterhin, befragt den Rechtsmediziner wiederholt auf verschiedene Art und Weise, ob er den ausschließen könne. Während der Sachverständige mit „Das ist grundsätzlich bei allen Herzen so, die vorgeschädigt sind“ und „In der Natur und in der Medizin kann man gar nichts ausschließen“ behutsam in die Kurve geht, kommt er mit einem „Es gibt keinen Hinweis auf einen Infarkt, zum x-ten Mal“ mit Drive wieder heraus. „Es ist vorstellbar, dass das Herz versagt unter Würgen“, das sei jedoch spekulativ, jedenfalls aber sei dann „der Ausfall des Herzens durch das Würgen“ verursacht worden. „Ein Herzinfarkt ist denktheoretisch“, aber „die Gewalteinwirkung auf den Hals ist bei funktionierendem Herzen erfolgt“.

          Die punktuellen Einblutungen am Hals würden zu Fingerspitzen passen, über ein anderes Tatwerkzeug als die Hände „habe ich mir Gedanken gemacht, aber mir fehlt jegliche Phantasie“.

          Staatsanwalt hält „vollendeten Totschlag für erwiesen“

          Linksrum und rechtsherum versucht die Verteidigung nun dem Rechtsmediziner eine, wenn auch nur minimale Möglichkeit zu entlocken, die Male am Hals des Mannes könnten doch, wie von Rafete angegeben, durch die Wiederbelebungsmaßnahmen entstanden sein. Obwohl Rettungssanitäter und Notarztteam bereits ausgeschlossen hatten, sie hätten etwas „am Hals manipuliert – „den lässt man natürlich in Ruhe“. Entnervt antwortet der Rechtsmediziner irgendwann auf die soundsovielte Nachfrage: „Ich habe es in meiner langen Berufserfahrung noch nicht erlebt, dass Rettungssanitäter zur Reanimation das Kehlkopfgerüst brechen.“ Die Sache ist entschieden.

          Der junge Staatsanwalt hält in seinem Schlussplädoyer den „vollendeten Totschlag für erwiesen“. Zu Rafetes Gunsten müsse sich aber die dreijährige Untersuchungshaft auswirken, eine Situation, die „man sich nur schwer vorstellen“ kann, dieses „Damoklesschwert“, auf eine Verurteilung zu warten. Fünf Jahre und „Haftfortdauer“ fordert er. Die Nebenklage plädiert auf elf Jahre, „da wir schon an der Schwelle zum Mord sind“, und nennt die Ehe nebenbei „nicht perfekt“.

          Das Urteil der Kammer lautet auf vier Jahre und drei Monate. Da nun „zufällig“ fast genau drei Viertel der Strafe durch die Untersuchungshaft abgesessen sind, kommt Rafete frei. Sie hat die Kosten des Revisionsverfahrens und die Auslagen der Nebenklage zu zahlen. Und kehrt in die Wohnung zu den Söhnen zurück.

          Alle Namen geändert.

          Quelle: F.A.S.

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