Home
http://www.faz.net/-gpf-75exy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Spürpanzer Rüstungsindustrie vor Großauftrag aus Saudi-Arabien

Saudi-Arabien hat einem Pressebericht zufolge 30 ABC-Spürpanzer im Wert von rund 100 Millionen Euro bei den Herstellern Krauss Maffei Wegmann und Bruker Daltonik geordert. Langfristig sei das Verteidigungsministerium in Riad an bis zu 100 Panzern interessiert.

© dpa Ein ABC-Spürpanzer vom Typ Dingo 2 der Bundeswehr

Saudi-Arabien zeigt abermals Interesse an deutscher Rüstungstechnik. Das autoritär regierte Königreich hat 30 ABC-Spürpanzer zum Preis von etwa 100 Millionen Euro bestellt, wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet. Hersteller der gut zwölf Tonnen schweren Radpanzer auf Basis des Typs „Dingo“ sind die Firmen Krauss Maffei Wegmann sowie Bruker Daltonik.

Dem Bericht zufolge stehen die Verhandlungen der Firmen mit dem Verteidigungsministerium in Riad kurz vor dem Abschluss. Insgesamt wollen die Saudis laut „BamS“ langfristig sogar bis zu 100 Panzer kaufen. Allerdings muss der Bundessicherheitsrat, dem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und acht Minister angehören, noch seine endgültige Zustimmung für den Export geben, sobald das Geschäft ausgehandelt ist.

Ein Regierungssprecher erklärte dazu, die Bundesregierung gebe keine Auskunft über Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Bundessicherheitsrat. „Der Bundessicherheitsrat tagt geheim, das betrifft unter anderem die Tagesordnung und das Abstimmungsverhalten.“ Der Rüstungsexportbericht, den die Bundesregierung alljährlich vorlegt, stelle aber im Nachhinein „völlige Transparenz“ über genehmigte Anträge und auch über erfolgte Ausfuhrgeschäfte und Lieferungen von Kriegswaffen her, betonte er.

Mehr zum Thema

Der Dingo ist 6,11 Meter lang, 2,39 Meter breit und 12,5 Tonnen schwer. Sechs Soldaten finden in dem Fahrzeug Platz, das auf dem handelsüblichen Fahrgestell Unimog U 5.000 basiert. In der Version als ABC-Spürpanzer „Dingo 2“ kann er atomare, biologische und chemische Kampfstoffe erkennen sowie Boden- und Luftproben entnehmen. Ein leichtes Maschinengewehr als Bewaffnung dient vorrangig der Selbstverteidigung.

Die angefragten Spürpanzer sollen laut „BamS“ die 36 „Fuchs“-Spürpanzer ersetzen, die Thyssen im Jahre 1991 nach Saudi-Arabien verkauft hatte. Mit den Spür-„Dingos“ will sich Riad dem Bericht zufolge auch auf einen befürchteten Angriff durch den Iran vorbereiten.

Auch „Boxer“ und Leopard II gefragt

Deutsche Waffentechnologie steht bei der Regierung in Riad aktuell hoch im Kurs. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Saudis großes Interesse am Kauf von „Boxer“-Radpanzern haben. Laut einem „Spiegel“-Bericht von Anfang Dezember hat das Königreich offiziell wegen des Kaufs von mehreren Hundert Truppentransportern vom Typ „Boxer“ für die Königliche Garde angefragt. Der gepanzerte „Boxer“ hat acht Räder, ist 33 Tonnen schwer und fast acht Meter lang. Die Bundeswehr hat beim Hersteller-Konsortium Rheinmetall und Krauss Maffei Wegmann 272 Exemplare bestellt. Einige sind schon in Afghanistan im Kriegseinsatz. Ende Juli hatte der „Spiegel“ berichtet, dass 200 Leopard-II-Panzer nach Katar exportiert werden sollen, zum Preis von rund zwei Milliarden Euro.

Das Netzwerk Friedenskooperative kritisierte die Exportpläne. „Deutschland wird zum Hoflieferanten des restriktiven wahabitischen Königshauses und fördert dessen Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und die Unterstützung dschihadistischer Gotteskrieger“, erklärte Netzwerk-Geschäftsführer Manfred Stenner. Die Aufrüstung diene dem Golfstaat zur Bekämpfung möglicher Freiheitsaufstände. Zudem könne sich das sunnitische Regime so auch gegen den schiitischen Iran positionieren. „Die Bundesregierung trägt zur wachsenden Gefahr eines Krieges gegen Iran bei“, bilanzierte er.

Quelle: DAPD

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geschäft mit Panzern Deutsche Rüstungsfirmen profitieren von Ukraine-Krise

Die polnische Armee hat Interesse an Leopard-Panzern, Litauen an Panzerhaubitzen aus deutscher Produktion: Die internationalen Krisen lassen die Nachfrage nach westlichem Kriegsgerät steigen. Mehr Von Ulrich Friese

25.08.2015, 06:25 Uhr | Wirtschaft
Saudi-Arabien Ende der Luftangriffe im Jemen

Saudi-Arabien hat das Ende der Luftangriffe auf den Jemen verkündet. Die von der saudi-arabischen Hauptstadt Riad angeführte arabische Allianz will nun mit anderen Maßnahmen die Lage im Jemen stabilisieren. Mehr

22.04.2015, 11:14 Uhr | Politik
Mehr Todesurteile Saudi-Arabien richtet jeden zweiten Tag einen Menschen hin

175 Todesurteile innerhalb eines Jahres: In Saudi-Arabien werden immer mehr Menschen exekutiert, häufig wegen Drogenvergehen. Die Opfer sind laut einem Amnesty-Bericht oft minderjährig oder geistig behindert. Mehr

25.08.2015, 08:05 Uhr | Politik
Chronik Die saudische Königsfamilie

Seit mehr als acht Jahrzehnten wird das Königreich Saudi-Arabien nur von einer Familie regiert: den Al Sauds. Das wird sich auch in den nächsten Generationen nicht ändern. Hier eine interaktive Übersicht. Mehr

29.04.2015, 08:20 Uhr | Politik
Russland Mit Assad gegen die Dschihadisten

Wladimir Putin möchte eine Allianz gegen den Islamischen Staat schmieden - unter Einschluss des syrischen Diktators, der ein treuer Käufer russischer Waffen ist. Aber es gibt Widerstand. Mehr Von Christoph Ehrhardt, Beirut und Friedrich Schmidt, Moskau

28.08.2015, 11:52 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 30.12.2012, 11:44 Uhr

Es gibt keine Zauberformel

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Empörung über die jüngsten Tragödien ist verständlich und richtig. Aber angesichts der großen Völkerwanderung dieser Tage trägt sie nicht weit. Denn in Wahrheit gelangt man in der Flüchtlingskrise von einem Dilemma zum nächsten. Mehr 1 12

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden