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Spionageenthüllungen : NSA soll EU-Büros mit Wanzen versehen haben

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Geheimdienst NSA soll laut Edward Snowden EU-Vertretungen mit Wanzen belauscht haben. Ungeachtet der Enthüllungen über das Abhörprogramm „Tempora“ will die Deutsche Telekom ihren transatlantischen Datenverkehr weiter über Großbritannien leiten.

          Die Deutsche Telekom will ihren transatlantischen Datenverkehr ungeachtet von Spionageenthüllungen weiter über Großbritannien leiten. „Uns liegen aktuell keine Erkenntnisse zu Tempora vor“, teilte ein Telekom-Sprecher der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) mit. Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hatte berichtet, im Rahmen des Abhörprogramms „Tempora“ zapfe der britische Geheimdienst auch Datenleitungen im britischen Küstenort Bude an; über diesen Ort wird eines der wichtigsten Transatlantikkabel geführt.

          Die Telekom transportiert nach eigenen Angaben ein Drittel ihres Datenverkehrs mit Nordamerika über die Leitung TAT-14; außerdem nutzt sie dafür vier weitere Kabel.

          Der Betreiber des weltgrößten Internetknotens De-Cix in Frankfurt wies gegenüber der F.A.S. Berichte zurück, seine Leitungen würden in Deutschland angezapft. „Wir schließen aus, dass sich amerikanische oder britische Geheimdienste Zugang zu den von uns kontrollierten Internetknoten verschafft haben. Dazu wären Eingriffe in unsere Infrastruktur notwendig, die uns nicht entgehen können.“

          Der amerikanische Geheimdienst NSA späht nach Informationen der Zeitschrift „Spiegel“ offenbar gezielt die Europäische Union aus. Dies gehe aus geheimen Dokumenten hervor, die Snowden mitgenommen habe und die der „Spiegel“ habe teilweise einsehen können.

          Ein Papier der NSA vom September 2010 beschreibe dies genau. Demnach habe der Geheimdienst die diplomatische Vertretung der EU in Washington sowie bei den Vereinten Nationen in New York mit Wanzen versehen und das interne Computernetzwerk infiltriert. Somit hätten die Amerikaner Besprechungen abhören und Dokumente sowie Mails auf den Computern lesen können.

          In dem NSA-Dokument würden die Europäer ausdrücklich als „Angriffsziel“ benannt. Eine Sprecherin der EU-Kommission wollte den Bericht am Samstag auf Anfrage nicht kommentieren.

          Laut „Spiegel“ hat die NSA vor etwas mehr als fünf Jahren auch am Sitz der EU in Brüssel einen Lauschangriff gestartet. So seien den EU-Sicherheitsexperten mehrere fehlgeschlagene Anrufe aufgefallen, die offenbar einer Fernwartungsanlage im Justus-Lipsius-Gebäude - also dem Sitz des Ministerrates - gegolten hatten. Die Spur des Anrufers habe ins Nato-Hauptquartier im Brüsseler Vorort Evere geführt, wo in einem abgeschirmten Bereich Experten der NSA säßen. In dem EU-Ratsgebäude hat jeder EU-Mitgliedstaat Räume mit Telefon- und Internetanschluss, in die sich Minister zurückziehen können.

          Ecuador verhandelt mit Moskau

          Fast eine Woche nach der Ankunft Snowdens in Moskau könnte nach Informationen des russischen Fernsehens Bewegung in den Fall kommen. Die Behörden von Ecuador, bei denen Snowden Asyl beantragt hat, würden mit Russland über das Schicksal des 30-Jährigen verhandeln, berichtete der Staatssender Rossija 24 am Samstag.

          Außenminister Ricardo Patiño habe sich persönlich in die Gespräche eingeschaltet. Der Andenstaat hatte betont, müsse Snowden auf dem Boden Ecuadors sein, um als Flüchtling anerkannt zu werden. Nach Meinung von Experten könnte das auch die Botschaft des südamerikanischen Landes in Moskau sein.

          Edward Snowden, aufgenommen bei einem Fernsehinterview am 6. Juni in Hongkong

          Dafür müsste der amerikanische Staatsbürger, der sich seit vergangenem Sonntag im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält, aber die russische Grenze übertreten. Die amerikanischen Behörden haben allerdings Snowdens Reisepass annulliert. Die Vereinigten Staaten fordern von Russland die Auslieferung des „Verräters“, der aus Hongkong anreiste.

          Der russische Außenpolitiker Alexej Puschkow nannte den Fall „tragisch“. Snowden habe „als Idealist“ offenbar davon geträumt, dass die Demokratie nach seinen Enthüllungen triumphieren werde, schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma bei Twitter. „Aber das Leben und die USA sind härter als ein Hollywood-Film.“

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