19.01.2001 · Der Streit um die militante Vergangenheit des Außenministers Fischer hat zu einer Debatte über die 68er-Bewegung insgesamt geführt.
Der Streit um die militante Vergangenheit des Außenministers Fischer hat zu einer Debatte über die 68er-Bewegung insgesamt geführt. Dabei geht es um die Deutungshoheit über die Geschichte.
Als Richter Heinrich Gehrke im Prozess gegen den früheren Terroristen Hans-Joachim Klein Zeugen suchte, die das Umfeld des Angeklagten und so seine Motivlage erhellen könnten, stieß er auf reichlich Prominenz: Den grünen Politiker Daniel Cohn-Bendit und den Kabarettisten Matthias Beltz etwa, beide Weggefährten Kleins in der linken Szene im Frankfurt der 70er Jahre. Der bei weitem prominenteste Weggefährte ist heute Bundesaußenminister und Vizekanzler: Joschka Fischer.
Bilder heizten die Debatte an
Vor Fischers Aussage in dem Prozess entbrannte eine heftige Debatte über seine militante Vergangenheit in der so genannten Sponti-Szene, angefeuert von Fotos und Filmmaterial. Darauf, so zeigte sich, war der Straßenkämpfer Fischer in Aktion zu sehen - beim Verprügeln eines Polizisten. Es wurden Vorwürfe laut, Fischer habe auch dem Einsatz von Molotow-Cocktails zugestimmt. Bei einer Demonstration 1976 in Frankfurt wurde ein Polizist durch einen Brandsatz schwer verletzt.
Vor dem Hintergrund dieser Vorwürfe geriet Fischers Aussage im Klein-Prozess zu einer Stellungnahme über das Ausmaß seiner eigenen Militanz. Er habe nie Molotow-Cocktails geworfen oder deren Einsatz befürwortet, sagte er. Im Bundestag nahm Fischer ebenfalls zu seiner Vergangenheit Stellung. Die Debatte reichte weit über seine persönliche Beteiligung an Gewalttaten hinaus. Es ging um die 68er-Bewegung, ihre Legitimation und ihre Fehler. Die Vergangenheitsbewältigung einer Generation - die Debatte ist eröffnet.