06.02.2004 · Nach dem Rücktritt Schröders als Parteivorsitzender der SPD gilt Müntefering als Nachfolger des Bundeskanzlers. Er wäre der zehnte SPD-Politiker seit 1949, der das Amt an der Spitze der Partei innehat.
Franz Müntefering wäre, nachdem Gerhard Schröder den Parteivorsitz aufgegeben hat, der zehnte SPD-Vorsitzende in der Nachkriegsgeschichte der Partei. Ein Überblick über die vorherigen Vorsitzenden der Sozialdemokraten und deren Einfluß auf die Entwicklung der SPD seit 1949.
Kurt Schumacher war, von Mai 1946 bis 1952, der erste SPD-Vorsitzende nach dem Zweiten Weltkrieg. Schumacher lehnte die Vereinigung mit der KPD wie auch die Westpolitik von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) ab und machte die SPD zu einer Partei mit striktem Oppositionskurs.
Nach dem Tod Schumachers wird Erich Ollenhauer 1952 SPD-Vorsitzender. Ollenhauer führt die Partei bis 1963 und entwickelte die SPD zur Volkspartei. 1959 bekennt sich die Partei mit dem Godesberger Programm zur sozialen Marktwirtschaft und legt ihr marxistisches Erbe ab. Bis zum Berlin-Umzug 1998 trug die SPD-Zentrale in Bonn seinen Namen.
Willy Brandt wird 1964 zum Vorsitzenden der Sozialdemokraten gewählt. Er behält diesen Posten bis 1987 bei. Damit ist seine Amtszeit als Parteivorsitzender die längste der Nachkriegszeit. In seine Zeit als erster Kanzler der SPD seit dem Ende der Weimarer Republik fällt die neue Ostpolitik mit der beginnenden Normalisierung der Beziehungen zur DDR. Nach dem Umzug nach Berlin trägt die dortige Parteizentrale seinen Namen.
Bis 1991 ist Hans-Jochen Vogel der Nachfolger Brandts. Abgesehen von der Wiedervereinigung Deutschlands fiel in seine Amtszeit auch die Verschmelzung mit der jungen Ost-SPD (1990). Die Ost-SPD (zunächst SDP) hatte nach ihrer Gründung im Oktober 1989 vier Parteichefs in kurzer Zeit: Stefan Hilsberg, Ibrahim Böhme, Markus Meckel und Wolfgang Thierse.
Nachfolger Vogels wurde Björn Engholm. Er hatte das Amt des Parteivorsitzenden von 1991 bis 1993 inne und galt als Hoffnungsträger der SPD. Allerdings mußte Engholm nach Falschaussagen im Zusammenhang mit der Barschel-Affäre 1993 von allen Ämtern zurücktreten. Für kurze Zeit übernahm Johannes Rau die SPD-Führung, bevor Rudolf Scharping im Mai 1993 in Essen zum SPD-Vorsitzenden gekürt wurde.
Doch auch Scharping war keine lange Amtszeit vergönnt, nur zwei Jahre stand er an der Parteispitze. Nach Debatten um seine Führungsstärke nach der verlorenen Bundestagswahl 1994 wurde er auf dem Mannheimer Parteitag 1995 gestürzt. Neuer Parteivorsitzender wurde Oskar Lafontaine. Unter seiner Führung gewann die SPD die Bundestagswahl 1998. Doch schon am 11. März 1999 gab auch Lafontaine alle seine Ämter auf; Grund waren Streitereien mit Gerhard Schröder über dessen Regierungskurs.
Nach Lafontaine Rückzug aus der Politik wählten die Genossen Bundeskanzler Schröder zum Vorsitzenden. Zum ersten Mal seit den Tagen Brandts waren damit bei den Sozialdemokraten Parteiführung und Kanzleramt in einer Hand.