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SPD in NRW Die Senkrechtstarterin

13.12.2006 ·  Hannelore Kraft, künftige SPD-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, hat es nach erst zwölf Jahren in der Partei schon bis an deren Spitze geschafft. Sie gilt als „ehrliche Haut“, ausgestattet mit einem politischen Gen.

Von Peter Schilder
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Als Ministerpräsident Clement im Jahre 2001 Hannelore Kraft zur Europa- und Bundesratsministerin seines Kabinetts berief, war sie gerade seit sieben Jahren SPD-Mitglied. Sie war für Clement der Ausweis eines offenen Denkens, das sich noch nicht in den Mühlen der Partei abgeschliffen hatte. Die Ökonomin sollte der Partei wirtschaftliche Überlegungen nahebringen. Schon gut ein Jahr später ernannte Clements Nachfolger Steinbrück sie zur Ministerin für Forschung und Wissenschaft. Da sollte sie die Universitäten und Hochschulen das Wirtschaften mit Studienkonten und pauschalierten Zuweisungen lehren.

Nach der von der SPD verlorenen Landtagswahl im Mai 2005 mußte Frau Kraft gemeinsam mit der Fraktion selber ein neues Leben lernen: aus der jahrzehntelangen Machtfülle der Regierungspartei wurde sie in die Opposition geworfen. Das war für die Senkrechtstarterin ein unbekanntes Feld, das sie erst einmal erkunden mußte. Sie teilte sich die Oppositionsführung mit dem Landesvorsitzenden Dieckmann: sie als Fraktionsvorsitzende, er als Parteichef. Das Gespann hätte unterschiedlicher kaum sein können. Während Dieckmann den Innenbetrieb der Partei lenkte, hatte sie die Aufgabe der Außendarstellung auf der parlamentarischen Bühne. Lautstark und heftig führte sie Attacken gegen die Landesregierung. Das klang zuweilen ziemlich schrill und verriet, daß und wie sie nach einem eigenen Stil suchte.

Keine Bange vor der neuen Aufgabe

Der steile Aufstieg in der Partei erlaubte aber auch einen gewissen Abstand zu deren Behäbigkeiten. So war es wohl das Streben nach Höherem, was sie in diesem Jahr veranlaßte, die Nähe zur Basis zu suchen. Sie besuchte ungezählte Veranstaltungen von Ortsverbänden, dabei fiel ihr der Kontakt nicht schwer. Zugleich suchte sie den Kontakt zur Bundespartei und machte sich mit Auseinandersetzungen mit den Spitzenleuten bekannt. Sie legte sich mit ihrem ehemaligen Chef, Bundesfinanzminister Steinbrück, wegen der Unternehmensteuerreform an. Das hat ihr nicht geschadet, ihr vielmehr im eigenen Landesverband wie auch in Berlin Anerkennung eingetragen. Offenbar haben an ihr auch andere entdeckt, was ein enger Mitarbeiter Clements schon bei ihrer ersten Berufung 2001 zu erkennen glaubte: ein politisches Gen.

Ob sie das wirklich in sich trägt, wird die 45 Jahre alte Mülheimerin in den nächsten Jahren beweisen müssen. In der Partei ist sie ohne Mitbewerber oder Rivalen. Daher muß sie allein zeigen, was sie kann. Die begeisterte Anhängerin von Borussia Mönchengladbach hat keine Bange vor der neuen Aufgabe. Am Dienstag trug sie bei aller Belastung stets ein Lächeln um die Lippen. „Wir haben gute Chancen, die Kommunal- und die Landtagswahlen zu gewinnen“, sagte sie und hatte bereits ihre neue Aufgabe verinnerlicht.

Die Tochter einer Verkäuferin und eines Verkehrsmeisters gilt in ihrer Partei als bodenständige und „ehrliche Haut“. „Die Partei weiß, woran sie mit mir ist“, sagt sie über sich. Auf ihrer Internetseite veröffentlichte sie als eine der ersten im Parlament ihre Einkünfte aus dem Ministeramt sowie Mandaten im Landtag und im ZDF-Aufsichtsrat. Die Mutter eines zwölf Jahre alten Sohnes verbringt die freie Zeit gern mit der Familie und den Urlaub im Sauerland. Peter Schilder

Quelle: F.A.Z., 13.12.2006, Nr. 290 / Seite 10
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