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Spanienhilfe Europäische Erzählungen

 ·  Die Erzählung „Stirbt der Euro, stirbt Europa“ findet immer weniger Anklang in der Bevölkerung. Welche Geschichte soll es dann sein? Es gibt bessere. Aber sind sie auch wahr?

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Es war einmal ein Land, in dem immer wieder gefordert wurde, nun müsse die Kanzlerin, müsse „die Politik“ endlich einmal erklären, warum sie den Euro retten wolle, wie sie ihn retten wolle und mit welchem Ziel sie ihn retten wolle. Selbst im Bundestag erinnerte Oppositionsführer Steinmeier am Donnerstag an die Standpauke des Bundespräsidenten, die Kanzlerin müsse den Bürgern ihre Europapolitik „erklären“, tue es aber nicht. Steinmeier sagte das, obwohl doch gerade hier, im Parlament, ständig erklärt wird oder die Möglichkeit bestünde, sich alles erklären zu lassen - wenn auch manchmal die Hilfe des Bundesverfassungsgerichts nötig ist.

Auch Steinmeiers Rede erklärte etwas, dass nämlich die beste Erklärung über Europa nichts nützt, wenn sie nicht gut erzählt wird, wenn es keine „gute Geschichte“ ist. Die gute Erzählung hat aber wiederum den großen Nachteil, dass sie erst so richtig spannend wird, je weniger sie mit der Wahrheit zu tun hat.

Das trennt derzeit die Regierung von dem Teil der Opposition, der nun schon zum wiederholten Male dem Kurs einer Politik folgt, von der sie gleichzeitig behauptet, dass sie noch nicht richtig erklärt worden sei. Steinmeier versuchte es dagegen mit einer „Geschichte“, an der seine eigene Partei fast zugrunde gegangen wäre - dass es ohne Belastungen, ohne Entbehrungen, ohne Opfer und ohne Beschädigungen auch für Deutschland nicht abgehen werde. Das klang nach der Geschichte, die Frau Merkels Vorgänger vor Jahren zu erzählen suchte - und darüber die Macht in Neuwahlen verlor, weil er erklärte und erklärte, aber die Erzählung einfach nicht spannend genug war.

Steinmeier empfahl das nun - welch eine Pointe - auch Frau Merkel, weil ihr die Kanzlermehrheit abhanden komme. Die Erzählung „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ wollen immer weniger Leute in Deutschland hören, auch wenn sie der Erzählerin, zum Verdruss der SPD, immer noch großes Vertrauen entgegenbringen. Welche Geschichte soll es aber dann sein? Die von der Quadratur des Euros?

Im Falle Spaniens hätte Steinmeier die Geschichte von den harten Reformen erzählen können, die anderen schon zu lax abverlangt werden, Spanien noch laxer, von denen aber abhängt, ob die Euros der Deutschen sinnvoll angelegt sind oder nicht. Doch nicht nur die SPD, auch Europäer fanden andere Geschichten schon immer spannender. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Jahrgang 1962, verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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