Home
http://www.faz.net/-gpf-7af1p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Spähprogramme Snowden hat Enthüllungen seit langem vorbereitet

Edward Snowden hat nach eigenen Angaben nur deshalb einen Job beim Geheimdienst angenommen, um die Datensammelei der Amerikaner öffentlich zu machen. Von dem IT-Techniker fehlt weiterhin jede Spur.

© REUTERS In dieser Maschine war er nicht: Aeroflot-Flug SU 150 nach Havanna

Der Amerikaner Edward Snowden hat sich nach eigenen Angaben von vornherein in den Geheimdienst eingeschleust, um dessen Schnüffeleien im Internet aufzudecken. Allein aus diesem Grund habe er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen, die im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war, zitierte ihn die in Hongkong erscheinende Zeitung „South China Morning Post“ vom Dienstag aus einem Interview.

Seine Arbeit habe ihm Zugang zu Listen mit gehackten Computern in der ganzen Welt verschafft. „Deswegen habe ich die Position vor etwa drei Monaten angenommen“, sagte Snowden.

Weitere Enthüllungen geplant

Das Interview hatte die Zeitung vor einiger Zeit geführt. Von Snowden fehlt derweil jede Spur. Vor zwei Tagen war er von Hongkong nach Moskau geflogen. Der 30 Jahre alte Whistleblower, der umfangreiche Abhöraktionen amerikanischer und britischer Geheimdienste öffentlich gemacht hatte, befand sich aber nicht - wie zunächst vermutet - an Bord eines Flugzeugs von Moskau nach Kuba. Es war vermutet worden, dass Snowden über Havanna nach Ecuador reisen wollte, wo er Asyl beantragt hat. Die Vereinigten Staaten suchen ihn unter anderem wegen Geheimnisverrats. Die spektakulärere Flucht belastet das Verhältnis zwischen den beteiligten Großmächten.

Wie aus dem Interview mit Snowden hervorgeht, hatte er schon lange vorgehabt, die Schnüffeleien der Vereinigten Staaten im Internet aufzudecken. Auf Nachfrage, ob er speziell den Job bei Booz Allen Hamilton angenommen habe, um Material dafür zu sammeln, antwortete Snowden: „Korrekt.“ Während seiner Tätigkeit als Computer-Administrator habe er große Mengen an geheimen Informationen gesammelt. Nach Angaben der Zeitung, die nach und nach Teile ihres Interviews vom 12. Juni veröffentlicht, plant Snowden weitere Enthüllungen über die Datensammelei der Vereinigten Staaten. Vorher wolle er das Material aber noch weiter sichten.

Nach heftiger Kritik aus Washington verteidigte die Regierung von Hongkong ihre Entscheidung, Snowden am Sonntag trotz eines amerikanischen Antrags auf Festnahme ziehen zu lassen. Regierungschef Leung Chun-ying verwies auf unzureichende Informationen der Amerikaner über die Vorwürfe und andere Formfehler, gegen die Snowden hätte Einspruch einlegen können. Die Einwanderungsbehörde teilte ferner mit, keine Mitteilung der amerikanischen Regierung erhalten zu haben, dass Snowdens Reisepass für ungültig erklärt worden sei.

Bei seinem Aufenthalt in Hongkong war Snowden von dem Anwalt und oppositionellen demokratischen Abgeordneten Albert Ho beraten worden. Über Mittelsmänner sei ein Kontakt zur Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion unterhalten worden, berichteten die „South China Morning Post“ und die „New York Times“. Snowden sei am Freitag signalisiert worden, dass er bei einer Ausreise nicht aufgehalten würde, doch sei Snowden misstrauisch gewesen und habe um zusätzliche Versicherungen gebeten. Mit dem wachsenden Druck habe sich Snowden am Sonntagmorgen entschieden, nach Moskau zu fliegen.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spähaffäre AT&T arbeitete höchst kooperativ mit NSA zusammen

Der Telekommunikationsanbieter AT&T ist tiefer in die Spähaktionen der NSA verwickelt als bislang angenommen. Das Unternehmen ermöglichte Zugang zu Milliarden E-Mails. Der Geheimdienst ist mit seinem Partner zufrieden. Mehr

16.08.2015, 06:54 Uhr | Politik
Snowden-Denkmal Künstlergruppe erklärt die Entstehung

Unbekannte haben in Amerika eine Büste von Edward Snowden aufgestellt, die mittlerweile aber wieder abgebaut wurde. Jetzt hat die anonyme Künstlergruppe erklärt, wie die Büste entstanden ist. Mehr

07.04.2015, 12:37 Uhr | Gesellschaft
Spähvorwurf gegen AT&T UN fordern Aufklärung von Telefonkonzern

AT&T soll eng mit dem Geheimdienst NSA zusammengearbeitet haben. Das ist auch ein Problem für die Vereinten Nationen. Denn AT&T ist ihr Telekommunikationsanbieter. Mehr

18.08.2015, 02:54 Uhr | Politik
NSA Empörung über neue Hinweise zur Spionage

Angesichts neuer Enthüllungen der Plattform WikiLeaks, wonach der amerikanische Geheimdienst NSA in Deutschland auch Wirtschaftsspionage betrieben haben soll, haben die Oppositions-Obleute im NSA-Untersuchungsausschuss Konsequenzen gefordert. Mehr

02.07.2015, 16:38 Uhr | Politik
Gerichtsentscheid NSA darf weiter Telefondaten sammeln

Ein Gerichtsentscheid macht es möglich: Der Geheimdienst NSA darf auch weiterhin Telefondaten amerikanischer Bürger sammeln. Zum Vorgehen der NSA geäußerten sich die Richter allerdings nicht. Mehr

29.08.2015, 07:13 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 25.06.2013, 06:41 Uhr

Es gibt keine Zauberformel

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Empörung über die jüngsten Tragödien ist verständlich und richtig. Aber angesichts der großen Völkerwanderung dieser Tage trägt sie nicht weit. Denn in Wahrheit gelangt man in der Flüchtlingskrise von einem Dilemma zum nächsten. Mehr 1 100

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden