http://www.faz.net/-gpf-7af1p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.06.2013, 06:41 Uhr

Spähprogramme Snowden hat Enthüllungen seit langem vorbereitet

Edward Snowden hat nach eigenen Angaben nur deshalb einen Job beim Geheimdienst angenommen, um die Datensammelei der Amerikaner öffentlich zu machen. Von dem IT-Techniker fehlt weiterhin jede Spur.

© REUTERS In dieser Maschine war er nicht: Aeroflot-Flug SU 150 nach Havanna

Der Amerikaner Edward Snowden hat sich nach eigenen Angaben von vornherein in den Geheimdienst eingeschleust, um dessen Schnüffeleien im Internet aufzudecken. Allein aus diesem Grund habe er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen, die im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war, zitierte ihn die in Hongkong erscheinende Zeitung „South China Morning Post“ vom Dienstag aus einem Interview.

Seine Arbeit habe ihm Zugang zu Listen mit gehackten Computern in der ganzen Welt verschafft. „Deswegen habe ich die Position vor etwa drei Monaten angenommen“, sagte Snowden.

Weitere Enthüllungen geplant

Das Interview hatte die Zeitung vor einiger Zeit geführt. Von Snowden fehlt derweil jede Spur. Vor zwei Tagen war er von Hongkong nach Moskau geflogen. Der 30 Jahre alte Whistleblower, der umfangreiche Abhöraktionen amerikanischer und britischer Geheimdienste öffentlich gemacht hatte, befand sich aber nicht - wie zunächst vermutet - an Bord eines Flugzeugs von Moskau nach Kuba. Es war vermutet worden, dass Snowden über Havanna nach Ecuador reisen wollte, wo er Asyl beantragt hat. Die Vereinigten Staaten suchen ihn unter anderem wegen Geheimnisverrats. Die spektakulärere Flucht belastet das Verhältnis zwischen den beteiligten Großmächten.

Wie aus dem Interview mit Snowden hervorgeht, hatte er schon lange vorgehabt, die Schnüffeleien der Vereinigten Staaten im Internet aufzudecken. Auf Nachfrage, ob er speziell den Job bei Booz Allen Hamilton angenommen habe, um Material dafür zu sammeln, antwortete Snowden: „Korrekt.“ Während seiner Tätigkeit als Computer-Administrator habe er große Mengen an geheimen Informationen gesammelt. Nach Angaben der Zeitung, die nach und nach Teile ihres Interviews vom 12. Juni veröffentlicht, plant Snowden weitere Enthüllungen über die Datensammelei der Vereinigten Staaten. Vorher wolle er das Material aber noch weiter sichten.

Nach heftiger Kritik aus Washington verteidigte die Regierung von Hongkong ihre Entscheidung, Snowden am Sonntag trotz eines amerikanischen Antrags auf Festnahme ziehen zu lassen. Regierungschef Leung Chun-ying verwies auf unzureichende Informationen der Amerikaner über die Vorwürfe und andere Formfehler, gegen die Snowden hätte Einspruch einlegen können. Die Einwanderungsbehörde teilte ferner mit, keine Mitteilung der amerikanischen Regierung erhalten zu haben, dass Snowdens Reisepass für ungültig erklärt worden sei.

Bei seinem Aufenthalt in Hongkong war Snowden von dem Anwalt und oppositionellen demokratischen Abgeordneten Albert Ho beraten worden. Über Mittelsmänner sei ein Kontakt zur Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion unterhalten worden, berichteten die „South China Morning Post“ und die „New York Times“. Snowden sei am Freitag signalisiert worden, dass er bei einer Ausreise nicht aufgehalten würde, doch sei Snowden misstrauisch gewesen und habe um zusätzliche Versicherungen gebeten. Mit dem wachsenden Druck habe sich Snowden am Sonntagmorgen entschieden, nach Moskau zu fliegen.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Whistleblower vor Gericht Bewährungsstrafen im Luxleaks-Prozess

Im Prozess um die Enthüllungen im Luxleaks-Skandal sind am Mittwoch zwei frühere Unternehmensberater zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der dritte Angeklagte, ein Journalist, wurde freigesprochen. Mehr

29.06.2016, 15:35 Uhr | Feuilleton
Amerika 26 Stunden Sitzstreik im Repräsentantenhaus

Auch einen Tag nach seinem Beginn ging der Sitzstreik im amerikanischen Repräsentantenhaus für ein schärferes Waffengesetz weiter. Nachdem die hauseigenen Kameras abgeschaltet worden waren, sendeten die Abgeordneten via Internet weiter. Erst nach fast 26 Stunden war Schluss. Nach der Sommerpause wollen die Abgeordneten weiter für eine Verschärfung kämpfen. Mehr

24.06.2016, 15:42 Uhr | Politik
700 Milliarden Rubel Verkauft Putin riesige Öl-Anteile an China und Indien?

Steigen gerade China und Indien groß in Russlands wichtigsten Ölkonzern ein? Anzeichen gibt es. Es geht um dringend benötigtes Geld - und politische Macht. Mehr

20.06.2016, 11:30 Uhr | Wirtschaft
China Umstrittener Werbeclip von Leishang Cosmetics

Die chinesische Firma Leishang Cosmetics sorgt derzeit mit einem Werbeclip für Waschmittel im Internet für Aufruhr. Mehr

05.06.2016, 17:19 Uhr | Feuilleton
Geldpolitik Bleibt der Zins noch lange tief?

Gehören hohe Zinsen der Vergangenheit an? Amerikas Notenbank-Chefin macht zumindest wenig Hoffnung. Das hat auch damit zu tun, wie sich junge Leute benehmen. Mehr Von Alexander Armbruster

16.06.2016, 13:02 Uhr | Finanzen

Die unerträgliche Leichtigkeit des politischen Seins

Von Berthold Kohler

Boris Johnson begeht Fahnenflucht, weil er weiß, dass er seine Versprechen nicht halten kann. Doch könnte auch dieser Offenbarungseid sein Gutes haben. Mehr 164

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden