http://www.faz.net/-gpf-11dhq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2009, 13:24 Uhr

So wird 2009 Was kommt: Obama, Schmidt und Bohlen

Wer hilft, wenn Barack Obamas Redenschreibern die Ideen fehlen, Gesine Schwan ihre Chancen bei der Bundespräsidentenwahl steigern will und „Deutschland sucht den Superstar“ einen neuen Juror braucht? Wer 2008 erlebt hat, der weiß, auf wen 2009 Verlass sein wird.

von
© F.A.Z.-Greser&Lenz

Der Sozialphilosoph Woody Allen hat schon vor vielen Jahren in einer „Rede an die Schulabgänger“ die Stimmung erfasst, mit der viele Deutsche ins kommende Jahr gehen: „Mehr als jemals zuvor in ihrer Geschichte steht die Menschheit an einem Scheideweg. Ein Pfad führt in Verzweiflung und völlige Hoffnungslosigkeit, der andere in die Auslöschung. Lassen Sie uns dafür beten, dass wir die Weisheit besitzen, uns richtig zu entscheiden.“ Doch wie sonst nur selten in der deutschen Geschichte wächst uns das Rettende diesmal bereits zu. Wer 2008 erlebt hat, der weiß, auf wen 2009 Verlass sein wird:

Bertram  Eisenhauer Folgen:

Januar

Mehr zum Thema

Wenige Tage vor Barack Obamas Amtsantritt am 20. herrscht Panik bei seinen Redenschreibern. „Wir haben nichts. Zero. Nada“, sagt einer der „New York Times“. „Die ganzen guten Sachen für seine Amtseinführungsrede - ,Yes, we can', ,Das ist unsere Stunde', ,Wir sind der Wandel, auf den wir gewartet haben' - haben wir im letzten Jahr schon verbraucht.“ In ihrer Not wenden sich die Obama-Leute an Altkanzler Helmut Schmidt, „von dessen Brillanz wir durch ihn schon gehört haben“. Schmidt reicht einen ersten Redenentwurf ein und kommentiert: „Der amerikanische Präsident tut gut daran, auf den deutschen Kanzler zu hören.“ Doch dann entdeckt die CIA ein altes Zitat - „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ - und ist „nach gründlicher Analyse fast sicher“, dass es von Schmidt stammt. „Da werden Geheimdiensterkenntnisse instrumentalisiert wie vor dem Irak-Krieg“, ätzt Klaus Wowereit, aber Obama muss sich von Schmidt distanzieren. Der Vorfall verdunkelt das transatlantische Verhältnis; Außenminister Frank-Walter Steinmeier weigert sich 14 Tage lang, amerikanischen Boden zu betreten, und Henry Kissinger spricht nun gar kein Deutsch mehr. Erst eine Intervention des Altkanzlers - „Na, na, Kinder“ - bringt Ruhe in die Weltpolitik.

Karikatur / Greser&Lenz / So wird 2009/2 © F.A.Z.-Greser&Lenz Vergrößern

Mai

Gesine Schwans Versuch, sich von Schmidt adoptieren zu lassen und so ihre Chancen gegen Horst Köhler bei der Bundespräsidentenwahl am 23. zu steigern, wird quer durch alle Parteien als durchsichtiges Manöver kritisiert. Schmidts Bemerkung, Köhler sei „kein ganz Dummer“, sichert dem Amtsinhaber eine triumphale Wiederwahl.

Juni

Nach anfänglichem Sträuben wird Schmidt anstelle von Dieter Bohlen Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“; so wird die Schmidt-Begeisterung für die junge Generation zugänglich gemacht. Seine Sprüche für untalentierte Kandidaten werden legendär und auf deutschen Schulhöfen begeistert wiederholt: „Sie klingen wie Valéry Giscard d'Estaing auf Crack-Drogen“; „Wenn ich mir Ihre Tanzeinlage so betrachte, meine Liebe: Breschnew war beweglicher“; „Dafür hat meine Generation nun all den Kriegs- und Nazi-Dreck überstanden - dass ich Ihnen zusehen muss!“ Die Ausdrücke „Das ist echt schmidt“ oder „total kanzler“ gehen in die Jugendsprache ein. Bei einem bundesweiten Wettbewerb, wer das „st“ am schmidt-ähnlichsten aussprechen kann, siegt zur Konsternierung der Hamburger ein Gymnasiast aus Bayern. „Trotzdem: Nirgends ist der Zusammenhang zwischen sozialem Status des Elternhauses und St-Aussprache so stark wie im Freistaat“, kritisiert die GEW.

September

Weil die SPD plant, Schmidt auf drei Veranstaltungen für die Bundestagswahl am 27. auftreten zu lassen, zieht die CDU vors Bundesverfassungsgericht. Die Richter geben der Klage in einer Eilentscheidung recht: „Helmut Schmidt gehört nicht allein der Sozialdemokratie, sondern dem gesamten deutschen Volk“, heißt es in der mündlichen Begründung.

Dezember

Die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ startet pünktlich zu Schmidts 91. Geburtstag am 23. eine Leserkampagne. Die berühmten Kreidefelsen auf der Insel Rügen - die seit 1990 ja mit dem Westteil des Landes wiedervereinigt ist, zweifellos auch dies eine der historischen Leistungen Schmidts - sollen demnach zum deutschen Mount Rushmore werden. Als erstes und einziges Bildnis soll dort jetzt Schmidts Gesicht in das Gestein gehauen werden. Den Job von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo kann das aber nicht mehr retten. Er muss gehen, nachdem in der „Zeit“ ein Text erscheint, der nicht von Helmut Schmidt handelt.

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kanzlerkandidatur Warum Angela Merkel 2017 noch einmal antritt

Auch bei der nächsten Bundestagswahl wird Angela Merkel wohl wieder als Kanzlerkandidatin für die CDU antreten. Ein freiwilliger Abschied aus dem Amt ist unwahrscheinlich – das zeigt auch die Historie. Eine Analyse. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

26.04.2016, 10:51 Uhr | Politik
Schloss Herrenhausen Merkel begrüßt Obama mit militärischen Ehren

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren empfangen. Am Sonntagabend wird er mit der Kanzlerin die Hannover Messe eröffnen. Zuvor sind bilaterale Gespräche und eine Pressekonferenz geplant. Mehr

25.04.2016, 10:22 Uhr | Politik
Galadiner im Weißen Haus Obama witzelt über Trump, andere und sich selbst

Bei seiner letzten Auftritt als Gastredner beim Galadiner für Washingtoner Korrespondenten ließ Obama seinem Spott freien Lauf. Seitenhiebe gegen sich selbst ließ er nicht aus. Mehr

01.05.2016, 07:48 Uhr | Gesellschaft
Video Obama und Merkel pochen auf TTIP noch 2016

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat bei seinem fünften und wohl letzten Deutschland-Besuch im Amt gesagt, dass die Verhandlungen zum umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP bis Jahresende abgeschlossen werden könnten. Kritiker befürchten unter anderem, dass bei einem Abkommen der Verbraucherschutz aufgeweicht wird. Mehr

25.04.2016, 15:03 Uhr | Politik
DSDS im Kloster Eberbach Ausrasten auf Kommando

Trotz Protesten drehen Dieter Bohlen und RTL im Kloster Eberbach. Die kunstvolle Laser- und Lichtinszenierung entschädigt dabei für ein akustisch mäßiges Erlebnis in der Basilika. Mehr Von Oliver Bock, Eltville

22.04.2016, 18:57 Uhr | Rhein-Main
Vorwahlen in Amerika

Erdogans Launen

Von Reinhard Veser

Mit dem Rücktritt von Ministerpräsident Davutoglu, der die Vereinbarung mit der EU in der Flüchtlingskrise ausgehandelt hat, dürfte die Zusammenarbeit mit der Türkei noch schwieriger werden. Sie hängt jetzt noch mehr von Präsident Erdogan ab. Mehr 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden