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So wird 2009 : Was kommt: Obama, Schmidt und Bohlen

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Wer hilft, wenn Barack Obamas Redenschreibern die Ideen fehlen, Gesine Schwan ihre Chancen bei der Bundespräsidentenwahl steigern will und „Deutschland sucht den Superstar“ einen neuen Juror braucht? Wer 2008 erlebt hat, der weiß, auf wen 2009 Verlass sein wird.

          Der Sozialphilosoph Woody Allen hat schon vor vielen Jahren in einer „Rede an die Schulabgänger“ die Stimmung erfasst, mit der viele Deutsche ins kommende Jahr gehen: „Mehr als jemals zuvor in ihrer Geschichte steht die Menschheit an einem Scheideweg. Ein Pfad führt in Verzweiflung und völlige Hoffnungslosigkeit, der andere in die Auslöschung. Lassen Sie uns dafür beten, dass wir die Weisheit besitzen, uns richtig zu entscheiden.“ Doch wie sonst nur selten in der deutschen Geschichte wächst uns das Rettende diesmal bereits zu. Wer 2008 erlebt hat, der weiß, auf wen 2009 Verlass sein wird:

          Bertram  Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Januar

          Wenige Tage vor Barack Obamas Amtsantritt am 20. herrscht Panik bei seinen Redenschreibern. „Wir haben nichts. Zero. Nada“, sagt einer der „New York Times“. „Die ganzen guten Sachen für seine Amtseinführungsrede - ,Yes, we can', ,Das ist unsere Stunde', ,Wir sind der Wandel, auf den wir gewartet haben' - haben wir im letzten Jahr schon verbraucht.“ In ihrer Not wenden sich die Obama-Leute an Altkanzler Helmut Schmidt, „von dessen Brillanz wir durch ihn schon gehört haben“. Schmidt reicht einen ersten Redenentwurf ein und kommentiert: „Der amerikanische Präsident tut gut daran, auf den deutschen Kanzler zu hören.“ Doch dann entdeckt die CIA ein altes Zitat - „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ - und ist „nach gründlicher Analyse fast sicher“, dass es von Schmidt stammt. „Da werden Geheimdiensterkenntnisse instrumentalisiert wie vor dem Irak-Krieg“, ätzt Klaus Wowereit, aber Obama muss sich von Schmidt distanzieren. Der Vorfall verdunkelt das transatlantische Verhältnis; Außenminister Frank-Walter Steinmeier weigert sich 14 Tage lang, amerikanischen Boden zu betreten, und Henry Kissinger spricht nun gar kein Deutsch mehr. Erst eine Intervention des Altkanzlers - „Na, na, Kinder“ - bringt Ruhe in die Weltpolitik.

          Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

          Mai

          Gesine Schwans Versuch, sich von Schmidt adoptieren zu lassen und so ihre Chancen gegen Horst Köhler bei der Bundespräsidentenwahl am 23. zu steigern, wird quer durch alle Parteien als durchsichtiges Manöver kritisiert. Schmidts Bemerkung, Köhler sei „kein ganz Dummer“, sichert dem Amtsinhaber eine triumphale Wiederwahl.

          Juni

          Nach anfänglichem Sträuben wird Schmidt anstelle von Dieter Bohlen Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“; so wird die Schmidt-Begeisterung für die junge Generation zugänglich gemacht. Seine Sprüche für untalentierte Kandidaten werden legendär und auf deutschen Schulhöfen begeistert wiederholt: „Sie klingen wie Valéry Giscard d'Estaing auf Crack-Drogen“; „Wenn ich mir Ihre Tanzeinlage so betrachte, meine Liebe: Breschnew war beweglicher“; „Dafür hat meine Generation nun all den Kriegs- und Nazi-Dreck überstanden - dass ich Ihnen zusehen muss!“ Die Ausdrücke „Das ist echt schmidt“ oder „total kanzler“ gehen in die Jugendsprache ein. Bei einem bundesweiten Wettbewerb, wer das „st“ am schmidt-ähnlichsten aussprechen kann, siegt zur Konsternierung der Hamburger ein Gymnasiast aus Bayern. „Trotzdem: Nirgends ist der Zusammenhang zwischen sozialem Status des Elternhauses und St-Aussprache so stark wie im Freistaat“, kritisiert die GEW.

          September

          Weil die SPD plant, Schmidt auf drei Veranstaltungen für die Bundestagswahl am 27. auftreten zu lassen, zieht die CDU vors Bundesverfassungsgericht. Die Richter geben der Klage in einer Eilentscheidung recht: „Helmut Schmidt gehört nicht allein der Sozialdemokratie, sondern dem gesamten deutschen Volk“, heißt es in der mündlichen Begründung.

          Dezember

          Die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ startet pünktlich zu Schmidts 91. Geburtstag am 23. eine Leserkampagne. Die berühmten Kreidefelsen auf der Insel Rügen - die seit 1990 ja mit dem Westteil des Landes wiedervereinigt ist, zweifellos auch dies eine der historischen Leistungen Schmidts - sollen demnach zum deutschen Mount Rushmore werden. Als erstes und einziges Bildnis soll dort jetzt Schmidts Gesicht in das Gestein gehauen werden. Den Job von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo kann das aber nicht mehr retten. Er muss gehen, nachdem in der „Zeit“ ein Text erscheint, der nicht von Helmut Schmidt handelt.

          Quelle: F.A.S.

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