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Sigmar Gabriel bei den UN : Ende einer Dienstreise?

Melancholisch oder entspannt? Sigmar Gabriel bei den Vereinten Nationen in New York Bild: dpa

Für Sigmar Gabriel geht es bei seinem Auftritt vor den Vereinten Nationen auch um die eigene Zukunft. Wenige Tage vor der Wahl stellt sich für den Außenminister die Frage: War es das schon für den derzeit beliebtesten Sozialdemokraten?

          Der deutsche Außenminister nimmt sich viel Zeit für die Journalisten. Nach einer Pressekonferenz verabschiedet er seinen Gast und wendet sich noch einmal an die Pressevertreter. Man steht nun zusammen und spricht im Hintergrund, wie es im Politikdeutsch heißt. Politiker versuchen in diesen Situationen, Journalisten einen Floh ins Ohr zu setzen. Journalisten wiederum versuchen in diesen Situationen, die Körpertemperatur des Gesprächspartners zu messen. Es sind nur noch wenige Tage bis zur Bundestagswahl. Wird er danach Außenminister bleiben können? Der Minister will gelassen wirken: Ich, nervös? Ach wo!

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wie man heute weiß, musste Guido Westerwelle nach der Wahl im Herbst 2013 das Auswärtige Amt verlassen. Unmittelbar nach dem Wahltag, der bekanntlich die FDP aus dem Bundestag spülte, brach der scheidende Minister zu einer letzten dienstlichen New-York-Reise an, gleichsam um sich in der UN-Vollversammlung im Kollegenkreis zu verabschieden. Westerwelle hatte die Katastrophe kommen sehen. In den Wahlkampf konnte er dennoch nicht mit voller Wucht eingreifen. Den FDP-Vorsitz hatte er längst niedergelegt. Und sein Nachfolger verlangte Zurückhaltung von ihm. Das Szenario klingt vertraut, wenn man davon absieht, dass Westerwelle sich an seine dienende Rolle hielt.

          Beliebtester Sozialdemokrat Deutschlands

          Sigmar Gabriel, zu dem eine dienende Rolle so gut passt wie zärtlicher Handshake zu Donald Trump, hat durchaus darüber nachgedacht, ob er so kurz vor der Bundestagswahl noch nach New York reisen oder nicht doch lieber in der Heimat bleiben soll. Nicht etwa, weil er nun zuhause im Wahlkampf fehlt. Die Generaldebatte der Vereinten Nationen ist schließlich auch eine Bühne, um zur besten Sendezeit die schwierigen diplomatischen Bemühungen um den Weltfrieden dem heimischen Publikum nahezubringen. Gabriel hatte aber seine letzte Reise als Umweltminister zum UN-Hauptquartier im Herbst 2009 in unguter Erinnerung. Kurz danach war die große Koalition Geschichte und die SPD, die das schlechteste Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte eingefahren hatte, fand sich in der Opposition wieder. Auch das Szenario klingt vertraut.

          Gabriel erster Auftritt in New York läuft routiniert. Von Beginn seiner Zeit als Außenminister an hatten die Diplomaten im Auswärtigen Amt nicht das Problem, einem unerfahrenen Novizen die Feinheiten des Geschäfts erklären zu müssen. Es war geradezu bemerkenswert, wie reibungslos sich der Übergang von Frank-Walter Steinmeier zu Gabriel im Frühjahr vollzog. Am Mittwoch und Donnerstag reiht ein bilaterales Gespräch an das nächste multilaterale Treffen. Unterhaltung mit dem chinesischen Außenminister über Nordkorea, Treffen der Sechsergruppe zu Iran und ein Abendessen mit Sergej Lawrow zur Ukraine. Gabriel absolviert ein dichtes Programm.

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