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John McCain : „Die Alternative zur freiheitlichen Ordnung ist ein dunkler, kalter Ort“

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Der letzte Maverick der Republikaner: John McCain Bild: AP

Aus gesundheitlichen Gründen konnte John McCain nicht an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen, das erste Mal seit 40 Jahren. Seine Frau nahm stellvertretend den Ewald-von-Kleist-Preis entgegen – und überbrachte seine Botschaft.

          Vielleicht hatte John McCain tatsächlich gedacht, er könne die Präsidentenwahl 2008 gewinnen, obschon die Lage für die Republikaner damals aussichtslos war. Aber selbst wenn die Niederlage für ihn bitter war – an dem Abend, als er sie eingestehen musste, zeigte sich die amerikanische Demokratie von ihrer besten Seite: McCain rief seine Anhänger, von denen viele auf politischen Krawall aus waren und dem künftigen Herrn im Weißen Haus ganz gewiss nicht Blumen streuen wollten, dazu auf, den Wahlsieger Obama auch als „ihren“ Präsidenten anzuerkennen.

          In diesem Moment zeigte John McCain Haltung – die eines Staatsmanns, der in Sorge um das Gemeinwesen ist. Jahre zuvor hatte er eine ebenso ehrenvolle Gesinnung bewiesen, als er sich weigerte, aus nordvietnamesischer Gefangenschaft freizukommen, mit der Begründung, er sei noch nicht an der Reihe.

          McCain, 1936 in eine Soldatenfamilie geboren, ist einer der wenigen amerikanischen Senatoren – er gehört der kleineren, früher hätte man gesagt, nobleren Kammer des Kongresses seit 1987 an –, die auch hierzulande einem größeren Publikum bekannt sind. Das liegt an seiner Prominenz und seiner Eigenwilligkeit.

          Mit seinem Einzelgängertum („Maverick“) hatte er 2008 geworben. Er legt sich mit der eigenen Partei an, wenn die um taktischer Vorteile willen überkommene Positionen aufgibt und immer weiter nach rechts treibt, und mit dem Präsidenten, wenn der sich als prinzipienloser Geselle gefällt, dem die Verfassung wenig gilt. Auch McCain ist nicht von Trumps Beleidigungen verschont geblieben.

          Ein Falke in der Sicherheitspolitik

          Seine internationale Reputation hat McCain als Außen- und Sicherheitspolitiker erlangt, dem der Zusammenhalt und die Festigkeit des westlichen Bündnisses über alles gehen. Die Münchner Sicherheitskonferenz war ihm dabei die Bühne für denkwürdige Auftritte. Im vergangenen Jahr appellierte er in einer bewegenden Rede an seine Zuhörer, die Vereinigten Staaten nicht abzuschreiben und auch den Glauben an den Westen nicht zu verlieren. Es war eine Art Vermächtnis.

          2016 war er seinem Ruf als einer der schärfsten Kritiker der russischen Politik in Osteuropa und im Nahen Osten treu geblieben. Wiederum ein Jahr zuvor hatte er sich coram publico mit Bundeskanzlerin Merkel angelegt, weil diese Waffenlieferungen an die Ukraine abgelehnt hatte. McCain verstieg sich dabei zu einem Vergleich mit der Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland.

          Er ist ein Falke in sicherheitspolitischen und militärischen Dingen, einer, der diese Grundüberzeugung mit dem uramerikanischen Idealismus verbindet, die Demokratie in die Welt zu tragen. Es hat ihn nicht in Zweifel gestürzt, wenn dieser Idealismus im Fiasko endete wie im Irak.

          „Deshalb sind wir Verbündete“

          In diesem Jahr wollte er wieder an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen, als Leiter der Delegation des Kongresses – trotz seiner schweren Erkrankung. Allein das verrät die unerschütterliche Gesinnung eines Mannes, der selbst Schlimmes erlitten hat und dem das Auseinanderfallen der atlantischen Gemeinschaft das Schlimmste überhaupt wäre. Doch auf Anraten seiner Ärzte sagte er kurz vor seiner geplanten Abreise ab, zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren.

          Stattdessen kam seine Frau Cindy in die bayerische Landeshauptstadt. Sie nahm am Samstagabend stellvertretend den Ewald-von-Kleist-Preis der Münchner Sicherheitskonferenz entgegen – und überbrachte John McCains Botschaft.

          Auf eindrucksvolle Weise erklärte McCain darin, was die Konferenz für ihn bedeutet und warum er vier Jahrzehnte lang jedes Jahr nach München kam. „Es gibt nichts Größeres als die Freiheit. Diese Herausforderung müssen wir westlichen Demokratien nicht allein, sondern gemeinsam bestehen“, las Cindy McCain die Worte ihres Mannes vor. „Die Alternative zur freiheitlichen Ordnung ist ein dunkler, kalter Ort. Deshalb sind wir Verbündete. Ich zähle darauf, dass ihr daran festhaltet.“

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