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Veröffentlicht: 17.02.2017, 12:39 Uhr

Reaktionen auf Trump-Auftritt „Er reagiert wie ein CEO“

Der merkwürdige Marathon-Auftritt Donald Trumps ist das Thema vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz. Während Deutsche aus ihrer Meinung keinen Hehl machen, geben sich viele Amerikaner wortkarg – bis auf einen.

von , München
© AFP Polizei vor dem Bayerischen Hof in München: Bei der Münchener Sicherheitskonferenz in dem Hotel geben sich Staatschefs und deren Minister die Klinke in die Hand. Trumps Auftritt ist auch hier das bestimmende Thema.

Donald Trump hat es wieder einmal geschafft. In den Schlangen vor den Sicherheitsschleusen, auf den Fluren und im Foyer des Bayerischen Hofes gab es unter den Teilnehmern der Münchner Sicherheitskonferenz am Freitagvormittag nur ein Thema: den irren Auftritt des amerikanischen Präsidenten am Vortag vor der Presse des Weißen Hauses. 77 Minuten lang hatte Trump sich und seine Regierung gelobt, Journalisten barsch das Wort abgeschnitten – und zwischen kurzen, nachdenklichen und informativen Versatzstücken wieder einmal für Verwirrung gesorgt.

Lorenz Hemicker Folgen:

Die ersten Amerikaner, die am Freitag aus den Vereinigten Staaten kommend das völlig abgeschirmte Tagungshotel in der Münchner Innenstadt betraten, gaben sich wortkarg mit dem Hinweis, sie wollten zunächst die gesamte Pressekonferenz sehen. Ein schwieriges Unterfangen, angesichts der Länge von Trumps Auftritt und des dichten Programms in den kommenden 48 Stunden.

Der amerikanische Deutschlandexperte und langjährige Konferenzteilnehmer Jackson Janes war eine Ausnahme. Er wertete gegenüber FAZ.NET den Auftritt als Indiz dafür, dass Trump in seinem neuen Amt auch nach vier Wochen noch nicht angekommen sei. „Er reagiert wie ein CEO. Sein ständiges Vergewissern scheint ein Zeichen von Unsicherheit zu sein“, so der Präsident des „American Institute for Contemporary German Studies” an der John-Hopkins-Universität in Washington mit Blick auf die ständigen Hinweise Trumps auf seinen Wahlsieg und die für ihn aktuell mit Abstand vorteilhafteste Umfrage, nach der er bei 55 Prozent der Amerikaner positive Zustimmungswerte erreicht.

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Der Präsident des amerikanischen Council on Foreign Relations, Richard N. Haas, kritisierte auf Twitter Donald Trumps Reaktion auf geleakte Informationen. Die amerikanische Regierung stufe viel zu viele Informationen als geheim, ein die einfach nur peinlich seien. „Die Öffentlichkeit braucht diese Lecks, damit die Regierung ehrlich bleibt.“

Die Reaktionen deutscher Politiker, die an der Sicherheitskonferenz teilnehmen, fielen vorsichtig bis äußerst kritisch aus. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach sich gegenüber FAZ.NET dafür aus, das Positive aus Trumps Auftritt mit in die Tagung zu nehmen. „Das Pressegespräch zeigt, wie wichtig es ist, dass wir Europäer ihm zeigen, wie wichtig vertrauensvolle Zusammenarbeit ist.“ Er erwarte von Amerikas Vizepräsident Mike Pence und Verteidigungsminister James N. Mattis eher Signale der Kooperation als der Abgrenzung.

44837212 © dpa Vergrößern Abgesperrt: der „Bayerische Hof“, in dem die Münchner Sicherheitskonferenz stattfindet

Völlig anders reagierte Agnieszka Brugger. Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen äußerte gegenüber FAZ.NET,  Trump habe „mit erschreckender Unwissenheit und plumpen Beschimpfungen der Presse“ verstört. Die Hoffnung, dass Amerikas neuer Präsident durch kluge Berater und Demut gegenüber dem Amt ein anderes Gesicht zeige, sei enttäuscht worden.

Am deutlichsten äußerte sich am Freitag Sicherheitskonferenz-Chef Wolfgang Ischinger. Er forderte in einem Interview mit der Deutschen Welle Präsident Trump dazu auf, damit aufzuhören, weitere Mitgliedsstaaten zum Verlassen der EU zu ermuntern. Sollte er das nicht tun, käme das einer „nicht-militärischen Kriegserklärung“ gleich, so Ischinger.

© AP, reuters Trump-Show bei Pressekonferenz

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