Die Fluggesellschaften British Airways und Air France haben aus Sicherheitsgründen insgesamt sieben Flüge zwischen Europa und den Vereinigten abgesagt. British Airways strich vier Flüge von London nach Washington sowie in die Gegenrichtung und einen nach Miami, Air France zwei Flüge von Paris nach Washington. Zuvor war aus Regierungskreisen in Washington verlautet, daß Flüge der beiden Gesellschaften inach Amerika abermals im Visier von Terroristen sein könnten.
Die dritte betroffene Fluggesellschaft ist Continental Airlines. Flug 17 von Glasgow über New Jersey nach Los Angeles sei am Sonntag gestrichen worden, teilte der amerikanische Konzern mit. Der Flug sei vom Heimatschutzministerium und den schottischen Behörden nicht frei gegeben worden, sagte ein Sprecher.
Bio-Waffen an Bord?
Die „Washington Post“ berichtete am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienstkreise, Al-Qaida-Mitglieder planten möglicherweise, Pocken-, Milzbrandviren oder chemische Kampfstoffe an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, daß sie versuchten, radioaktives Material im Gepäck zu verstecken.
Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete am Samstag, dass Al Qaida es auf fünf bis sechs Flüge von Europa in die Vereinigten Staaten abgesehen habe. „Es gibt eine Reihe von Flügen, deretwegen wir besorgt sind, und British Airways hat rund die Hälfte davon gestrichen", hieß es weiter. „Wir haben Berichte über Drohungen erhalten, die darauf hindeuten, dass Al Qaida diese konkreten Flüge ins Visier nehmen will", sagte er. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte auf Anfrage, er habe keine Kenntnis davon, daß auch Flüge aus Deutschland von den Drohungen betroffen seien.
Ähnlich wie zu Weihnachten
Die Situation ähnele jener um Weihnachten, als inmitten der erhöhten Alarmstufe Orange zwei British-Airways-Flüge von London nach Washington und sechs Air-France-Flüge zwischen Paris und Los Angeles abgesagt wurden. Ein Gewährsmann hatte zunächst auch die Air-France-Verbindung Paris-Los Angeles als erneut bedroht bezeichnet, später aber erklärt, die Drohung richte sich gegen eine nicht näher bezeichnete Stadt.
Eine Sprecherin von British Airways erklärte, Flug 223 nach Washington werde am Sonntag oder Montag nicht starten. Derselbe Flug am Samstag um 15.05 Uhr werde aber planmäßig durchgeführt. Flug 207 nach Miami am Sonntag werde abgesagt.
Alarmstufe wird nicht erhöht
Ein Sprecher des amerikanischen Heimatschutzministeriums, Brian Roehrkasse, sagte, diesmal gebe es keine Pläne, die Alarmstufe zu erhöhen. „Wir bleiben aber besorgt über den Wunsch (des Terrornetzwerks) El Kaida, den Luftverkehr anzugreifen, und da insbesondere den internationalen Luftverkehr“, sagte er. Die Geheimdienste hätten in den vergangenen Wochen glaubwürdige Informationen über Drohungen gegen internationale Flugverbindungen erhalten. „Wir haben diese Informationen mit unseren internationalen Partnern geteilt, und wir werden mit ihnen zusammenarbeiten, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, fügte er hinzu.
Bei der letzten Terrorwarnung während der Feiertage hatte es stundenlange Verspätungen gegeben, weil Passagierlisten überprüft wurden. Regierungskreise in Washington erklärten, inzwischen sei die Überprüfung von Paßagieren im Hintergrund soweit verbessert worden, daß sich lange Verzögerungen nicht mehr wiederholen müßten.
Eine Air-France-Sprecherin sagte, die Flüge AF026 nach Washington würden am Sonntag und Montag aus Sicherheitsgründen gestrichen. „Wir tun immer, was uns die Behörden hinsichtlich Sicherheitsmaßnahmen sagen“, erklärte Sprecherin Veronique Brachet. Ihre Kollegin in New York, Diane Cornman, sagte, es gebe eine gute Zusammenarbeit zwischen der Fluggesellschaft und den amerikanischen und französischen Sicherheitsbehörden. „Wir halten alle Sicherheitsmaßnahmen ein“, sagte sie.