http://www.faz.net/-gpf-7nn5q

„Sexuelle Vielfalt“ : Bischof July fordert Überarbeitung des Bildungsplans

  • Aktualisiert am

Frank Otfried July Bild: picture alliance / dpa

Eine stärkere Berücksichtigung des christlichen Menschenbildes im Bildungsplan von Baden-Württemberg hat Bischof Frank Otfried July im Gespräch mit der F.A.Z. von der rot-grünen Landesregierung gefordert.

          Der Bischof der württembergischen evangelischen Landeskirche, Frank Otfried July, hat von der grün-roten Landesregierung eine Überarbeitung des Bildungsplans und eine stärkere Berücksichtigung des christlichen Menschenbildes gefordert. „Dieser Referenzrahmen des christlichen Menschenbildes oder eine Anthropologie, die sich auf biblische Einsichten bezieht, müssen im neuen Bildungsplan erkennbar sein“, sagte July der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der Landesbischof wandte sich explizit gegen Bestrebungen der Landesregierung sowie anderer politischer Ebenen, Geschlechtertheorien ungeprüft und ohne eine breite gesellschaftliche Diskussion zur Grundlage politischer Entscheidungen zu machen. Über das Verhältnis von sozialem und biologischem Geschlecht müsse sehr sorgfältig diskutiert werden, es müsse aber gefragt werden, welche Theorie richtig und welche falsch sei. „Das kann man diskutieren, aber man sollte es nicht über Nacht als gefestigtes Theoriemodell in einen Bildungsplan einführen.“

          Mehr Zeit für breite Diskussion

          Außerdem kritisierte July, dass die Landesregierung den neuen Bildungsplan überhastet verfasst habe. „Die Landesregierung hätte sich für eine breite Diskussion viel mehr Zeit nehmen sollen, zumal wenn beabsichtigt ist, Grundlegendes zu verändern.“ Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hatte vor wenigen Tagen eine Überarbeitung des Arbeitspapiers zur Rolle des Themas „sexuelle Vielfalt“ im künftigen Bildungsplan angekündigt und auch eingestanden, dass die schon 2012 verfassten fünf Leitprinzipien („Bildung für nachhaltige Entwicklung“, „Medienbildung“, „Verbraucherbildung“, „Prävention und Gesundheitsförderung“ sowie „Berufliche Orientierung“) noch nicht richtig zusammen passten.

          Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte, man prüfe derzeit, ob der Stellenwert der Leitprinzipien so bleiben könne, die Klassen 5 und 6 hätten jetzt einzelne, nach dem neuen Bildungsplan verfasste Texte zur Erprobung, hier warte man jetzt auf eine Rückmeldung.

          Mit Blick auf die Kontroverse über Ehe und Familie in der evangelischen Kirche selbst sagte Landesbischof July, ihm sei der „Stellenwert der Ehe als Institution wichtig“. July lobte, dass das umstrittene EKD-Familienpapier, das er als erster Bischof kritisiert hatte, „nun theologisch nachgearbeitet wird.“ Das sei „der richtige Weg“.

          Das Interview mit Landesbischof July lesen Sie am Montag, dem 24. März in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder an diesem Sonntag ab 20 Uhr im E-Paper.  (www.e-kiosk.faz.net)

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Artikel 155 und was kommt danach?

          Krise in Katalonien : Artikel 155 und was kommt danach?

          Spaniens Zentralregierung könnte in der Katalonien-Krise Artikel 155 anwenden. Das sei verfassungsrechtliches Neuland, sagt Völkerrechtler Stefan Talmon im Interview mit FAZ.NET. Und er warnt vor einem Bürgerkrieg.

          Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will Video-Seite öffnen

          Berlin : Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will

          Zahlreiche Menschen sind in Berlin auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Hass im Bundestag zu demonstrieren. Es sei keine Demonstration gegen die AfD, so einer der Initiatoren. Dennoch nutzten Teilnehmer die Gelegenheit, um ihren Unmut gegen die Partei zu äußern.

          Abe wirbt nach Wahlsieg für Verfassungsreform

          Unterhauswahl in Japan : Abe wirbt nach Wahlsieg für Verfassungsreform

          Laut Hochrechnungen könnte die Koalition von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe mehr als 310 der 465 Sitze gewinnen. Damit erreicht sie voraussichtlich die Zweidrittelmehrheit – und kann so eine Verfassungsreform angehen.

          Erdogan legt im Streit mit Amerika nach Video-Seite öffnen

          „Keine Demokratie“ : Erdogan legt im Streit mit Amerika nach

          Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Rede in Istanbul gesagt, dass Amerika keine Demokratie sein könne. In den Vereinigten Staaten werden derweil Sicherheitskräfte Erdogans verklagt, weil sie bei einem Amerika-Besuch des türkischen Präsidenten gewalttätig gegenüber Demonstranten geworden sein sollen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.