Kein Zweifel: Karol Wojtyla, von Oktober 1978 bis April 2005 unter dem Namen Johannes Paul II. Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, ist eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Und das weit über alle Grenzen von Kontinenten und Konfessionen hinweg.
Das Eintreten des Polen, der während der nationalsozialistischen Besetzung seines Landes Zwangsarbeit verrichtete, der seine jüdischen Freunde in Auschwitz verlor, der den kommunistischen Satrapen Moskaus die Stirn bot und der als erster Nichtitaliener seit Jahrhunderten zum Papst gewählt wurde, für die unveräußerlichen Rechte des Menschen, vor allem auf Leben und zur Freiheit, brachte Imperien zum Einsturz.
Sein kompromissloses Eintreten gegen Gewalt machte ihn zum Stachel im Fleisch vieler Mächtiger dieser Welt, sein Einsatz für eine Kultur des Lebens schloss die Sorge um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Gaben der Schöpfung und eine gerechte Form des menschlichen Wirtschaftens ein. Und selbst auf die Gefahr hin, in den eigenen Reihen nicht mehr verstanden zu werden, suchte er die Spaltung der Christenheit und den Streit der Religionen mit Worten und Taten zu überwinden: Hinter die Bilder des Friedensgebets von Assisi und der Besuche an Klagemauer und in Moscheen kann jedenfalls kein Papst je zurück.
Der auf Besonderheit ziehende Akt wird entwertet
Als Papst Johannes Paul II. nach langer, öffentlich ertragener Krankheit im Frühling 2005 starb, versammelten sich auf dem Petersplatz in Vatikan so viele weltliche und geistliche Führer wie noch niemals an einem Ort zusammengekommen waren. Und aus dem Volk, das ihm zu Millionen die letzte Ehre erwies, erscholl „Santo subito!“ - „Heiligsprechung jetzt“.
Doch hätte man es für die Welt nicht auf die Macht der bildmächtigen Erinnerung vertrauen und für die Kirchen bei die Heiligsprechung durch das Volk belassen können? Nicht nach der Logik und der Praxis der Selig- und Heiligsprechungen, die während des Pontifikats Johannes Pauls II. eine neue Wendung nahmen. Dass Päpste ihre Vorgänger mittlerweile nacheinander zur Ehre der Altäre erheben, entwertet den auf Besonderheit ziehenden Akt und hebt auch die Einzelperson nicht mehr hervor. Der Schatten, der auf Johannes Paul II. fällt, trifft das Amt, nicht die Person.
Für Kritiker der Religionen mal etwas zum Nachdenken:
Walter Schlichtenbrede (FAZ.Kritiker)
- 14.01.2011, 20:31 Uhr
Seeligsprechungen als Signal für die Eine von Christus gegründete Kirche...
Wolfgang Graf von Ballestrem (PML)
- 14.01.2011, 20:46 Uhr
Privatistisches Mißverständnis?
J. H. (JohannesLeonhard)
- 14.01.2011, 23:49 Uhr
..vielleicht bedeutendste Persönlichkeit....
Clara Arkham (clara67)
- 15.01.2011, 00:11 Uhr
santo stupido
Claus-Peter Leonhardt (leon_top)
- 15.01.2011, 00:23 Uhr