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Sehnsucht nach der CSU

16.07.2007 ·  Christian Wulff hat ausgesprochen, was viele in der CDU über die CSU denken: „Der Machtübergang in Bayern zieht sich zu lange hin.“ Doch Beifall findet seine Beherztheit keineswegs bei den Parteifreunden.

Von Wulf Schmiese, Berlin
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Christian Wulff hat ausgesprochen, was viele in der CDU über die CSU denken: „Der Machtübergang in Bayern zieht sich zu lange hin.“ Doch Beifall findet seine Beherztheit keineswegs bei den Parteifreunden. Wulff verschärfe damit die Krise nur, sagen sie. So schade er der Union insgesamt. Die CSU gibt sich verärgert über den ungebetenen Rat aus Norddeutschland, und die süddeutschen Freunde aus der CDU springen ihr bei.

„Jeder soll vor seiner Haustür kehren“, sagt der CDU-Abgeordnete Georg Brunnhuber, Vorsitzender der baden-württembergischen Landesgruppe der Union im Bundestag. „Die CSU braucht zurzeit viel, bloß keine öffentlichen Ratschläge aus Hannover.“

„CSU wird nicht nur in Bayern gebraucht“

Dabei hatte der niedersächsische Ministerpräsident Wulff seine Kritik in der Zeitung „Bild“ freundschaftlich zu verzieren versucht: „Wir warten sehnlichst darauf, dass der neue CSU-Chef bald gewählt wird, weil die CSU nicht nur in Bayern gebraucht wird.“

Der CDU liege an einer starken CSU, die auch im Norden viele Anhänger habe. Diese Anhängerschaft sehen auch Konservative wie Brunnhuber „als lebensnotwendig für die Regierungsfähigkeit“ der CDU. „Die CSU ist für die Union das wichtigste Stück im konservativen Kuchen. Ist sie nicht stark mit über 50 Prozent in Bayern, kann die Union insgesamt nie über 35 Prozent kommen“, sagt Brunnhuber. Nicht nur bei ihm in Baden-Württemberg wählten viele CDU, „weil sie die CSU bewundern.“ Auch das konservative CDU-Vorstandsmitglied Erika Steinbach sagt: „Die CSU bringt uns ein enormes Potential an Prozentpunkten. Sie muss deshalb baldmöglichst wieder ihre alte Rolle spielen.“

Keine Häme

Deshalb sieht die CDU-Führung die Krise der CSU keineswegs mit Häme. „CDU und CSU sind aufeinander angewiesen“, sagt Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die wie Wulff zu den drei Stellvertretern von Frau Merkel im CDU-Bundesvorsitz gehört. „In einer solchen Situation des Personalwechsels an der Spitze bringt die Schwesterpartei CDU auch die notwendige Geduld auf, diesen Wechsel konstruktiv zu begleiten“, sagt Frau Schavan. Für sie sei nicht erkennbar, dass die CSU durch die Personaldebatte politisch geschwächt sei. „Sie ist auch in diesen Wochen die politisch prägende Kraft in Bayern.“ Doch trotz dieses Lobs sehnt sich auch Frau Schavan nach Ruhe bei der Schwesterpartei: „Die Weichen für das Amt des Ministerpräsidenten in Bayern werden in diesen Tagen ja gestellt. Alle gehen wir davon aus, dass es ab Herbst wieder in alter Manier eine kraftvolle CSU gibt.“

Die CDU-Führung beobachtet die Ränke um die Stoiber-Nachfolge genau und bespricht sie auch. Für Unruhe sorgt, dass seit Monaten nicht mehr die politischen Inhalte Diskussionen bei der CSU dominieren, sondern Fragen über Schwierigkeiten des Personals - von Gabriele Pauli bis zu Horst Seehofer. „Die Debatte ist gefährlich unernst“, heißt es in der CDU-Spitze. In den Koalitionsrunden trügen die CSU gottlob noch die Inhalte, weil sich Stoiber partout nicht als „lahme Ente“ gebe. Doch das „nicht sensationelle“ Abschneiden der Union in Umfragen wird der CSU zugeschoben. Über ein Schrumpfen der CSU im bundesweiten Ansehen zur Provinzpartei ist man in der Nähe der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel aber nicht besorgt: Ein neuer bayerischer Ministerpräsident habe sich schon immer nach seiner Wahl noch bekannter machen müssen.

Die CSU empfindet Wulffs Rat als illoyal. „Wulff muss sich keine überflüssigen Sorgen über die CSU machen“, sagt der CSU-Abgeordnete Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag. „So wie wir 1999 darauf vertraut haben, dass die CDU ihre Führungskrise in den Griff bekommt, so kann heute die CDU darauf vertrauen, dass wir den Wechsel an der Spitze glatt hinbekommen.“ CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer nimmt es sportlich. Er kündigt Wulff an, den er aus Tagen bei der Jungen Union als Gegner kennt, die CSU erstarke bald. „Wulff hat ja so recht“, sagt Ramsauer. „Die CDU braucht uns wirklich. Wir haben denen Korsettstangen eingezogen, damit auch sie nun erfolgreich regieren können in den Ländern. Deshalb hat Wahlkämpfer Wulff Sehnsucht. Diese Einsicht hätte ich ihm gar nicht zugetraut.“

Quelle: F.A.Z., 17.07.2007, Nr. 163 / Seite 4
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