29.09.2009 · Während Seehofer mit der „strukturellen Niveauabsenkung“ hadert und auch bei der Ausgabe neuer Ziele kleine Brötchen backt, entdeckt die CSU aufs Neue ihren Guttenberg. Der Parteivorsitzende führt nun demonstrativ die Koalitionsgespräche.
Von Berthold KohlerDer Parteivorsitzende bin ich, sagte sich und anderen der bayerische Ministerpräsident Seehofer zur Begründung, warum er die Münchner Delegation bei den Koalitionsgesprächen in Berlin anführen werde und nicht etwa der Abgeordnete Karl-Theodor zu Guttenberg aus Kulmbach, derzeit noch Wirtschaftsminister. Der hat bei seinem kometenhaften Aufstieg in schwindelerregende Höhen (momentan 68 plus x) die CSU so mit- und hingerissen, dass mancher in ihren Reihen schon forderte, der Oberfranke müsse nun auch die Verhandlungen mit CDU und FDP führen.
Während Seehofer mit der „strukturellen Niveauabsenkung“ hadert und auch bei der Ausgabe neuer Ziele kleine Brötchen backt, die er seinen Vorgängern um die Ohren geschlagen hätte, entdeckt die CSU gerade, dass er vielleicht doch noch nicht ihr allerletzter Hoffnungsträger war. Söder, seiner Zeit und Partei stets voraus, wusste das natürlich schon immer. Doch selbst ihm, dem nie um eine Erklärung verlegenen Hauptkonkurrenten, muss das Phänomen Guttenberg langsam unheimlich werden, vom „Entdecker“ des Freiherrn ganz zu schweigen.