26.04.2009 · Seit einigen Jahren warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor menschlichen Infektionen mit einem neuen Subtyp, der sich aber bislang nicht von Mensch zu Mensch ausbreitete. Bisher galt der Vogelgrippevirus als wahrscheinlichster Kandidat für eine Influenzapandemie, nun kommt der bislang weitgehend unbekannte Schweinegrippe-Erreger dazu.
Von Peter-Philipp SchmittSeit einigen Jahren schon gilt die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte pandemische Warnphase 3. Sie bedeutet, dass es menschliche Infektionen mit einem neuen Subtyp gibt, der sich aber bislang nicht von Mensch zu Mensch ausbreitet. Die bisherige Warnphase 3 bezieht sich auf das Vogelgrippevirus H5N1, das von vielen Fachleuten als wahrscheinlichster Kandidat für eine Influenzapandemie genannt wird.
Hinzu kommt nun der bislang weitgehend unbekannte Schweinegrippe-Erreger H1N1. Die WHO hielt auch am Sonntag noch an Phase 3 fest, obwohl es seit Freitag Berichte darüber gab, das Virus sei in Mexiko von Mensch zu Mensch übertragen worden. Allerdings ist die Situation momentan noch unklar. Die Möglichkeit, dass es sich um ein Pandemievirus handelt, das in der Lage ist, sich von Kontinent zu Kontinent zu verbreiten und womöglich Zehntausende Menschen zu töten, ist zwar gegeben. Nach derzeitigem Stand aber besteht kein Grund zur Panik.
Infektion durch Tröpfchen
Es ist davon auszugehen, dass eine pandemische Influenza nicht anders übertragen wird als eine saisonale Grippe, die alle Jahre wiederkehrt. Die Infektion erfolgt durch Tröpfchen, durch Anhusten zum Beispiel, aber auch durch Händeschütteln, nicht aber durch den Verzehr von stark erhitztem Schweinefleisch. In Deutschland wurde schon 2005 auf Anraten der WHO ein Pandemieplan erarbeitet, in dem auch Hygieneregeln (Tragen eines Mund-Nase-Schutzes, vermehrtes Händewaschen) vorgegeben sind.
Da es offenbar in den Vereinigten Staaten Fälle von an der Schweinegrippe erkrankten Patienten gibt, die schon wieder auf dem Weg der Besserung sind, scheint das Virus zumindest auf einige der neueren und durchaus gängigen Grippemedikamente anzusprechen. Gegen Oseltamivir (Tamiflu) ist der Erreger nach Angaben der WHO zum Beispiel nicht resistent und wohl auch nicht gegen Zanamivir (Relenza). Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte schon vor einigen Jahren den Bundesländern eine Bevorratung von Grippemedikamenten empfohlen, spätestens nach der Ausbreitung des Vogelgrippevirus sind die meisten Länder der Empfehlung auch gefolgt.
RKI-Präsident Jörg Hacker hält es für denkbar, dass der Influenza-Erreger bis nach Deutschland kommt. „Das ist durchaus möglich. Das Virus scheint über alle Eigenschaften zu verfügen, um sich weltweit auszubreiten“, sagte Hacker Auch er warnte davor, „in Panik zu verfallen“ und versicherte: „Wir sind gut vorbereitet. Es gibt Pläne für den Fall der Fälle.“
Begrenzte Impfstoffe
Im Pandemiefall wird die WHO in kürzester Zeit einen Impfstoff entwickeln lassen (noch hat sie nicht dazu aufgerufen), allerdings kann das Monate dauern. Auch danach wird der Impfstoff dem größten Teil der Bevölkerung nicht zur Verfügung stehen. Im Nationalen Pandemieplan ist daher genau festgelegt, welche Gruppen bevorzugt geimpft würden.
In der aktualisierten Fassung (2007) heißt es dazu, dass zunächst „der zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung und der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderliche Personenkreis“ berücksichtigt werden müsse. Die Bevölkerung hingegen solle grundsätzlich nach Altersjahrgängen geimpft werden unter der Maxime, „dass eine möglichst geringe Krankheitslast und Sterblichkeit zu erwarten ist“. Auch eine Quarantäne von „Kranken und Ansteckungsverdächtigen“ wird nicht ausgeschlossen.
Am Sonntag stimmten Bund und Länder schon einheitliche Empfehlungen ab, wie mit Verdachtsfällen umzugehen sei. Die Fluggesellschaften sind sowieso immer auf den Ausbruch von Infektionskrankheiten vorbereitet, ebenso die zuständigen Gesundheitsämter, hieß es bei dem in Deutschland für Infektionskrankheiten zuständigen RKI in Berlin. Auch eine Reisewarnung für Mexiko gibt es zunächst nicht, wie das Auswärtige Amt bekräftigte. Unter den aktuellen Hinweisen auf der Internetseite heißt es nur: „Reisenden wird empfohlen, die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen.“
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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