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Schwarz-Grünes Hassliebesspiel Künast hat Rücken

14.06.2011 ·  Die Grünen halten sich alle Koalitionsoptionen offen. Niemand zeigt das derzeit so gut wie Frau Künast in Berlin. Sie darf es sich nicht mit Rot und nicht mit Schwarz verderben, also zeigt sie mal dem einen, mal dem anderen den Rücken.

Von Jasper von Altenbockum
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Die Union will den Grünen nicht hinterherlaufen. Wie sollte sie das auch? Wird sie doch getrieben. Jedes Mal, wenn einer der künftigen grünen Oberbürgermeister, Minister, Ministerpräsidenten, Kanzler, Bundespräsidenten und was es an Ämtern noch so gibt in Deutschland von Rot-Grün oder Grün-Rot säuselt, nehmen das CDU und CSU so, als spürten sie den Hauch des Untergangs. Je rötlicher sich die Grünen geben, desto größer dann die Versuchung, den künftigen Partner zu besänftigen. Siehe Familienpolitik, siehe Atompolitik, siehe auch bald die Bildungspolitik?

So aber halten sich nicht die Unionsparteien alle Optionen offen, sondern die Grünen. Niemand zeigt das derzeit so gut wie Frau Künast in Berlin. Sie darf es sich nicht mit Rot und nicht mit Schwarz verderben, könnten ihr doch beide zum Amt der Regierenden Bürgermeisterin verhelfen. Also zeigt sie mal dem einen, mal dem anderen den Rücken, so wie in der Atomdebatte im Bundestag dem Vorsitzenden der CDU in Nordrhein-Westfalen, der als Bundesumweltminister alles tut, um eines Tages in Berlin oder Düsseldorf nicht mehr auf die FDP angewiesen zu sein. Das tat Frau Künast im Plenum während der Rede Röttgens so penetrant, dass es der Kanzlerin schon wieder Humor abverlangt haben muss.

Schwarz-grünes Hassliebesspiel

Oder muss man jetzt sagen: Respekt? Diese neue Geschäftsgrundlage zwischen Union und Grünen hat Winfried Kretschmann in die Debatte geworfen. Seine Merkel-freundlichen Sätze waren allerdings so dick aufgetragen, dass man die Wut über seine Berliner Führung herauslesen konnte, ihm ein Bündnis mit den Roten aufgenötigt zu haben, obgleich ihm doch die Schwarzen viel lieber gewesen wären. Doch selbst dann, wenn sein Wunsch für den Grünen-Parteitag Ende Juni in Erfüllung ginge (ein klares Ja zur schwarz-gelben Atomwende), könnte sich das schwarz-grüne Hassliebesspiel als großes Missverständnis herausstellen.

CDU und CSU treffen Sachentscheidungen, die pragmatisch ausgerichtet sind; für die Grünen ist jedes Angebot ihres Katalogs nur ein Vehikel, um eine ganze Lebenswelt auszubreiten. So ist es auch und vor allem in der Atomfrage. Die Warnungen Gröhes und anderer Unionspolitiker vor Debatten über Schwarz-Grün kommen aus einer anderen Welt, die schon jetzt unter konservativem Naturschutz steht. Für die Grünen wiederum wiederholt sich die Ankunft in der Realität aufgezwungener Kompromisse. Der Rest sind Rückenschmerzen.

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Jahrgang 1962, verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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