24.09.2003 · In seiner Rede vor den Vereinten Nationen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nachdrücklich für eine verstärkte internationale Partnerschaft geworben. FAZ.NET dokumentiert Auszüge der Rede.
In seiner Rede vor den Vereinten Nationen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nachdrücklich für eine verstärkte internationale Partnerschaft geworben. Mit seiner Forderung nach einer „Ausweitung des Multilateralismus“ wandte er sich auch gegen Strömungen in den Vereinigten Staaten, die wie im Irak-Krieg einen Kurs unabhängig von der Zustimmung wichtiger Partnerstaaten für richtig halten.
"(...) Unsere Geschichte weist uns den Weg. Es ist der Weg in eine intensive internationale Zusammenarbeit unter dem Dach der Vereinten Nationen, die wir - auch durch mutige Reformen - weiter stärken müssen. Es ist der Weg zu einer universalen Ordnung des Rechts und der Menschenwürde, des verantwortlichen Regierens und der Teilhabe aller Menschen am Wohlstand dieser Welt.
Und es ist der Weg zu Sicherheit und Frieden durch umfassende Prävention:
- Wir müssen, auf der Basis eines effektiven Multilateralismus, entschlossen handeln, wo Frieden gefährdet und Menschenrechte verletzt werden.
- Aber wir müssen uns genauso entschlossen engagieren, Konflikte zu vermeiden und stabile Strukturen zu schaffen, damit die Menschen ihr Leben in Freiheit und tolerantem Miteinander führen können.“
(...) im Bewußtsein unserer eigenen Geschichte nehmen wir unsere Verantwortung für eine kooperative Friedenspolitik wahr. (...)
Aber wir übernehmen auch, Seite an Seite mit unseren Partnern in der Nato und in der EU, militärische Verantwortung dort, wo das zur Sicherung des Friedens und zum Schutz der Menschen unumgänglich ist.
(...) Unser Engagement in Afghanistan steht dabei an erster Stelle. Deutschland ist bereit, dort anhaltend engagiert zu bleiben - auch über das bisherige Maß hinaus.
(...) Unsere Antwort muß sein, die Rolle und das Engagement der Vereinten Nationen in Irak zu stärken.
Nur die Vereinten Nationen können die Legitimität garantieren, die nötig ist, um der irakischen Bevölkerung den raschen Wiederaufbau ihres Landes unter einer eigenständigen, repräsentativen Regierung zu ermöglichen.
Deutschland ist bereit, einen solchen Prozeß zu unterstützen: durch humanitäre, technische und ökonomische Hilfe oder auch durch Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte.
(...) Aber die Geschichte und unsere unmittelbare Erfahrung lehren uns auch, daß wir scheitern werden, wenn wir unser Denken und Handeln auf militärische und polizeiliche Aspekte verengen.
Beides, die Fülle der Chancen, aber auch die Größe der Gefahren, zwingt uns zur internationalen Partnerschaft sowie zur Stärkung und Ausweitung des Multilateralismus.
(...) Lassen Sie uns gemeinsam die Vereinten Nationen noch stärker machen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und mehr Gerechtigkeit zu erreichen.
Ich danke Ihnen.“