http://www.faz.net/-gpf-7u1dq

Schottlands Referendum : Bayern kämen alleine klar, Franken auch

  • Aktualisiert am

Mia san mia! Mancher Bayer würde den Freistaat gerne eigenständig sehen. Freilich hätte Bayern direkt ein Separtistenproblem. Bild: dpa

Die Schotten stimmen über ihre Unabhängigkeit ab. Auch Bayern wäre stark genug, wieder ein eigenständiger Staat zu werden. Ein Problem: In Bayern gibt es nicht nur eine, sondern zwei Unabhängigkeitsbewegungen.

          Schottland und Bayern haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: Beider Länder Farben sind weiß-blau. Zwar ist das schottische Blau dunkler geraten als das bayerische Himmelblau, doch gibt es noch andere Verwandtschaftsmerkmale. Derzeit inspiriert das schottische Referendum die Unabhängigkeitsbewegten im Freistaat. Dabei gibt es eine bayerische Sondersituation: Die Bayernpartei würde sich gerne von Deutschland abspalten - und die fränkische Unabhängigkeitsbewegung von Bayern.

          Obwohl außerhalb der bayerischen Landesgrenzen gern verlacht, wäre eine Unabhängigkeit Bayerns von Historie, Territorium, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft her gut vorstellbar. Bayern ist älter als Deutschland und hat eine über tausendjährige eigenstaatliche Tradition, die erst der angebliche Märchenkönig Ludwig II. vor knapp 150 Jahren aufgab. Bayern hat mit über 12 Millionen Einwohnern eine größere Bevölkerung als Österreich oder die Schweiz und ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt.

          Doch anders als in Schottland ist die bayerische Unabhängigkeitsbewegung schwach - und geteilt. „Wir würden ein solches Unabhängigkeitsreferendum in Bayern ausdrücklich begrüßen“, sagt Florian Weber, der Vorsitzende der Bayernpartei. „Auch wenn eine Mehrheit dafür momentan nicht vorstellbar ist. Da muss man realistisch sein.“

          Weber hofft aber, dass die schottische Abstimmung der Bayernpartei hilft: „Früher sind wir immer verlacht worden. Inzwischen lachen da sehr viel weniger.“

          Franken streben Bundesland an

          Doch Bayern ist nicht gleich Bayern. Ein Teil der bayerischen Bevölkerung fühlt sich bis heute nicht zu Bayern gehörig. Ein unabhängiges Bayern wäre mutmaßlich sofort mit einer fränkischen Unabhängigkeitsbewegung konfrontiert. Die fränkische Zwangsvereinigung mit Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben manche bis heute nicht verschmerzt.

          Der Fränkische Bund strebt zwar keine Unabhängigkeit, aber zumindest ein eigenes Bundesland an. „Ein eigener Staat war noch nie unser Thema“, sagt Vorstandsmitglied Jochen Pfeuffer. Doch würde eine ernsthafte Debatte über eine Unabhängigkeit Bayerns ohne Zweifel auch die fränkischen Separatisten beflügeln. So gibt es neben dem Fränkischen Bund noch andere Gruppen fränkischer Patrioten.

          „Wir können einiges von den Schotten lernen“

          Auch Franken allein wäre lebensfähig und mit über vier Millionen Einwohnern immer noch beträchtlich größer als das respektable EU-Mitglied Slowenien. Sollte Bayern jemals unabhängig werden, würde es daher in Franken „mit Sicherheit Stress geben“, sagt daher Joachim Kalb, ein Mitglied des Fränkischen Bunds.

          Egal, wie das schottische Referendum ausgeht: Sowohl bayerische als auch fränkische Separatisten erhoffen einen Nutzen für die eigene Sache. „Wir Franken können einiges davon lernen“, sagt Kalb. „Die ganzen englischen Politiker kriechen zu Kreuze und versprechen Verbesserungen, um die Schotten umzustimmen. Wenn wir uns in Franken mehr rühren, könnten wir schon etwas für uns rausholen.“

          Weitere Themen

          Die Dürre setzt den Golfern zu

          British Open : Die Dürre setzt den Golfern zu

          Der heiße Sommer erschwert nun auch den besten Golfprofis der Welt das Leben: Bei den British Open in Carnoustie sorgt die Trockenheit für beinharte Fairways. Ein deutscher Frühstarter absolviert die Schwierigkeiten glanzlos mit Par.

          Bedenke das Ende

          Krise in der CSU : Bedenke das Ende

          Nach einer neuen Umfrage steckt die CSU tief in der Krise. Doch Markus Söder gibt sich geduldig und optimistisch – und nimmt vom Thema Asyl etwas Abstand. Ist das eine neue Strategie?

          Maas fordert „Einmischung“ Video-Seite öffnen

          Kampf gegen Rechtspopulisten : Maas fordert „Einmischung“

          In seiner Rede anlässlich des Gedenkens an den Widerstand gegen Hitler hat Bundesaußenminister Heiko Maas die Bevölkerung zu Zivilcourage im Umgang mit Rechtspopulisten aufgefordert. Es dürfe kein feines Schweigen geben, wenn Wutbürger und Ewiggestrige Symbole des Widerstandes perfide umdeuteten.

          Topmeldungen

          Der Nahost-Konflikt eskaliert.

          Gazastreifen : Hamas ruft Waffenruhe mit Israel aus

          Nach heftigen Schusswechseln hat die radikale radikale Palästinenserorganisation Hamas eine Feuerpause ausgerufen. Auch Israels Armee scheint seine Angriffe gestoppt zu haben. Zuvor hatte sie 60 Ziele bombardiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.