Peter Harry Carstensen ist ein Vorbild für die politische Klasse. Vor acht Jahren trat er als Landesvorsitzender der CDU in Schleswig-Holstein an. Die Partei lag am Boden und war machtentwöhnt. Carstensen bekam seinen Posten nur, weil sich die Flügel allein auf ihn hatten einigen konnten, den netten Bundestagsabgeordneten im fernen Berlin, der von sich sagte, er liebe das Leben, der als ein wenig arbeitsscheu galt und niemandem in Kiel zur Gefahr zu werden schien. Ob er ein Übergangsvorsitzender werde, wurde er damals gefragt. Ja, antworte er: Er organisiere den Übergang von der Opposition zur Regierung. Das hat ihm nicht einmal die eigene Partei zugetraut. Aber es ist ihm gelungen.
2005 wurde er Ministerpräsident einer großen Koalition. Er schaffte es schnell, einer der beliebtesten Ministerpräsidenten zu werden, die das Land je hatte. Und er setzte durch, was ihn überzeugte. 2009 erreichte er, wenn auch knapp, das Bündnis mit der FDP. Diese Koalition begann mit einem Konsolidierungskurs, den das Land noch nicht erlebt hat. Der nette Carstensen zeigt die gebotene Härte und versetzt wieder alle in Erstaunen.
Als das Landesverfassungsgericht urteilte, es müsse vorgezogene Wahlen geben wegen eines fehlerhaften Wahlgesetzes, entschloss sich der 63 Jahre alte, gesundheitlich angeschlagene Carstensen, den Schritt vorzuziehen, den er ohnehin geplant hatte: den Parteivorsitz abzugeben. Nun hat er auch mitgeteilt, nicht noch einmal Spitzenkandidat sein zu wollen. Den Übergang in der Führung hat er vorbildlich organisiert: Während sich bei der SPD eine Schlacht um die Spitzenkandidatur abzeichnet, tritt für die CDU Christian Boetticher an, 39 Jahre alt, als Minister und Fraktionsvorsitzender erfahren. Die CDU hat Carstensen auf ihrem Parteitag in Neumünster am Samstag minutenlang gefeiert. Aber auch das Land könnte ruhig mal sagen: Respekt.
Zustimmung: ein paar Politiker verdienen Respekt ...
Ignatius Kordecki (Krd1)
- 19.09.2010, 13:59 Uhr
Respekt vor Carstensen
Heinz Mayer (Bundespraesident)
- 19.09.2010, 14:30 Uhr
Respekt?
Frank Garbe (Frank_Garbe)
- 19.09.2010, 18:57 Uhr