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Schlag gegen Terror Viele Fragen bleiben offen

Immer mehr Details zu den vereitelten Anschlägen und den Ermittlungen im Vorfeld werden bekannt - und sie werfen viele Fragen auf. Waren die mutmaßlichen Terroristen dreist, dumm oder führten sie ihre Vorbereitungen trotz Überwachung fort, um von anderen Aktivitäten abzulenken?

© F.A.Z. Vergrößern

Kurz nach Mittag beginnen Fritz G., Daniel S. und Adem Y. in ihrem gemütlichen Ferienhäuschen im Hochsauerland damit, aus Wasserstoffperoxid und anderen Zutaten eine Bombe zu basteln, wie sie das Land noch nicht gesehen hat. Das war, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, einen Tag später berichtet, genau um 13.32 Uhr. Etwa eine halbe Stunde später bricht die Gruppe die Arbeit ab und trifft Vorbereitungen zur eiligen Abreise. Draußen, in den Vorgärten und Straßen um das Haus im Eichenweg, bemerkt man das haargenau. Rückfragen an die Einsatzleitung, Rückfragen nach Wiesbaden – Zugriff lautet die Anweisung, kein weiteres Risiko mehr eingehen.

Peter Carstens Folgen:  

Einen „herrlich unverbauten Panoramablick“ habe man, so preist der Vermieter an, der das Haus für 245 Euro je Woche bis Ende September an Fritz G. und die anderen vermietet hat. Aber auch der Blick hinein ins Haus und in das Innere der Terrorzelle scheint „herrlich unverbaut“ gewesen zu sein. Nach allem, was inzwischen bekannt wird, hatten die Sicherheitsbehörden nicht bloß Hunderte von Polizisten rund um die Zelle der „Islamischen Dschihad Union“ postiert. Es wurde auch ein feinmaschiges elektronisches Netz über die Gruppe geworfen.

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Verbündete bei der Online-Fahndung

Die deutschen Sicherheitsbehörden und ihre ausländischen Partner hörten offenbar mit, was in der Gruppe gesagt wurde, sie konnten den schriftlichen Gedankenaustausch über die Planung verfolgen, sie kannten Verstecke und Reisewege bis hin nach Pakistan.

Ermittler sichern Beweismaterial in Oberschledorn © ddp Vergrößern Ermittler sichern Beweismaterial in Oberschledorn

Dass auch in die Computer der Verdächtigen eingedrungen wurde, gilt in Berliner Sicherheitskreisen als wenig verwunderlich. Dem Bundeskriminalamt (BKA) ist diese Fahndungsmöglichkeit zwar derzeit verwehrt, aber es gibt im Kampf gegen den Terror ja auch Verbündete – etwa den Verfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen. Oder auch jenseits des Atlantiks.

Auf die Frage des ZDF-Journalisten Klaus Kleber, ob beim BKA ein Schreiben eines ausländischen Geheimdienstes mit Erkenntnissen von den Computern Verdächtiger ungelesen bliebe, antwortete Innenminister Schäuble ausweichend: „Ich weiß nicht, woher unsere Partnerdienste die Informationen haben, aber wir haben von ihnen ganz wichtige Informationen bekommen, die unsere Sicherheitsbehörden in die Lage versetzt haben, diese erfolgreiche Aktion durchzuführen.“ Damit dürfte die Frage beantwortet sein, ob man bei der Dschihad-Zelle ohne Computer-Ausforschung so weit gekommen wäre.

Probleme bei der Festnahme

Zwischen den technischen Höhenflügen der Dienste, den Wortgefechten der Berliner Politik und den Handgreiflichkeiten bei der Festnahme zu Füßen des Rothaargebirges bleiben aber viele Fragen offen. Denn als die mutmaßlichen Täter am Dienstagnachmittag ihr Ferienhaus verließen, bekam ein Festnahmetrupp der GSG 9 den Auftrag zum Zugriff. Zwei der drei Männer wurden auf dem Weg zu ihrem Auto überwältigt, der Dritte hatte kehrtgemacht oder war noch im Haus. Er bekam offenbar mit, was sich draußen abspielte und rannte ins Badezimmer; von dort sprang er durchs Fenster in den Garten, lief an zwei verdutzten Polizisten vorbei und wurde schließlich von einem Dritten umgerissen.

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