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Scheich Hassan Nasrallah Das skrupellose Gesicht der Hizbullah

20.07.2006 ·  Israel hat nach eigenen Angaben das „Hauptquartier“ der Hizbullah-Führung in Beirut bombardiert. Dort vermutet es wohl den Chef der Terrortruppe, Scheich Hassan Nasrallah. Wer ist dieser Mann?

Von Wolfgang Günter Lerch
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Er ist heute der weitaus bekannteste unter den radikalen Schiiten des Libanons. Seit vierzehn Jahren führt er schon die Hizbullah („Partei Gottes“), die in den südlichen Teilen der Hauptstadt Beirut, doch auch in Baalbek in der ostlibanesischen Bekaa-Ebene sowie vor allem im Südlibanon so etwas wie einen Staat im Staat bildet - zum Leidwesen vieler Libanesen, die keine Schiiten sind und die Schwäche ihres Staates und seiner Armee beklagen.

Die Hizbullah Scheich Hassan Nasrallahs hat im Süden die Kommandos der Palästinenser ersetzt, die 1982 von Israel aus ebendieser Region vertrieben worden waren. Es war exakt dasselbe Jahr, in dem mit Teheraner Hilfe der Beschluß zum Aufbau der „Partei Gottes“ gefaßt wurde. Radikale Schiiten hatten der bis dahin beherrschenden Schiiten-Organisation „Amal“ von Nabih Berri „Schwäche und Verrat“ vorgeworfen und sich abgespalten.

Theologie-Studium im Irak

Der Sieg der islamischen Revolution in Iran hatte Ende der siebziger Jahre auch den bis dahin wenig einflußreichen Schiiten des Libanons zu neuem Selbstbewußtsein verholfen. Schon immer eng waren die Beziehungen zwischen dieser muslimischen Konfession, die vornehmlich im Dschebel Amil im Südlibanon wohnt, und den bedeutenden Lehrstätten des Schiitentums im Irak und in Iran. Sie sollten auch für Nasrallahs Karriere eine Rolle spielen.

Der im Jahre 1960 in dem Ort Basurije im Südlibanon als Sohn eines Lebensmittelhändlers geborene Hassan Nasrallah war das älteste von neun Kindern. Schon in jungen Jahren bekam er eine besondere religiöse Erziehung, die er mit ausführlichen theologischen Studien in der Hafenstadt Tyrus fortsetzte. Eine Zeitlang ging er zum Studium der Theologie in den Irak, nach Nadschaf, der wichtigsten Lehrstätte der Schiiten überhaupt, wo er im Schatten der Grabmoschee des Imam Ali Ibn Abi Talib Studien trieb, unter anderem bei dem bekannten Ajatollah Baqir al Sadr.

Keine moralische Skrupel

Doch schon 1978 mußte Nasrallah den Irak Saddam Husseins verlassen. Generalsekretär der Hizbullah wurde er im Jahre 1992, nachdem sein Vorgänger Abbas al Musawi bei einem Hubschrauberangriff der Israelis getötet worden war.

Scheich Nasrallah gilt seinen Anhängern als überzeugender Redner. Der Märtyrertod, der Gang ins Jenseits, sei wie das Durchschreiten einer Tür in ein anderes Zimmer, in dem ein angenehmes Klima herrsche, sagte er einmal auf die Frage eines westlichen Journalisten. Einer seiner Söhne, Hadi, wurde 1997 Opfer seines „heiligen Krieges“ gegen Israel. Das erfülle ihn mit Stolz, gab Nasrallah anschließend ohne zu zögern kund. Moralische Skrupel darüber, daß er junge Männer zum Selbstmord „auf dem Wege Allahs“ treibt, scheint er nicht zu haben.

Seitdem Israel sich im Jahre 2000 unter dem Druck seiner Hizbullah aus der Sicherheitszone zurückzog, ist Nasrallahs Nimbus gewachsen. Mit der jüngsten Entführung zweier israelischer Soldaten, welche die Kriegshandlungen jetzt hervorriefen, will er in Israel einsitzende Araber freipressen. Manche sagen, er habe damit überzogen, die weitreichenden Folgen nicht bedacht. Das kann man auch ganz anders sehen. Daß er auf einer israelischen Liste von zu tötenden Personen steht, kann als sicher gelten.

Quelle: F.A.Z., 20.07.2006, Nr. 166 / Seite 8
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Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

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