Home
http://www.faz.net/-gpf-76cfo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Schavan in Südafrika „Keine weiteren Kommentare“

Bis Freitag ist Bildungsministerin Annette Schavan auf Dienstreise in Südafrika. In einer kurzen Stellungnahme kündigte sie dort an, gegen die Aberkennung des Doktorgrades zu klagen. Unser F.A.Z.Korrespondent war vor Ort.

© reuters, Reuters Doktorgrad entzogen: Ministerin Schavan kündigt Klage an

Die feinste Adresse ist es wirklich nicht: Das „Builder’s Training Center“ in Soweto liegt an der Roodepoort Street in Mafoko South, einer breiten Ausfallstraße gesäumt von kleinen, mit Stacheldraht gesicherten Häusern. Am Eingang des Gebäudes stapeln sich Ziegelsteine, im Hinterhof Holzlatten und die Reste von zersägten Plastikrohren. Es ist der zweite Termin für Annette Schavan in Johannesburg. Am Vorabend hat die Universität Düsseldorf beschlossen, der Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft den Doktorgrad abzuerkennen.

Thomas Scheen Folgen:

Natürlich findet Frau Schavan die Arbeit des Trainingszentrums, das seit vielen Jahren von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Südafrika unterstützt wird, vorbildlich. Sie spricht von „nachhaltigen Chancen“ für schwarze Handwerksmeister, und dem ist nicht zu widersprechen.

Was die deutsche Bildungsministerin allerdings in einer Ausbildungsstätte für Maurer, Dachdecker und Klempner sucht, ist nicht zu erfahren, weil Frau Schavan nicht mit Journalisten redet. Über gar nichts. Ihr Pressesprecher beeilt sich zu versichern, er werde schriftlich nachreichen, was seine Chefin beim ersten Termin des Tages, dem bei der südafrikanischen Niederlassung des deutschen Software-Riesen SAP, zur Diskussion in Deutschland gesagt hat.

Mündlich wiederholen kann der Mann, ausweislich seiner Visitenkarten ein Doktor, die zwei Sätze offenbar nicht. Sie lauten: „Ich akzeptiere die Entscheidung der Universität Düsseldorf nicht und werde klagen. Da ich mich nun in einem Rechtsstreit mit der Universität befinde, bitte ich um Verständnis, wenn ich keine weiteren Kommentare abgebe.“ Eigentlich nicht so schwer zu merken.

Schavan äußert sich in Johannesburg zum Entzug ihres Doktortitels © dpa Vergrößern Annette Schavan gab nur ein kurzes Statement ab in Soweto

Nach dem Besuch im Trainingszentrum verschwindet der Ministertross zum Mittagessen. Wohin, ist natürlich geheim. Der Leiter des Trainingszentrums, ein dicker Schwarzer in seinem besten Anzug, winkt der Karawane fröhlich hinterher. Wenigstens einer, der sich die gute Laune nicht verderben lässt.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
British Airways Blinder Passagier stürzt in den Tod

Ein Mann, der vermutlich als blinder Passagier im Fahrwerkschacht einer Boeing 747 von Südafrika nach London flog, ist tot. Seine Leiche wurde auf dem Dach eines Hauses gefunden. Mehr

19.06.2015, 17:03 Uhr | Gesellschaft
Südafrika Reporter vor laufender Kamera ausgeraubt

Dieser Reporter vom südafrikanischen Fernsehen wollte in Johannesburg einen Aufsager machen, als zwei Männer nicht nur ins Bild laufen, sondern auch sein Handy fordern. Mehr

11.03.2015, 15:09 Uhr | Gesellschaft
Nach Auslieferungsstreit Südafrika will sich vom Strafgerichtshof zurückziehen

Pretoria zieht Konsequenzen aus einem Streit über die Festnahme und Überstellung des sudanesischen Präsidenten Baschir. Allerdings anders, als vom Internationalen Strafgerichtshof erhofft. Mehr Von Thomas Scheen, Johannesburg

25.06.2015, 16:13 Uhr | Politik
Mit Windkraft Künstler erweckt Fantasiegestalten zum Leben

Der Niederländer Theo Jansen hat aus Plastikrohren, Folien und Flaschen riesige insektenähnliche Objekte gebaut und an der Nordsee-Küste ausgesetzt. Durch den Wind fangen seine Strandbiester an, sich zu bewegen. Mehr

28.01.2015, 17:26 Uhr | Feuilleton
Germanwings-Absturz Zeitung hält Begräbnis des Kopiloten geheim

Um einen abermaligen Einfall der Weltpresse in Montabaur zu verhindern, hat die Rhein-Zeitung auf Berichterstattung zum Begräbnis von Andreas Lubitz verzichtet. Der Chefredakteur erklärt die Entscheidung. Mehr

29.06.2015, 15:21 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 16:28 Uhr

Hilfe für Tunesien

Von Nikolas Busse

Nach dem Terror in Tunesien steht weit mehr auf dem Spiel als der Tourismus. Das kleine Land ist einer der letzten Versuche, Demokratie in der arabischen Welt zu etablieren. Es kann gar nicht genug Unterstützung aus Europa bekommen. Mehr 18

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden