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Sauerland-Gruppe Gelowicz war nicht scharf aufs Sterben

30.09.2009 ·  Das Auftreten der Sauerland-Terroristen bleibt widersprüchlich: Während Adem Yilmaz beteuert, „im Groben und Ganzen zu blöd“ für den Dschihad in Deutschland zu sein, gesteht Fritz Gelowicz, trotz Kampfausbildung „nicht scharf“ aufs Sterben gewesen zu sein.

Von Markus Bickel, Düsseldorf
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Adem Yilmaz, einer der vier Angeklagten der sogenannten Sauerland-Gruppe, will nicht ausschließen, abermals in den bewaffneten Kampf zu ziehen. Befragt, ob er nach Entlassung aus dem Gefängnis eine Rückkehr zum Dschihad in Betracht ziehe, sagte er am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf: „Das weiß ich jetzt nicht.“ Zuvor hatte der aus dem hessischen Langen stammende Türke lediglich verneint, den „Heiligen Krieg“ in Deutschland fortführen zu wollen, weil er in der Zeit nach seiner Festnahme im September 2007 begriffen habe, die Verantwortung dafür nicht übernehmen zu können. „Dafür bin ich nicht geeignet“, sagte er und fügte an, „dass ich im Groben und Ganzen zu blöd dafür bin“.

Nicht im Auftrag von al Qaida

Yilmaz und die drei anderen Beschuldigten müssen sich seit April vor Gericht verantworten, weil sie eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gegründet und Anschläge mit Autobomben in Deutschland geplant haben sollen. Die Anklage gegen sie lautet unter anderem auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags. Yilmaz gilt als Verantwortlicher der IJU in Deutschland für die Schleusung von Rekruten in die Ausbildungslager der Gruppe im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Der mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe, Fritz Gelowicz, bestritt am Mittwoch, im Auftrag von al Qaida Anschläge geplant zu haben. So habe die IJU, für die er in Deutschland Anschlagsvorbereitungen traf, während seiner Zeit in einem Ausbildungslager im pakistanischen Waziristan „keine Zusammenarbeit mit al Qaida“ gepflegt. Beide Gruppen verfolgten aber ähnliche Ziele und seien sich „freundschaftlich verbunden“. Es sei der IJU darum gegangen, neben Afghanistan, Pakistan und Irak auch Zentralasien „ins Blickfeld“ der Weltöffentlichkeit zu bringen, nicht etwa, sich als „zweite Kraft“ neben al Qaida zu positionieren. „Ich war bis zu meiner Festnahme IJU-Mitglied“, fügte er an.

Völlig freie Hand in Deutschland

Den amerikanischen Militärstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein als mögliches Anschlagsziel habe er bereits während seiner Kampfausbildung in Pakistan mit IJU-Vorgesetzten ins Visier genommen. Die drei anderen Angeklagten hätten von diesem Plan jedoch erst in Deutschland erfahren. Während es der vor allem in Zentralasien präsentierten IJU dort „um Symbolik“ gehe - und nicht um Operationen „mit vielen Opferzahlen“ - sei „unser Anschlag hier“ in Deutschland „durchaus auf Opferzahlen ausgerichtet“ gewesen. Die IJU-Führung habe der Sauerland-Zelle bei der Entscheidung der Anschlagsziele aber „völlig freie Hand“ gelassen, „da wir uns in Deutschland besser auskennen“. Gelowicz bestritt jedoch, jemals Selbstmordanschläge geplant zu haben, schließlich sei es „nicht so einfach, sich selbst in die Luft zu jagen“. Außerdem sagte er: „Ich würde doch nicht heiraten und mich nach acht Monaten in die Luft sprengen.“ Sein Ziel sei vielmehr gewesen, sich nach erfolgreicher Ausführung des Anschlags in Deutschland auf andere Weise bewaffnet am Dschihad in Pakistan oder Afghanistan zu beteiligen, um „den Islam zu verteidigen“. Dabei habe er auch „in Kauf genommen umzukommen, aber ich war nicht scharf darauf“.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Politik.

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