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Saudi-Arabien Der Deal mit Amerika ist brüchig

13.08.2002 ·  Sicherheit gegen Erdöl, so lautete der Deal zwischen Amerikanern und Saudis seit den Tagen von Roosevelt und Ibn Saud. Doch damit scheint es nun vorbei.

Von Anna J. Treu
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Das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten weist Risse auf und das nicht erst seit den jüngsten Vorwürfen des amerikanischen Verteidigungsexperten Laurent Murawiec, der Saudi-Arabien als „Feind“ der Vereinigten Staaten bezeichnete. Zwar bemühten sich der amerikanische Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell um Schadensbegrenzung, doch steht die Frage im Raum, warum gerade jetzt die harsche Kritik an Saudi-Arabien an die Öffentlichkeit drang.

Raum für Spekulationen ließ auch, dass der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld der Kritik an Saudi-Arabien selbst nicht widersprach und nur ihr Durchsickern als unprofessionell kritisierte. „Natürlich ist Saudi-Arabien genauso wie jedes andere Land", sagte Rumsfeld. Und da gebe es eben auch in Saudi-Arabien wohl „die eine oder andere Sache, mit der wir nicht einverstanden sind".

Saudis missionieren weltweit

Mit Sicherheit nicht einverstanden sein kann Washington mit dem Verhalten der Saudis im Kampf gegen den Terror. Zwar hat sich Riad nach dem 11. September an die Seite der USA gestellt, doch ist der Unterschied zwischen Worten und Taten beträchtlich. Seit Jahrzehnten unterstützt Saudi-Arabien überall auf der Welt extreme und militante islamische Gruppierungen. So flossen seit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan Milliarden Dollar in das Land, bevorzugt an islamistische Gruppierungen. Saudi-Arabien war eines von nur drei Ländern weltweit, die das Taliban-Regime mit seiner steinzeitlichen Islamauslegung anerkannten. Erst im September vergangenen Jahres brach Riad die Beziehungen zu Kabul ab.

Doch die Vorwürfe, dass Geld, das offiziell in wohltätige Stiftungen fließt, bei Al Qaida oder anderen Terrorgruppen landet, reißen nicht ab. Amerikanische Geheimdienstkreise verweisen unter anderem auf die radikalen palästinensischen Gruppen Hamas und Dschihad, die Geld von saudischen Organisationen erhalten, doch der Geldfluss lässt sich auch nach Bosnien, Indonesien und Afrika verfolgen. Weltweit stecken die Saudis Millionen von Dollar in den Bau von Moscheen, Lehrinstituten und den Druck von Propagandamaterial, um ihre konservative Richtung des Islams zu verbreiten.

Sicherheit gegen Öl

Während Washington Länder wie Iran, Irak oder Syrien immer wieder als Unterstützer terroristischer Organisationen anprangert, blieb es um Saudi-Arabien merkwürdig still, obwohl immerhin 15 der 19 Attentäter von New York von der arabischen Halbinsel stammten und auch Usama bin Ladin bis zu seiner Ausbürgerung 1994 saudischer Staatsbürger war.

Warum also diese Zurückhaltung? Wegen des Angriffs auf Afghanistan, wegen des geplanten Umsturzes im Irak? Oder ist es die Abhängigkeit vom saudischen Öl, das den amerikanischen Präsidenten mit zweierlei Maß messen lässt?

Sicherheit gegen Erdöl, so lautete der Deal zwischen Amerikanern und Saudis seit den Tagen von Roosevelt und Ibn Saud. Im Golfkrieg ging die Rechnung noch auf. Riad ließ amerikanische Truppen ins Land, die Saudi-Arabien vor Saddam Hussein schützten. Dafür trug das Königshaus einen Großteil der Kosten für die „Operation Wüstensturm“ und füllte die Kassen amerikanischer Rüstungsfirmen durch umfangreiche Waffenkäufe.

Kampf um Nachfolge

Damit ist es nun vorbei. Kronprinz Abdullah ließ offiziell verlauten, dass saudischer Boden als Aufmarschgebiet nicht zur Verfügung stehe. Das mag aus Abdullahs Mund nicht überraschen, schließlich hatte sich der amerika-kritische Thronfolger schon 1990 gegen eine Stationierung von US-Truppen ausgesprochen. Allerdings nimmt er damit auch auf anti-amerikanische Stimmungen im eigenen Land Rücksicht. Nicht nur Usama bin Ladin fordert, die Ungläubigen müssten den heiligen islamischen Boden verlassen.

Hinzu kommt, dass das saudische Königshaus als geschwächt und gespalten gilt. Der 80-jährige König Fahd ist nach mehreren schweren Schlaganfällen nicht mehr in der Lage, die Regierungsgeschäfte zu führen. Es heißt, dass man ihn nur noch auf dem Thron hält, um Nachfolgestreitigkeiten zu verhindern. Spätestens jedoch wenn Fahd stirbt, wird der Kampf um die Nachfolge entbrennen. Kronprinz Abdullah, selbst schon 78, ist umstritten. Er versucht, Reformen durchzusetzen, den Forderungen der Geistlichkeit nachzukommen und gleichzeitig die westlich orientierte Mittelschicht nicht vor den Kopf zu stoßen. Er will den Kampf gegen Terror an der Seite der Vereinigten Staaten führen, ohne den Fundamentalisten in die Hände zu spielen, die den Ausverkauf des Landes beklagen. Ein Spagat, bei dem sich Beobachter nicht fragen, ob er gut gehen kann, sondern nur mehr wie lange noch.

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