28.08.2009 · Der Anschlag auf ein Mitglied des saudi-arabischen Herrscherhauses ist ein Warnsignal. Eigentlich hatten die Sicherheitsbehörden die islamistische Bedrohung in den vergangenen Jahren ernst genommen.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerDas ist ein unglaubliches Ereignis, wobei man nicht weiß, ob das Geschehen oder seine Umstände das Unglaubliche sind: Ein gesuchter militanter Islamist sagt den Sicherheitsleuten, er wolle sich dem für den Antiterrorkampf zuständigen saudischen Vizeinnenminister stellen. Der Mann wird - unkontrolliert - vorgelassen; er sprengt sich in die Luft, kommt um. Der Vizeminister, ein Mitglied der Königsfamilie, wird leicht verletzt. Den Vorwurf der Unvorsichtigkeit muss er sich anhören, auch wenn er sich auf seine Umgebung verlassen können muss.
Gewichtiger ist, dass es nach wie vor in Saudi-Arabien Militante gibt, die zu tun bereit sind, was die Al-Qaida-Terroristen von Anfang an, zumindest propagandistisch, vorhatten: die saudische Königsfamilie zu bestrafen, anzugreifen, zu stürzen. Das wird ihnen nicht gelingen, zumal die Sicherheitsbehörden die terroristische Bedrohung im eigenen Land in den vergangenen Jahren ernst genommen hatten. Aber der Anschlag auf ein Mitglied des Herrscherhauses ist ein Warnsignal, unabhängig von der grotesken Unvorsicht.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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