Home
http://www.faz.net/-gpf-6ymn4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Sarkozy will Gesetze verschärfen Serienmörder von Toulouse in Feuergefecht mit Polizei getötet

Der mutmaßliche Serienmörder von Toulouse ist tot. Er wurde von einem Scharfschützen erschossen. Zuvor hatten Spezialkräfte die Wohnung gestürmt, in der er sich mehr als 30 Stunden lang verschanzt hatte. Bis zuletzt zeigte der Täter keine Reue.

© AFP Vergrößern Ende einer Belagerung: Spezialkräfte der Polizei verlassen den Ort des tödlichen Feuergefechts.

Nach dem Tod des islamistischen Serienmörders Mohamed Merah in einem minutenlangen Feuergefecht mit der Polizei in Toulouse hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag den Sicherheitskräften für ihre „hervorragende Arbeit“ gedankt und Gesetzesverschärfungen angekündigt. Merah hatte nach eigenen Angaben in Toulouse und Montauban am 11., 15. und 19. März insgesamt sieben Menschen getötet. Sarkozys erste Worte richteten sich an die Familien der Opfer, die sich um einen Prozess gegen den Täter gebracht sehen.

Michaela Wiegel Folgen:    

Im Internet wurde derweil eine Botschaft veröffentlicht, in der sich die Gruppe „Dschund al Chilafah“ (Die Soldaten des Kalifats), die der Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ nahesteht, zu dem Angriff auf die jüdische Schule bekennt. Dort hatte Merah am Montag drei jüdische Kinder und einen Rabbiner erschossen. Ein verletzter Jugendlicher liegt noch auf der Intensivstation in Toulouse. Ein Soldat ist nach einem der Angriffe querschnittsgelähmt.

Merah hat seine Taten mit einer Kamera gefilmt. Das gab der Pariser Staatsanwalt François Molins am Donnerstag bekannt. Bis zu seinem Tod habe der Täter keinerlei Reue gezeigt und stattdessen bedauert, nicht mehr Menschen getötet zu haben, sagte der Staatsanwalt. Es sei alles getan worden, um den 23 Jahre alten Franzosen lebend an die Justiz zu überstellen, aber dessen extreme Gewaltbereitschaft habe den Polizeikräften keine Wahl gelassen. „Es hat schon zu viele Tote gegeben“, sagte Sarkozy in einer Fernsehansprache. Die Republik werde ihre Werte „schonungslos“ verteidigen.

Härtere Anti-Terror-Gesetze angekündigt

Nach Sarkozys Worten soll gegen Hasspropaganda im Internet schärfer vorgegangen werden. Nicht nur die Urheber, sondern auch die Nutzer von Seiten mit terroristischen Inhalten sollen bestraft werden. Sarkozy wies seinen Justizminister zudem an, einen Maßnahmenkatalog gegen die Verbreitung von Hasspropaganda im Gefängnismilieu zu erarbeiten. Es sei inakzeptabel, dass die Haftanstalten Hochburgen extremistischer Ideologien seien. Auch gegen die Rekrutierung von jungen Franzosen für „Ausbildungslager“ im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, im Jemen oder im Irak will Sarkozy offensiver vorgehen. So sollen derartige Reisen unter Strafe gestellt werden. Bislang kann die Justiz erst aktiv werden, wenn der Verdacht auf Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung begründet werden kann. „Frankreich wird auf seinem Boden keine Zwangsrekrutierungen oder ideologische Indoktrinierungen dulden“, sagte Sarkozy.

An undated and non-datelined frame grab from a video broadcast by French national television station France 2 who claim it shows Mohamed Merah © Reuters Vergrößern Der französische Fernsehsender „France 2“ zeigt ein Bild von Mohamed Merah.

Sarkozy warnte seine Landsleute davor, den Islam als zweite Religion Frankreichs mit dem Islamismus gleichzusetzen; ein „Amalgam“ sei unzulässig. Die Franzosen müssten „ihre Entrüstung überwinden“ und dürften „ihrer Wut nicht freien Lauf lassen“. Jetzt müsse die Nation vereint zusammenstehen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kabul Deutscher bei Taliban-Anschlag getötet

In Kabul haben sich kurz nacheinander zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Unter den Opfern ist wohl auch ein Deutscher. Sind die Taten Vorboten weiterer Gewalt vor dem Abzug der Nato-Kampftruppen? Mehr

12.12.2014, 04:27 Uhr | Politik
Neue Regierung in Paris

Frankreich hat eine neue Regierung. Der Generalsekretär des Élysée-Palastes verkündete, wen Präsident Francois Hollande für die Ministerposten nominiert hat. Mehr

27.08.2014, 11:44 Uhr | Politik
Präsidentenwahl in Frankreich Die neue Strategie des Herrn Sarkozy

Der neue Vorsitzende der Konservativen will wieder Präsident werden. Die Einzige, die Nicolas Sarkozy bei diesem Plan gefährlich werden kann, ist Marine Le Pen. Gegen sie braucht er die Hilfe seiner Rivalen. Mehr Von Michaela Wiegel

06.12.2014, 17:06 Uhr | Politik
Entsetzen über Mord an französischer Geisel

Frankreichs Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama haben die Ermordung des in Algerien entführten Franzosen durch Islamisten verurteilt. Eine Gruppe, die der Dschihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, hatte den Bergführer verschleppt und mit seiner Tötung gedroht, falls Paris nicht seine Luftangriffe auf den IS im Irak einstellt. Mehr

25.09.2014, 15:12 Uhr | Politik
Ukraine Merkel und Hollande dringen auf Reformen

Deutschland und Frankreich haben rasche Reformen in der vom Staatsbankrott bedrohten Ukraine angemahnt. Darauf dringen Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande in einem Telefonat mit Präsident Poroschenko. Mehr

14.12.2014, 22:38 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.03.2012, 17:02 Uhr

Russische Selbsterhaltung

Von Reinhard Veser

Wladimir Putin macht für die russische Krise äußere Faktoren verantwortlich. Merkt er nicht, wie absurd es klingt, wenn der Führer des größten Landes der Erde so etwas sagt? Mehr 6