Das Pentagon hat die Ausstrahlung des Videos von der medizinischen Untersuchung Saddam Husseins mit dem großen öffentlichen Interesse an seiner Festnahme rechtfertigt. Die Bilder seien eindrucksvoll und zeigten unverkennbar, daß es sich um den gestürzten ehemaligen Machthaber handle, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums am Sonntag in Washington.
Es sei wichtig für das irakische Volk, vermittelt zu bekommen, daß Saddam Hussein nun zur Rechenschaft gezogen werde. Die Bilder zeigten außerdem, daß er sehr professionell behandelt werde, und daß auf seine Gesundheit und sein Wohlergehen geachtet werde. Nach Angaben von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wird Saddam Hussein als Kriegsgefangener gemäß der Genfer Konvention behandelt.
Eine Frage des Blickwinkels
Der Pentagon-Sprecher räumte jedoch ein, daß die Bilder auch anders wahrgenommen werden könnten. In einem Fall von solcher Bedeutung sei die Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse und der Anwendung der Rechte von Kriegsgefangenen schwierig, betonte der Sprecher, der anonym blieb. Die internationale Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen schreibt vor, daß die Würde von Kriegsgefangenen geschützt und Gefangene vor „öffentlicher Zurschaustellung“ bewahrt werden müssen.
Bei der Pressekonferenz nach der Ergreifung Saddam Husseins hatten der amerikansiche Zivilverwalter Paul Bremer und Oberbefehlshaber Ricardo Sanchez ein Video des Gefaßten gezeigt. Darauf ist der 66jährige mit Vollbart und ungepflegtem Haar zu sehen. Unter anderem untersucht ein Militärarzt seine Haare und leuchtet mit einer Stablampe in den weit geöffneten Mund. In einigen arabischen Staaten wurden die Bilder mit Entrüstung und als Demütigung für die arabische Welt aufgenommen.
Auch die Veröffentlichung von Fotos der toten Söhne Saddam Husseins im Juli hatte der Armee Kritik eingebracht. Damals rechtfertigte die Regierung die Bilder mit der Notwendigkeit, Zweifel am Tod der beiden Männer auszuräumen. Als die irakische Ex-Regierung kurz nach Kriegsbeginn im Frühjahr TV-Bilder amerikanischer Kriegsgefangener hatte zeigen lassen, erklärte die Regierung jedoch, die Bilder der Kriegsgefangenen seien „in erniedrigender Weise für Propagandazwecke“ benutzt worden.