09.02.2004 · Das Schicksal des seit Donnerstag vermißten russischen Präsidentschaftskandidaten Iwan Rybkin ist weiter ungewiß. Fünf Wochen vor der Präsidentenwahl gibt sein Verschwinden Rätsel auf.
Das Schicksal des seit Donnerstag vermißten russischen Präsidentschaftskandidaten Iwan Rybkin ist weiter ungewß. Die Moskauer Staatsanwaltschaft leitete am Montag Ermittlungen wegen Mordes ein, doch wurden diese kurze Zeit später von der Generalstaatsanwaltschaft wieder gestoppt. Die Entscheidung sei verfrüht, zurzeit gebe es keine Hinweise auf eine Ermordung Rybkins, teilte die Staatsanwaltschaft in Moskau mit. Die Fahndung nach dem 57jährigen früheren Parlamentspräsidenten werde fortgesetzt.
Rybkin war am Donnerstagabend spurlos verschwunden. Er war erst am Samstag als einer von sieben Kandidaten für die Präsidentenwahl am 14. März registriert worden. Als Chef eines Flügels der zersplitterten Partei Liberales Rußland wird er von einem der schärfsten Gegner von Präsident Wladimir Putin unterstützt, dem im Londoner Exil lebenden Multimillionär Boris Beresowski. Rybkin war bis 1996 Präsident der Duma. Danach wurde er vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin vorübergehend mit den Verhandlungen mit den tschetschenischen Rebellen beauftragt.
Polizei: „Rybkin ist noch am Leben“
Beresowksi berichtete der russischen Zeitung „Kommersant“, Rybkins Frau Albina sei noch am Samstag von einem Sprecher des Sicherheitsrats zugesichert worden, daß ihr Mann am Montag unbeschadet wieder auftauchen werde. Auch ein hochrangiger Vertreter der Moskauer Polizei versicherte gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, Rybkin sei „noch am Leben“. Rybkin soll sich zuletzt am Donnerstagabend bei seiner Familie gemeldet, hieß es. Seitdem sei er auch nicht mehr über Mobiltelefon zu erreichen.
Der 57jährige Rybkin hatte Putin in der Vorwoche als korrupt und dessen Politik als „Staatsverbrechen“ bezeichnet. Bei der Wahl am 14. März gilt er als chancenloser Außenseiter. Die Wahlleitung hatte am Sonntag die Kandidatenliste für die Wahl. geschlossen. Putin muß sich gegen sechs Herausforderer durchsetzen. Als letzte wurden am Sonntag die liberale Politikerin Irina Chakamada sowie der frühere Kommunist und Wirtschaftsminister Sergej Glasjew registriert. In Umfragen liegt Putin mit über 70 Prozent der Stimmen vorn.