09.09.2004 · Als Reaktion auf die Kopfprämien für die Ergreifung der Rebellenführer Maschadow und Bassajew haben Separatisten 20 Millionen Dollar auf Rußlands Präsidenten ausgesetzt. In St. Petersburg wurden in einem Kino Waffen und Sprengstoff entdeckt.
Tschetschenische Rebellen haben ein Kopfgeld von 20 Millionen Dollar auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgesetzt. Sie reagierten damit auf von Rußland in Aussicht gestellte Kopfprämien für die Rebellenführer Aslan Maschadow und Schamil Bassajew.
„Wir bieten Ländern, Organisationen oder Einzelpersonen, die der Republik Tschetschenien aktiv dabei helfen, den Kriegsverbrecher Wladimir Wladimirowitsch Putin zu ergreifen, eine Belohnung von 20 Millionen Dollar“, hieß es in einer auf einer Internetseite der Rebellen veröffentlichten Mitteilung. Unterzeichnet war diese vom „Zentrum für Terrorismus-Bekämpfung der Republik Tschetschenien", das zur von Rußland nicht anerkannten Regierung Maschadows gehört.
Die Rebellen machten Putin in ihrer Erklärung für die Geiselnahme in Beslan verantwortlich, bei der vergangene Woche unter noch ungeklärten Umständen bei der Erstürmung durch Sicherheitskräfte mindestens 326 Menschen - die Hälfte davon Kinder - starben. Maschadow, der als einer der moderateren tschetschenischen Separatisten gilt, hatte eine Verantwortung für die Geiselnahme von sich gewiesen. Bassajew hat bislang keine Stellung dazu bezogen.
„Das ist Doppelmoral"
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem Westen Doppelmoral bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus vorgeworfen. Rußland hält den Vereinigten Staaten und Großbritannien vor, Sprechern des tschetschenischen Rebellenführers Aslan Maschadow Asyl gewährt zu haben.
Die Gegner Rußlands im Kalten Krieg müßten ihre feindselige Haltung gegenüber Russland noch überwinden, sagte Lawrow. Die Sicherheitsdienste westlicher Nationen arbeiteten bei der Terrorismusbekämpfung noch immer nicht voll mit Rußland zusammen. „Neutral würde ich es so ausdrücken: Das ist Doppelmoral", sagte Lawrow.
Gerichte in den Vereinigten Staaten und Großbritannien haben russische Anträge zur Auslieferung der Maschadow-Vertreter Iljas Achmadow und Achmed Sakajew abgelehnt. Lawrow sagte dazu: „Es reicht, an eine Äußerung Sakajews in London zu erinnern. Unverblümt, grob und unmißverständlich hat er erklärt, daß die Ereignisse in Beslan 'auf dem Gewissen der russischen Führung lasten'. Ich denke, jeder kann beurteilen, wie zynisch das ist.“
Gegen ausländische Einmischung
Vorschlägen, andere Länder an einer Lösung des Tschetschenien-Konflikts zu beteiligen, erteilte der Außenminister erneut eine Absage. Lawrow wandte sich auch gegen Forderungen seines niederländischen Kollegen Bernard Bot, der von Rußland eine Erklärung der Geschehnisse in Beslan gefordert hatte.
„Ich habe noch nie von solchen Forderungen an ein anderes Land gehört, das Opfer des Terrors wurde", sagte Lawrow. „Aus irgendeinem Grund, gilt es als unmoralisch, den Vereinigten Staaten, Italien oder Frankreich solche Dinge zu sagen.“ Kritiker werfen Präsident Putin vor, den tschetschenischen Separatismus mit seinem harten Vorgehen im Nord-Kaukasus anzuheizen. Menschenrechts-Organisationen sprechen von willkürlichen Hinrichtungen und Entführungen durch russische Soldaten.
Waffenfund in Sankt Petersburg
In einem wegen Renovierung geschlossenen Kino in Sankt Petersburg hat die russische Polizei Sprengstoff und Waffen gefunden. Es gebe Hinweise auf einen kriminellen Hintergrund, hieß es am Donnerstag in Sicherheitskreisen. Waffen und Sprengstoff waren auch bei der Geiselnahme in einer Schule im südrussischen Beslan unter dem Boden der Turnhalle versteckt worden, bevor dort tschetschenische Rebellen rund 1000 Kinder und Erwachsene in ihre Gewalt brachten.
Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums berichtete, ging die Festnahme von drei aus Kasachstan stammenden Männern dem Fund voraus. Die Männer seien von Kriminalpolizisten festgenommen worden. Der Fund umfasse unter anderem 900 Gramm Plastiksprengstoff, 200 Gramm Dynamit, zwei selbst gebaute Sprengsätze, ein Jagdgewehr und Munition, berichtete Interfax weiter. Bei den Festgenommenen seien außerdem vier Kalaschnikow-Maschinengewehre sichergestellt worden.
Das Innenministerium in Moskau und die Sicherheitsbehörden in Sankt Petersburg waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Rußland befindet sich nach einer Reihe von Anschlägen, die tschetschenischen Separatisten zugeschrieben werden, in erhöhter Alarmbereitschaft.