30.12.2005 · Der Gas-Streit zwischen der Ukraine und Rußland spitzt sich zu. Zwar kann der Zwist den deutschen Versorgern und Verbrauchern nicht gleichgültig sein, kurzfristig birgt er aber keine Gefahr für die Versorgungssicherheit.
Von Andreas MihmDer Streit zwischen der Ukraine und Rußland über die Höhe des Gaspreises kann den deutschen Versorgern und Verbrauchern zwar nicht gleichgültig sein, er birgt aber kurzfristig keine Gefahr für die Versorgungssicherheit. Selbst wenn die Belieferung über die Ukraine-Pipeline komplett unterbrochen würde, hätten die Gasversorger in Deutschland genügend Gas gespeichert, um die im Winter besonders hohe Nachfrage bis in den März zu sichern, beruhigt der Bundesverband der Deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW).
„Bezogen auf den gesamten Jahresverbrauch, kann Deutschland mit Erdgas aus deutschen Gasspeichern länger als zwei Monate versorgt werden“, sagt BGW-Geschäftsführer Weyand. Für etwa 20 Prozent des deutschen Jahresverbrauchs in Höhe von knapp 100 Milliarden Kubikmeter Gas gebe es unterirdische Speicherkapazitäten. Diese seien derzeit weitgehend gefüllt. „Mit dieser Gasmenge kann ganz Deutschland für bis zu 75 Tage versorgt werden.“ Der BGW vertritt Stadtwerke wie auch große Import- und Verteilgesellschaften wie Eon, Wingas oder VNG, die das Gas in ausgeförderten Gasfeldern oder anderen Speichergesteinen zwischenlagern.
Relikte aus dem Kalten Krieg für einen warmen Winter
Zuweilen sind dies auch Relikte aus dem Kalten Krieg. Die Berliner Gasag, der größte kommunale deutsche Versorger, unterhält noch einen großen Speicher im früheren Westteil der Stadt. Solche Lager dienen heute mehr der Steuerung des Gasverbrauchs und als Instrumente für den Gashandel denn als Vorratslager für kritische Zeiten.
Längere Unterbrechungen der Versorgung mit Gas, das vor allem aus Rußland, Norwegen und den Niederlanden eingeführt wird, hat es bisher nicht gegeben. Die russischen Lieferanten haben ihre Verpflichtungen seit Beginn der Transporte vor mehr als 30 Jahren immer eingehalten. Als sie die Versorgung über Weißrußland im Winter 2003/04 einmal kurz unterbrachen, standen einerseits die deutschen Speicher zur Verfügung. Andererseits erhöhte der russische Lieferant Gasprom den Druck auf der zweiten Pipeline, der Südroute, die durch die Ukraine, die Slowakei und die Tschechische Republik bis ins oberpfälzische Waidhaus führt.
Bundesregierung sieht sich nicht in der Vermittlerrolle
Durch diese Leitung fließen etwa 80 Prozent der deutschen Gaseinfuhren aus Rußland. Deshalb wären ein Ausfall der Südpipeline oder Einschränkungen in der Belieferung kaum zu ersetzen, auch wenn die Kapazität der durch Weißrußland und Polen führenden Jamal-Pipeline erst in diesem Jahr von 22 Milliarden auf 29 Milliarden Kubikmeter erhöht worden ist. Im Zweifelsfall könnten auch die Bezüge aus Norwegen und den Niederlanden kurzfristig leicht erhöht werden, heißt es in der Branche. Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Erdgasimporteurs, der Eon-Ruhrgas, Bergmann, hatte kürzlich gesagt, kritisch könne die Lage dann werden, wenn eine Unterbrechung länger dauern und der Winter besonders hart werde und damit die Nachfrage hoch ausfalle. Sprecher der Bundesregierung bekräftigten am Mittwoch, sie hofften, daß der Streit zügig beigelegt werde. Die Bundesregierung sehe sich aber nicht in einer Vermittlerrolle.
In der Energiewirtschaft wird der Konflikt zwischen Rußland und der Ukraine auch als Beleg dafür gesehen, daß es richtig sei, die neue, dritte Gaspipeline durch die Ostsee von Rußland nach Deutschland zu führen und sich damit unabhängig von Transitländern zu machen. Die Leitung soll 2010 in Betrieb genommen werden und im späteren Endausbau bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren können.
Und was ist der Gerd angegiftet worden...
gisbert heimes (gisbert4)
- 29.12.2005, 11:28 Uhr