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Rüttgers' Videopodcast Konkret unkonkret

30.03.2007 ·  Jürgen Rüttgers gibt sich modern - und bietet nun einen interaktiven Videopodcast im Internet an. Die Bürger sollen knallhart nachfragen, die Antworten des Ministerpräsidenten sind jedoch weichgespült. Frischer Wind weht da nur im Hintergrund.

Von Benjamin Imort
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Will Jürgen Rüttgers mal Bundeskanzler werden? Ist der nächste Querschuss gegen die Kanzlerin schon in Planung? Wie weit würde die CDU nach links rücken, wenn er Parteivorsitzender wäre? Beantworten kann diese Fragen nur der nordrhein-westfälische Ministerpräsident höchstselbst. In seinem neuen interaktiven Videopodcast, der seit Freitag erstmals im Internet abrufbar ist (Videopodcast von Jürgen Rüttgers) können sich alle Bürger per E-Mail an ihn wenden. Doch welche Fragen der Regierungschef beantworten will, sucht er sich aus - um dann Standardantworten ans Volk zu bringen.

Rüttgers sitzt vor einem Fenster mit Blick aufs Grüne, in der Mittagssonne wehen ein paar Sträucher im Wind. Der Bürger soll knallhart nachfragen können, die Antworten sind - wenig überraschend - weichgespült. Rüttgers kümmert sich um Themen wie den Nichtraucherschutz, die Verwaltungsreform oder die Schäden durch den Orkan „Kyrill“: „Alexander Schulte aus Balve-Garbeck fragt: Wann ist mit einer konkreten Hilfe für den Märkischen Kreis konkret für das Stadtgebiet Balve zu rechnen?“, sagt Jürgen Rüttgers. Eine konkrete Antwort bekommt Herr Schulte jedoch nicht.

Nicht druckreif, aber authentisch

Stattdessen betet Rüttgers das allgemeine Hilfsprogramm der Landesregierung herunter - „ein 100-Millionen-Programm“, mit dem die Schäden nach dem verheerenden Orkan behoben werden sollen. Die Wanderwege müssten nach der „größten Windkatastrophe, die wir in Nordrhein-Westfalen bisher hatten“, möglichst schnell wieder instand gesetzt werden. Denn bei dem schönen Wetter sollen „die Touristen wieder nach Südwestfalen kommen“, sagt Rüttgers, als müsse einem Dritteweltland jetzt endlich mal unter die Arme gegriffen werden.

Es habe außerdem „eine ganze Reihe von Fragen gegeben, die sich mit der Verwaltungsreform beschäftigt haben“. Welche Fragen das sind, verrät Rüttgers nicht, sondern setzt dazu an, nach dem Orkanhilfsprogramm und dem Nichtraucherschutzprogramm die Verwaltungsreform vorzustellen. Rüttgers redet darüber, die Regierung sei „nicht nur eine Landesregierung, die über irgendetwas redet“. Frischer Wind ist da nur noch in den Sträuchern im Hintergrund auszumachen.

Unbeachtet ließ Jürgen Rüttgers die Frage, ob er sich regelmäßig Angela Merkels Videoblog ansehe. Die Kanzlerin stellt seit Monaten einen wöchentlich aktualisierten Podcast auf ihre Homepage. (Siehe auch: Die Kanzlerin kommt nun per Podcast) Und ja, Jürgen Rüttgers muss ihn eigentlich kennen. Denn statt einer steifen Kanzlerin, deren Videotagebuch eher an eine wöchentliche Neujahrsansprache erinnert, gibt sich Jürgen Rüttgers sichtbar Mühe, möglichst locker über die Computerbildschirme der Bürger zu flimmern. Rüttgers liest nicht - wie die Kanzlerin - vom Teleprompter ab. Er spricht frei. Ab und an senkt sich der Blick auf seine Notizen. So sind die Antworten zwar nicht immer druckreif, wirken aber authentisch.

„Zu Studiengebühren keine Alternative“

Der Ministerpräsident weiß wohl, dass es eher die junge Wählergeneration ist, die seinen Podcast anklickt, und dementsprechend jung gibt sich der 55-Jährige. Doch seine Antworten dürften die Zielgruppe nicht immer entzücken: Zu Studiengebühren gebe es „keine Alternative“, beteuert ihr Landesvater. Unter dem Stichwort „Jugendgewalt“ befasst er sich mit den „Graffiti-Schmierern“ des Bundeslandes. „Das ist keine Kunst, sondern Sachbeschädigung“, sagt Rüttgers. „Es gibt viele, viele Jugendliche, die dauernd auffällig werden. Da müssen wir härter durchgreifen.“ Ob man so Erstwähler gewinnt?

Am Ende des elf Minuten und vier Sekunden dauernden Podcasts hofft Rüttgers, dass die Bürger des Landes „dieses neue Mittel ganz, ganz oft einsetzen“. Und schließlich hat es dann doch noch was von einem Merkelschen Wort zum Freitag: „Wir versuchen, Politik für Sie zu machen, und dafür ist ganz wichtig, dass wir hören, was Sie wichtig finden.“ Will er mal Kanzler werden? Man weiß es nicht…

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