23.02.2010 · Rüttgers als Landesvater, der sich quasi als Neuausgabe des Versöhners Rau profiliert, und ein CDU-Generalsekretär, der die Abteilung Angriff leitet und die eigenen Truppen mobilisiert - diese Arbeitsteilung ging daneben. Nun muss Wüst gehen, weil er seinen Chef wiederholt in Misskredit brachte.
Von Stefan DietrichVon der Idee her sollte sich das ergänzen: ein christlich-demokratischer Ministerpräsident, der versucht, auch noch der Landesvater aller Sozialdemokraten zu sein, und ein CDU-Generalsekretär, der die Abteilung Angriff leitet und dafür sorgt, dass nicht die eigenen Truppen eingeschläfert werden.
Diese Aufstellung hat in Nordrhein-Westfalen nicht geklappt. Zwar ist es Ministerpräsident Rüttgers recht gut gelungen, sich quasi als Neuausgabe des Versöhners Rau zu profilieren; mit Hendrik Wüst aber hatte er jemanden an seiner Seite, der das gegnerische Lager stärker mobilisierte als das eigene und obendrein seinen Chef wiederholt in Misskredit brachte.
Mit „innovativer“ Gegnerbeobachtung und Sponsorenwerbung hatte Wüst den Kopf so voll, dass er zwischendurch den Überblick über seine eigenen Einnahmen verlor. Rüttgers hat sich zu spät von seinem übereifrigen Helfer getrennt. Jetzt muss er mitten im Wahlkampf die Pferde wechseln und zugleich von Angriff auf Verteidigung umschalten. Das Wort Käuflichkeit werden ihm seine Gegner bis zum 9. Mai nachrufen.