28.08.2010 · Natürlich bestreitet Ruandas Präsident Paul Kagame alle Berichte, nach denen seine Truppen bei der Verfolgung der Hutu-Milizen Zehntausende systematisch ermordet haben sollen. Aber der Vorwurf wiegt zu schwer und scheint zu gut dokumentiert, als dass die UN ihn ignorieren könnten.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerHunderttausende Tutsis und politisch gemäßigte Hutus fielen 1994 in Ruanda einem Völkermord zum Opfer - verübt von Hutu-Extremisten und beendet von Tutsi-Truppen unter Paul Kagame, der neulich als Präsident wiedergewählt wurde. War schon in jüngster Zeit das Bild von Kagame als edlem Rebellen ins Wanken geraten, so wird nun auch ihm Völkermord zur Last gelegt. Bei der Verfolgung der ins Nachbarland Kongo geflohenen Hutu-Milizen und Zivilisten sollen Kagames Truppen und verbündete Kongolesen Zehntausende systematisch und gezielt ermordet haben.
In den neunziger Jahren war Kongo der Schauplatz des ersten afrikanischen Weltkriegs; es wurden unvorstellbare Grausamkeiten begangen. Rebellentum und Gesetzlosigkeit dauern bis heute im Osten des Landes an. Natürlich bestreitet Ruanda alle Berichte. Auch vielen im Westen, die auf Kagame gesetzt haben, ist der Völkermord-Vorwurf unangenehm. Aber er wiegt zu schwer und scheint zu gut dokumentiert, als dass die UN ihn ignorieren könnten. Das dürfen sie nicht.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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