07.02.2005 · Der Außenminister des Vatikans, Kardinal Angelo Sodano, hat sich erstmals zu Spekulationen geäußert, der gesundheitlich angeschlagene Papst Johannes Paul II. könnte zurücktreten. „Überlassen wir das dem Gewissen des Papstes“, sagte Sodano.
Der Außenminister des Vatikans, Kardinal Angelo Sodano, hat einen Rücktritt des Papstes nicht ausgeschlossen. Von Journalisten befragt, ob Papst Johannes Paul II. über einen Rücktritt nachdenke, sagte Sodano am Montag laut italienischen Agenturberichten: „Überlassen wir diese Hypothese dem Gewissen des Papstes.“ Johannes Paul II. wisse am besten, was zu tun sei: „Wenn es einen Mann gibt, der die Kirche mehr als jeder andere liebt, und wenn es einen Mann von großer Weisheit gibt, ist das er. Wir müssen großes Vertrauen in den Papst haben“, erklärte Sodano.
Zuvor hatte der Vatikan mitgeteilt, Johannes Paul werde sicherheitshalber noch einige Tage im Krankenhaus bleiben, um seine Grippe auszukurieren. Papst-Sprecher Joaquin Navarro-Valls sagte, der 84jährige sei fieberfrei, esse regelmäßig und sitze mehrere Stunden in einem Stuhl.
Zustand des Papstes war „sehr ernst“
Das amerikanische Magazin „Inside the Vatican“ berichtete unterdessen, Johannes Paul wäre an seinen Atembeschwerden am 1. Februar fast gestorben. Als der Papst ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wäre er ohne Behandlung binnen zehn Minuten erstickt, schrieb das Magazin. Ein Beamter des Vatikans bestätigte der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage, der Zustand des Papstes sei zum Zeitpunkt seiner Einlieferung „sehr ernst“ gewesen. „Wenn es kontrollierbar gewesen wäre, wäre er erst am nächsten Morgen ins Krankenhaus gebracht worden“, sagte der Gewährsmann, der nicht namentlich zitiert werden wollte.
Am Sonntag hatte sich der Papst erstmals seit seiner Erkrankung der Öffentlichkeit gezeigt und vom Fenster seines Krankenzimmers aus den Angelus-Segen erteilt. Dabei wirkte er zerbrechlich und hatte Schwierigkeiten beim Sprechen. Gleichwohl zeigte er seine Entschlossenheit, trotz seiner Gebrechen die katholische Kirche zu
führen.
Navarro-Valls sagte, Johannes Paul bleibe auf Anraten seiner Ärzte noch ein paar Tage im Krankenhaus. Er lese Zeitungen. Navarro-Valls zitierte den Papst mit den Worten, er wolle sich in den Blättern „über die Entwicklung meiner Gesundheit informieren“. Der nächste offizielle medizinische Befund werde am Donnerstag veröffentlicht, fügte er hinzu.