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Republikanische Garde Auf Saddam Hussein eingeschworen

26.03.2003 ·  Die Mitglieder der Republikanischen Garde werden auf den irakischen Diktator persönlich vereidigt. Diese 70.000 Mann starke Elitetruppe, oft als "Waffen-SS" Husseins tituliert, soll Bagdad verteidigen.

Von Wolfgang Günter Lerch
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Bagdad, die Hauptstadt des Iraks, soll hauptsächlich von den Einheiten der Republikanischen Garde (Haras al dschumhuri) verteidigt werden. Diese Elitetruppe, deren Stärke gegenwärtig auf 70.000 Mann geschätzt wird, geht auf die Anfänge der Baath-Herrschaft im Irak in den Jahren 1963 und 1968 zurück. Aber erst nach 1979, dem Jahr der endgültigen Machtübernahme durch Saddam Hussein, wurde sie zu jener Prätorianergarde des Diktators ausgebaut, als die sie seither gilt.

Früher nannte man sie öfter die "Waffen-SS" Saddam Husseins, ein Vergleich, der tatsächlich manches für sich hat. Die Mitglieder der Garde rekrutierten sich anfangs fast ganz aus der Stadt Takrit; heute sind die Offiziere im allgemeinen noch "Takritis", stammen also aus dem Geburtsort Saddam Husseins.

Wer den "Bluteid" bricht

Die Republikanische Garde gehört zwar zu der etwa 350.000 Mann starken Armee des Iraks (ohne Reservisten, deren Zahl mit etwa 600.000 angegeben wird). Sie besitzt jedoch besonderen Status. Die Mitglieder der Garde werden nicht auf den Staat oder den Staatspräsidenten vereidigt, sondern auf Saddam Hussein persönlich. Dies geschieht durch den "Bluteid" (Qasam al dam), dessen Bruch das Todesurteil nach sich zieht.

Die Einheiten der Republikanischen Garde tragen Namen, die an die antike mesopotamische, arabische oder islamische Geschichte und ihre Herrschergestalten anknüpfen, etwa "Babylon", "Saladin", "Hammurabi", "Nebukadnezar" oder "al Nida". Als Elite innerhalb der Elitetruppe gilt die Einheit "al Medina", benannt nach jener heiligen Stadt des Islams, in welcher der Prophet Mohammed nach seiner Übersiedlung aus Mekka wirkte, die Grundlagen der islamischen Gemeinde schuf und nach seinem Tod im Jahr 632 auch begraben wurde.

Überzeugung und Privilegien

Die Bindungen der Soldaten an das Regime wurzeln nicht nur in der Überzeugung, daß die herrschende arabisch-nationalistische Ideologie der Baath-Partei richtig sei, sondern durchaus auch in Privilegien, die das Regime den Angehörigen der Garde und ihren Familien gewährt. Auch ihr Ausbildungsstand übertrifft denjenigen der regulären Armee bei weitem. Die Garde ist auch für den Krieg mit chemischen Waffen ausgebildet. Viele ihrer Mitglieder erhielten auf Kosten des Staates eine akademische Ausbildung.

In der "Mutter aller Schlachten", dem Krieg zur Befreiung Kuweits im Jahre 1991, brach der Widerstand der Republikanischen Garde gegen die von General Schwarzkopf geführten Truppen der Allianz relativ rasch zusammen. Ihren legendären Ruf erwarb diese Elitetruppe, die vormals zwischen 130.000 und 150.000 Mann stark war, vor allem in dem acht Jahre währenden Krieg mit der Islamischen Republik Iran. Dieser kostete etwa eine Million Perser das Leben, während die irakischen Verluste mit mindestens 150.000 angegeben wurden.

Saddam Hussein hatte im September 1980 den östlichen Nachbarn in der Erwartung überfallen, die arabische Minderheit in der Ölprovinz Chuzestan östlich des Schatt al Arab, des Zusammenflusses von Euphrat und Tigris, werde sich erheben und mit Unterstützung der irakischen Truppen dem islamistischen Regime der Mullahs in Teheran ein Ende bereiten. Die Iraner waren kaum für einen Krieg gerüstet, gingen jedoch im Jahr 1984 in die Offensive und brachten den Irak an den Rand einer Niederlage.

Niederlage gegen Iran verhindert

Es waren damals die Einheiten der Republikanischen Garde, die das verhinderten. Sie eroberten in verlustreichen Kämpfen die Halbinsel Fao zurück, auf der die Perser schon einen Brückenkopf gebildet hatten, um von dort nach Basra vorzustoßen. Die Garde verteidigte Basra, das eingeschlossen zu werden drohte, und hielt den iranischen Vormarsch in den Madschnun-Sümpfen auf. Dabei kam ihren Kämpfern freilich zugute, daß sie sehr viel besser ausgerüstet und ausgebildet waren als die meisten ihrer iranischen Gegner.

In deren Reihen spielten die Bassidschi, der "Volkssturm Chomeinis", eine wichtige Rolle. "Sie kämpfen, um zu sterben, wir kämpfen, um zu siegen", soll angesichts der iranischen "Menschenwellen" damals ein Kommandeur der Garde gesagt haben. Beim Einmarsch des Iraks in Kuweit am 2. August 1990 bildeten die Einheiten der Republikanischen Garde die Speerspitze, stießen in dem kleinen und militärisch schwachen Emirat freilich nicht auf nennenswerten Widerstand.

Nach dem Vorbild antiker Könige

Daß nahöstliche Herrscher sich eine auf sie vereidigte Elitetruppe halten, ist nicht ungewöhnlich. Der 1979 gestürzte Schah Mohammad Reza Pahlawi hielt sich, nach dem Vorbild der antiken Achaimeniden-Könige und ihrer Garde der zehntausend Unsterblichen, eine auf ihn eingeschworene kaiserliche Garde. Sie konnte seinen Sturz allerdings nicht verhindern. Auch der jordanische König und der Staatspräsident Syriens vertrauen ihren Schutz ausgewählten Einheiten an, die eine enge Bindung an sie haben. In Jordanien sind das die Beduinen vornehmlich Ostjordaniens, in Syrien die Alawiten, aus deren Bevölkerungsgruppe der Staatschef und der herrschende Clan kommen.

Der Weg der Amerikaner und Briten nach Bagdad führt über den Kampf mit diesen Spezialeinheiten. Die Garde soll über mehr als fünfhundert einsatzbereite sowjetische Kampfpanzer des Typs T-72 verfügen. Nach dem Ende des irakisch-iranischen Krieges hatte Bagdad damit begonnen, diesen Typ unter der Bezeichnung "Löwe von Babylon" nachzubauen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2003, Nr. 73 / Seite 3
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