19.09.2006 · Im Streit über seine Rede zur Gewalt im Islam hat Papst Benedikt XVI. Unterstützung vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz bekommen. Respektsbekundungen für den Pontifex gab es zudem von unerwarteter Seite.
Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag Unterstützung für sein Verhalten im Streit über seine Mohammed-Äußerungen erhalten. Er selbst rief zu gegenseitigem Respekt der Religionen und gegen jede Form von Gewalt auf. In einem Beileidstelegramm zum Tod einer in Somalia erschossenen Nonne schrieb der Papst, der Tod der Ordensfrau könne zur „Saat der Hoffnung für den Aufbau einer echten Bruderschaft zwischen den Menschen im gegenseitigen Respekt für ihre religiösen Überzeugungen“ werden. Die Ermordung der Nonne war mit der Kritik an einem Islam-Zitat des Papstes in Verbindung gebracht worden, das er in einer Vorlesung in Regensburg zur Veranschaulichung einer Betrachtung über Glaube und Vernunft benutzt hatte.
In Berlin nahm der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, den Papst gegen Kritik aus der islamischen Welt in Schutz. Vorgeblich religiös legitimierte Gewalt stelle ein Phänomen dar, „das sich vorwiegend - wenngleich nicht ausschließlich - am Islam festmacht“, sagte Lehmann. Dies festzustellen bedeute nicht, Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Es müsse aber gefragt werden, inwieweit in der muslimischen Religion die theologische Tradition des kämpfenden und herrschenden Islams eine Rolle spiele. Lehmann führte auch die Schwierigkeiten des Islams mit einem westlichen Verständnis von Freiheit und Menschenrechten an, um die Schwierigkeit eines christlich-islamischen Gesprächs zu verdeutlichen.
Bush hält Bedauern des Papstes für aufrichtig
Malaysia und Iran zeigten sich am Dienstag indessen versöhnlich. Der malaysische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi sagte, er akzeptiere die Erklärung des Papstes, in der Benedikt Mißverständnisse über seine Vorlesung bedauert hatte. Benedikt müsse künftig jedoch Bemerkungen vermeiden, die Muslime beleidigen könnten, sagte Abdullah bei einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Bush in New York. Bush sagte, er halte das Bedauern des Papstes für aufrichtig und fasse es als Entschuldigung auf. Irans Präsident Ahmadineschad nahm Abstand zu Drohgebärden aus der Staatsführung seines Landes: „Was das Thema der Papst-Äußerungen angeht, so respektieren wir den Papst und alle, die interessiert sind an Frieden und Gerechtigkeit“, sagte Ahmadineschad in Venezuela (siehe auch: Bush und Ahmadineschad würdigen Papst-Bedauern).
Der Mufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, forderte hingegen eine öffentliche Entschuldigung des Papstes bei allen Muslimen in der Welt. Der Mufti forderte die Palästinenser auf, die Angriffe auf Kirchen in den Autonomiegebieten zu stoppen. Auch das irakische Parlament forderte eine „klare Entschuldigung“ des Papstes. In der Türkei wurden die Proteste gegen den Papst und dessen Besuch Ende November fortgesetzt.