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Regina Weber: Rechtsextremistinnen Im Gleich-Schrittchen

Frauen in der rechtsextremistischen Szene stehen eher am Rand. Wie sieht der typisch weibliche Rechtsextremismus aus?

© Pilar, Daniel Vergrößern Eine Ausgabe der Zeitung Deutsche Stimme auf dem Tresen im Freizeitraum des Verlagshauses Deutsche Stimme.

Politischer Rechtsextremismus gilt gemeinhin als Männerdomäne. Frauen in der rechtsextremistischen Szene stehen eher am Rand. Wie sieht der typisch weibliche Rechtsextremismus aus? Es handelt sich um „Aktivistinnen der Kameradschaftsszene“, Frauen, „die esoterische Praktiken und ,germanisches Brauchtum’ pflegen“, oder um einfache Mitglieder rechter Parteien. Regina Weber sieht Rechtsextremistinnen im kaum ausgeleuchteten Bereich der Extremismusforschung. Sie geht der Frage nach, inwieweit eigentümliche Erscheinungsformen bei Frauen vorliegen, die in rechtsextremen Parteien aktiv sind. Anhand einer qualitativen Textanalyse untersucht Frau Weber Beiträge von Frauen, die im NPD-Parteiblatt „Deutsche Stimme“ sowie in der Verbandszeitschrift „Funkenflug“ der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ erschienen sind. Im Zentrum des Interesses stehen Frauen als Autorinnen und deren Vorstellungen zu Geschlechterrollen sowie das Feld der Familienpolitik. Insgesamt werden 172 Artikel ausgewertet, die zwischen 2005 und 2009 entstanden sind.

Wie eine der Autorinnen zu Protokoll gibt, sei die NPD „keine altbackene Herrensekte“; Frauen stünden gleichberechtigt neben den Männern „und nicht einen halben Schritt dahinter“. Rechtsextremistinnen bearbeiten nicht etwa die thematisch weite Feldflur, sondern den überschaubaren Kleingarten: Die Artikel kreisen immer wieder um Familienpolitik, Erziehung und Bildung, Frauenbilder sowie die Verfolgung nationaler Frauen. Die Autorinnen lehnen staatliche Einrichtungen zur Kinderbetreuung ab und sehen die „fürsorgliche deutsche Mutter“ im Mittelpunkt der Erziehung. Die Frau wird ausschließlich als Mutter angesehen. „Frauen, die keine Mütter sind“, konstatiert eine Autorin im Funkenflug, „leben unnatürlich“. Die Textanalyse erstreckt sich auf insgesamt vierzig Seiten und umspannt damit fast ein Drittel des gesamten Buches. Der Leser wird durch die trockene Wüste ermüdender Originaltöne rechtsnationaler Parolen geführt. Diese Sperrigkeit der Darstellung erschwert gewiss den Lesefluss. Die untersuchten Parteiblätter bieten weniger den Rahmen für inhaltliche Auseinandersetzungen als vielmehr den Resonanzraum zur Darstellung eindimensionaler Geschlechtervorstellungen. Deutlich wird „die Tendenz, Familie als politisches Kampffeld anzusehen“. Unklar bleibt, für welchen Adressatenkreis die Studie den größten Nutzen stiftet. Handelt es sich nur um einen Lückenschluss in der Extremismusforschung? Oder liegt hiermit eine Handreichung für die politische Bildungsarbeit vor? Im letzten Fall wäre es wichtig gewesen, die praktische Bedeutung der empirischen Befunde zu verdeutlichen.

Helge F. Jani

Regina Weber: Rechtsextremistinnen. Zwischen Kindererziehung und nationalem Kampfauftrag, Metropol Verlag, Berlin 2012. 159 S., 16,- [Euro].

Quelle: F.A.Z.

 
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