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Rede zum Kriegsende : Entschuldigung – aber das Misstrauen bleibt

Japans Ministerpräsident Aber verneigt sich vor der japanischen Flagge. Bild: Reuters

In seiner Rede zum Ende des Zweiten Weltkriegs hat Japans Ministerpräsident Abe viele Worte genutzt, um das Unbehagen in den Nachbarländern zu mildern. Er versuchte jedoch auch, es den Nationalisten recht zu machen.

          In der Rede des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zum 70. Jahrestags des Kriegsendes finden sich viele der Schlagworte, die es braucht, um das Unbehagen in China und Südkorea und in anderen Kriegsopfern Japans zu mildern: aufrichtige Entschuldigung, unermessliches Leiden, tiefe Reue für den Krieg, Aggression. Die ersten Reaktionen aus China und Südkorea aber zeigen, dass Abe die Gemüter nicht beruhigt hat. Von einer verwässerten Entschuldigung ist die Rede und von der Notwendigkeit, dass Japan sich ernsthaft mit der Geschichte auseinandersetze. Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua sprach von einem Rückschritt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Abe verzichtete auf eigene klare Entschuldigung für die kriegerische Aggression. Japan habe wiederholt seine Gefühle der tiefen Reue und aufrichtigen Entschuldigung für seine Handlungen während des Krieges ausgedrückt, sagte Abe. Solche Positionen früherer Regierungen blieben „unerschütterbar“. Abe selber aber sprach nicht von Entschuldigung, sondern von tiefer Trauer und aufrichtigem Beileid.

          Der konservative Ministerpräsident ordnete diese Bekenntnisse aber in eine historischen Interpretation ein, die seinen nationalistischen Parteifreunden entgegenkommt und im Ausland auf Misstrauen stößt. Abe begann seine Rede mit dem historischen Verweis auf die Kolonien der westlichen Mächte und erwähnte den japanisch-russischen Krieg als positives Beispiel, weil er Völkern unter Kolonialherrschaft Hoffnung gegeben habe. Die Interpretation der Geschichte sei nicht für immer festgelegt, sagte Abe. Er überlasse es den Historikern zu debattieren, welche Handlungen unter den Begriff Aggression fielen. Das zielt auf eine Debatte unter japanischen Nationalisten, die Japans Kriegsvergangenheit weniger als Aggression sondern eher als Verteidigung gegen Kolonialisten sehen.

          Der Parteiführer der Liberaldemokraten sprach in seinem Regierungssitz vor Journalisten ohne große Emotionen und betont nüchtern. Vor dem Haus hatten sich Demonstranten gegen die nationalen Sicherheitsgesetze versammelt, über die derzeit im Oberhaus beraten wird. Mit diesen Bestimmungen wird der Spielraum für internationale Einsätze der Selbstverteidigungskräfte erweitert. Protestplakate zeigten Abe mit Hitlerbart und Hakenkreuz.

          Vor 70 Jahren kapitulierte Japan. Einen Tag später lief im gesamten Land die Radioansprache von Kaiser Hirohito, die Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg offiziell besiegelte. Historische Bilder zeigen trauernde Japaner und feiernde Amerikaner. Bilderstrecke
          Fotos zur Kapitulation Japans : Zum Kriegsende eine Polonaise

          Unpräzise wurden Abes Worte, wenn es um Fragen konkreter Schuld ging. Japan habe den falschen Weg gewählt und sei in Richtung Krieg gegangen, sagte Abe. „Zwischenfall, Aggression, Krieg – wir sollten niemals wieder zur Drohung oder Gewalt greifen, um internationale Dispute zu lösen. Wir sollten die Kolonialherrschaften für immer abschaffen.“ Abe vermied eine klare Bemerkung zu den sogenannten Trostfrauen aus China und Korea, die vom japanischen Militär zu Sexdienstleistungen gezwungen wurden. Auch die Kolonialisierung Koreas erwähnte er nur indirekt. Das stieß direkt auf Kritik in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

          Den Schwerpunkt der Rede setzte Abe auf die Zusage, dass Japan aus seiner Geschichte gelernt habe. Man dürfe auch den jetzigen und künftigen Generationen nicht auferlegen, sich immer wieder entschuldigen zu müssen. Abe zeigte sich zukunftsgewandt offen für ein Spitzentreffen mit den Präsidenten von China und Südkorea.

          Abes Verneinung einer abermaligen Entschuldigung trotz der Forderungen vor allem aus Südkorea ist in Japan durchaus nicht unpopulär. In einer aktuellen Umfrage der Zeitung Mainichi erklärten 47 Prozent der Befragten, der Krieg sei falsch gewesen. 44 Prozent meinten aber zugleich, dass Japan sich bei den Nachbarländern genügend für die Kriegsverbrechen genügend entschuldigt habe. 13 Prozent waren der Meinung, dass Japan sich gar nicht habe entschuldigen müssen. Nur 31 Prozent hielten weitere Entschuldigungen Japans für notwendig.

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          Quelle: okü./dpa

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