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Rechtsextremismus Raus aus der Neonazi-Szene - aber wie?

 ·  Im NPD-Kernland Sachsen ist ein Streit über die Arbeit mit rechtsextremen Aussteigern entbrannt. Die einen kämpfen für die „Resozialisierung“ früherer Neonazis. „Einmal Nazi, immer Nazi“ heißt es bei den anderen.

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Als Michael Ankele vor kurzem beschreiben sollte, was seine Klienten in ihm sehen, da neigte er den Kopf zur Seite, lächelte und sagte: „den Führer“. Es war nur ein halber Scherz. Seit sechs Jahren arbeitet Ankele als freier Sozialarbeiter in der sächsischen Lausitz daran, Neonazi-Teenager aus der Szene „herauszuführen“. Dass er inzwischen auf 90 erfolgreiche Fälle verweisen könne, habe aber wenig mit „Umerziehung“ zu tun, sagt Ankele. Ihm geht es zunächst darum, den Leuten klarzumachen, dass die Szene keine Familie, sondern eine Sackgasse ist, dass Ausbildung besser ist als Ausrasten. „Alles Weitere kommt dann später“, sagt Ankele.

Michael Ankele, ein 52 Jahre alter Mann mit gemütlichem Bauch und weicher Stimme, ist Pragmatiker, vor allem aber Einzelkämpfer. Sein Einsatzgebiet ist die Region Bautzen. Über Staatsanwälte, Polizisten und Eltern findet er Kontakt, auch die einschlägigen Szenetreffs scheut Ankele nicht, um mit ausstiegswilligen Neonazis zu sprechen. Es folgt dann meist eine mehrjährige Intensivbetreuung bei der Suche nach einer Ausbildung, nach neuen Freunden und neuem Selbstbewusstsein. In harten Fällen wird eine Wohnung in einem sächsischen Dorf bereitgestellt, um den Aussteiger vor wütenden ehemaligen Kameraden zu schützen.

Doch dieser Tage hat Ankele andere Sorgen, er muss sich gegen Vorwürfe wehren. Ein Bündnis von sächsischen Anti-Rechts-Initiativen macht Front gegen seine Arbeit. Diese sei „distanzlos“, es fehle die „sozialpädagogische Fachlichkeit“, so lauten nur zwei Vorwürfe.

Aufgesetzt ist das Schreiben von der „Demokratie AG Ostsachsen“, zu deren 16 Mitgliedern unter anderem der DGB Ostsachsen, die „Gesellschaft Bürger und Polizei“ und die Regionale Beratungsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Dresden gehören. Das Bündnis fasst damit Vereine zusammen, die in Ostsachsen maßgeblich an der Aufklärung über Rechtsextremismus beteiligt sind. Mittlerweile macht das Schreiben die Runde im ganzen Freistaat. Auch beim sächsischen Innenministerium liegt es vor. Allen Adressaten empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft eine „kritische Auseinandersetzung“ mit Ankeles Arbeit.

Kritiker: „Rechtsradikalismus als Event“

„Fachlich problematisch“, heißt es, sei „Ankeles geringe Bereitschaft zum Erfahrungsaustausch, zu Transparenz, zur Teamarbeit und insbesondere zur Selbstreflexion“. Auch eine „fehlende Mitarbeit in entsprechenden politischen Netzwerken“ wird moniert. Besonders kritisiert wird aber, dass Ankele zusammen mit Aussteigern Vorträge und Seminare an Schulen hält. Ankele verdient damit sein Geld, einen kleinen Teil davon kriegen die Referenten. „Pseudo-Aussteiger“ wären das, finden die Kritiker, die des Geldes willen mitmachten und „Rechtsradikalismus als Event vermitteln“.

Ankele kennt die Vorwürfe, sie begleiten ihn, seit er als Aussteigerbetreuer in Sachsen arbeitet. „Aber das ist sicher eine neue Dimension“, sagt er. Inzwischen erhalte er Anrufe von verunsicherten Lehrern und Projektpartnern. „Gerade jetzt, da der Druck auf die Szene wächst, ist diese Geschichte extrem kontraproduktiv.“ Inzwischen beschäftigt sich der Anwalt von Ankeles Förderverein Projekt 21/II - ein Zusammenschluss unter anderen von Eltern, Juristen und Polizeivertretern - mit dem Schreiben, es wird Unterlassung gefordert. Auch die Gegenseite, also die „Demokratie AG“, hat einen Juristen eingeschaltet. Aus diesem Grund will sich dort und bei den einzelnen Organisationen auch niemand über den Streit öffentlich äußern.

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