26.07.2004 · Anders als sich zuletzt Kulturstaatsministerin Weiss geäußert hatte, ist die Bundesregierung gegen eine Veränderung der Rechtschreibreform. Ein Sprecher sagte, die Beschlüsse sollten „konsequent, so wie sie getroffen sind", umgesetzt werden.
Die Bundesregierung ist nach Auskunft eines Regierungssprechers gegen Veränderungen der Rechtschreibreform. Der stellvertretende Regierungssprecher Steg sagte am Montag in Berlin, die Beschlüsse sollten "konsequent, so wie sie getroffen sind", umgesetzt werden.
Steg widersprach mit seinen Äußerungen der Kulturstaatsministerin Weiss, die sich in der vergangenen Woche für Änderungen der Reform ausgesprochen hatte. Ihrer Auffassung nach wäre es ein Fehler, neue Schreibregeln gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Die seit fünf Jahren anhaltende Debatte zeige, so Weiss, daß der Widerstand gegen die Rechtschreibreform ungebrochen sei. Die meisten Bürger hätten die Änderungen weder verinnerlicht, noch wendeten sie die neuen Schreibregeln an. Sprache könne, so Weiss, nicht von der Politik verordnet werden. Der stellvertretende Regierungssprecher sagte, die Kulturstaatsministerin habe sich "in ihrer Funktion" geäußert. Das Kabinett werde sich seines Wissens "absehbar" nicht mit der Rechtschreibreform beschäftigen. Verlage und Schulen hätten sich, so Steg, auf die Änderungen eingestellt.
Lehrer uneins
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Kraus, plädierte unterdessen für eine Rücknahme der Reform. Lediglich die Regeln für die "s-Schreibung" seien "gesetzmäßig und logisch", so Kraus im Deutschlandradio. Jedoch solle man sämtliche anderen Änderungen "zurückführen". Kraus erläuterte, daß die Lehrer in Fragen der Rechtschreibreform ihrerseits uneins seien. Der stellvertretende Vorsitzende der zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, August, hielt im Deutschlandfunk dagegen und nannte eine Rücknahme der Reform "unverantwortlich".
Zu Wort meldete sich in der Debatte ebenfalls der Geschäftsführer der Rechtschreibkommission, Heller, der in der Zeitschrift "Focus" für die neue Rechtschreibung warb, indem er sagte, sie habe "einen Zuwachs an Akzeptanz, um den uns jeder Politiker beneiden würde". Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge hatten sich etwa dreiviertel der Befragten gegen die Reform geäußert. Er könne sich nicht vorstellen, "so Heller, daß die Ministerpräsidenten der Länder sich von Stimmungsmache beeinflussen lassen und die Neuregelung in Frage stellen".
Debatte der Ministerpräsidenten
Fünf der sechzehn Ministerpräsidenten hatten das bis zum vergangenen Sonntag allerdings schon getan, darunter die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, des Saarlandes und Sachsen-Anhalts. Allerdings hatte die Kultusministerkonferenz, der auch Minister aus den obengenannten Ländern angehören, vor wenigen Wochen einstimmig festgelegt, daß die geänderten Regeln von August nächsten Jahres an verbindlich werden sollen. Für die Beibehaltung der Reform hatten sich die Ministerpräsidenten Beck und Simonis und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Wowereit (alle SPD), ausgesprochen.