27.09.2004 · Das Gute behalten, das Schlechte ändern - so stellt sich Bayerns Ministerpräsident einen Kompromiß bei der Rechtschreibreform vor. Die Korrekturen soll ein „Rat für deutsche Rechtschreibung“ erarbeiten.
Im Streit um die Rechtschreibreform strebt der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) einen Kompromiß an. Er werde bei der Jahreskonferenz der Ministerpräsidenten im Oktober als amtierender Vorsitzender einen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ vorschlagen, sagte Stoiber der Zeitung „Passauer Neue Presse“.
Der Rat soll sich bis Mai 2005 auf Veränderungen einigen, die allgemeine Akzeptanz finden. Stoiber glaubt, daß mit leichten Korrekturen der Konsens über die Rechtschreibung wieder hergestellt werde. „Es gibt ja auch Verbesserungen und Vereinfachungen. Also sollten wir das Gute behalten und das Schlechte ändern“, sagte Stoiber.
„Gewisse Disziplinlosigkeit“
Die Wirkung der Rechtschreibreform sei „außerordentlich problematisch“. Jeder schreibe heute so, wie er denke, ohne das Gefühl zu haben, Fehler zu machen. „Und damit haben wir eine gewisse Disziplinlosigkeit bei einem wichtigen deutschen Identitätsmerkmal“, sagte Stoiber.
Bayern will den früheren Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) für den Rat nominieren. Zehetmair sei „einer der Hauptgestalter der Reform“, sagte Stoiber. Auch Zehetmair habe ihm erklärt, er würde die Rechtschreibreform nicht mehr so einleiten und vertreten. Stoiber: „Die ganze Welt schreibt Ketchup, wir aber sollen Ketschup schreiben.“