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Rechtschreibreform Moratorium gescheitert

23.06.2005 ·  Die Einführung der Rechtschreibreform am 1. August wird nicht verschoben. Die Ministerpräsidenten der unionsgeführten Bundesländer sind mit einem überraschenden Vorstoß am Widerspruch der SPD-Kollegen gescheitert.

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Die Ministerpräsidenten der unionsgeführten Bundesländer sind am Donnerstag mit einem überraschenden Vorstoß gescheitert, eine überarbeitete Version der Rechtschreibreform erst zum 1. August 2006 und damit ein Jahr später als derzeit geplant in Kraft treten zu lassen.

Auf einer Sitzung der Ministerpräsidentenkonferenz wiesen die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten den Vorschlag zurück. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Wowereit (SPD), sagte, Schüler und Lehrer, die nun in die Ferien gingen, hätten Klarheit verdient und müßten „wissen, wie es nun kommt“.

Stoiber: „Unglücklicher Beschluß“

Der bayerische Ministerpräsident Stoiber (CSU) hatte bei der Sitzung im Namen aller unionsgeführten Länder gefordert, die Ergebnisse des Rates für Rechtschreibung, die erst Anfang 2006 vorliegen, abzuwarten. Es sei nicht sinnvoll, zum 1. August dieses Jahres eine Reform der Reform einzuführen, nur um dann im kommenden Jahr wiederum Änderungen durchzusetzen, die der gemeinsam eingesetzte Rat vorlege.

Stoiber bezeichnete es in der Pressekonferenz, die sich der Sitzung anschloß, als problematisch, wenn deutsche Schüler in einer Rechtschreibung unterrichtet würden, die nicht der Rechtschreibung großer Tageszeitungen, Zeitschriften und Buchverlage entspreche.

Den Beschluß der Kultusministerkonferenz von Anfang Juni, eine teilweise überarbeitete Rechtschreibreform für verbindlich zu erklären, bevor der Rat für Rechtschreibung sich abschließend geäußert habe, könne er nicht nachvollziehen, dieser Beschluß sei „unglücklich“, sagte Stoiber. Ein Moratorium bis Mitte 2006 sei nach Auffassung der unionsgeführten Länder dringend nötig.

Übergangsfrist für strittige Regeln

Ein solches Moratorium hätte aber nur mit einem einstimmigen Beschluß der Ministerpräsidentenkonferenz durchgesetzt werden können. Die SPD-geführten Länder seien diesem Vorschlag nicht gefolgt, weshalb der bisherige Beschluß der Kultusministerkonferenz weiterhin gelte, sagte ihr Sprecher Wowereit.

Die Kultusminister hatten Anfang Juni beschlossen, einen wesentlichen Teil der Rechtschreibreform, der die Groß- und Kleinschreibung sowie viele Fragen der Orthographie und der Setzung von Bindestrichen betrifft, trotz vielfacher Proteste von Schriftstellern und Verlagen schon von August an in Kraft zu setzen. Nur für strittige Regelungen, etwa zur Getrennt- und Zusammenschreibung, soll weiter eine Übergangsfrist gelten, bis der Rat für Rechtschreibung endgültige Empfehlungen ausgesprochen hat.

Der Rat wurde von der Kultusministerkonferenz Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufen. Er versammelt unter dem Vorsitz des früheren bayerischen Kultusministers Zehetmair (CSU) sowohl Befürworter als auch Gegner der Rechtschreibreform. Zehetmair hatte sich jüngst im Kulturausschuß des Bundestags für moderate Korrekturen an der Reform eingesetzt.

Quelle: csl., F.A.Z., 24.06.2005, Nr. 144 / Seite 1
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