29.07.2004 · Hessens Ministerpräsident Koch (CDU) gehört zu den Kritikern der Rechtschreibreform. Doch um sie zurückzunehmen, sei es bereits zu spät.
Die „Schlacht gegen die Rechtschreibreform“ haben deren Kritiker nach Ansicht von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bereits vor Jahren verloren. Er sei zwar auch gegen die Reform, halte eine Rücknahme aber nicht mehr für machbar, sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur. Dafür müßte es einen einstimmigen Beschluß der Ministerpräsidenten geben.
„Ich hatte von Anfang an Skepsis gegen die Notwendigkeit der Reform und habe die zusammen mit Kollegen auch laut und deutlich geäußert.“ Es gebe immer noch dieselben Argumente wie vor fünf Jahren, und die würden die Bundesregierung und die Kultusminister- Konferenz heute genauso wenig überzeugen, sagte der Ministerpräsident.
Irritierende Regelungen
Bereits 1996 hatten alle 16 Bundesländer der Reform einstimmig zugestimmt und sie wenige Jahre später eingeführt. Zum 1. August 2005 sollen die neuen Regeln nun verbindlich an den Schulen gelten. Am vergangenen Wochenende war die Diskussion um eine mögliche Rücknahme neu entfacht.
„Mittlerweile ist jetzt schon eine ganze Schülergeneration durch die neuen Regeln gejagt worden und eine ganze Generation von Büchern erschienen“, gab Koch zu bedenken. Eine Rücknahme mache auch deshalb keinen Sinn. Allerdings hält Koch die neuen Regelungen nach wie vor in vielen Fällen für zu radikal. „Die Trennungsregeln sind zu hart und 'Tunfisch' ohne h irritiert mich immer noch.“
Koch sieht der deutsche Sprache durch die Reform ein gutes Stück Wortgestaltung genommen. „Daß es keine 'vielversprechenden' Politiker mehr gibt, sondern nur noch Politiker, die 'viel versprechen', weil man das Wort nur noch auseinander schreiben darf, hat uns schon vor Jahren gestört“, sagte Koch.