23.02.2006 · Irans Präsident Ahmadineschad glaubt, die Verantwortlichen für den Anschlag auf die „Goldene Moschee“ von Samarra schon zu kennen: Er machte Israel und die Vereinigten Staaten verantwortlich und warnte den Westen vor dem Zorn der Muslime.
Nach der Zerstörung eines zentralen schiitischen Heiligtums im Irak hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad am Donnerstag westliche Regierungen vor dem Zorn der muslimischen Welt gewarnt. Wie am Vortag bereits das geistliche Oberhaupt im Iran, Ajatollah Chamenei, bezichtigte auch Ahmadineschad Israel und die Vereinigten Staaten, Drahtzieher des Anschlags auf den Schrein in Samarra zu sein.
Ahmadineschad warnte die Vereinigten Staaten und Israel in einer Rede vor Tausenden Anhängern davor, daß sie nicht sicher seien vor dem Zorn und der Macht jener Länder, die nun Gerechtigkeit walten lassen würden. Irans Muslime sind überwiegend Schiiten, wie die im Irak.
Unbekannte hatten am Mittwoch die „Goldene Moschee“ in Samarra in die Luft gesprengt und den Schrein dabei schwer beschädigt. Der Anschlag führte zu Reaktionen in der ganzen Welt:
UN-Sicherheitsrat: „Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates verstehen die Pein, die durch die Anschläge verursacht wurde, appellieren jedoch an das irakische Volk, den Tätern durch Zurückhaltung und Einheit zu widerstehen.“
Amerikanischer Präsident George W. Bush: „Dieses sinnlose Verbrechen ist ein Affront gegen alle Gläubigen weltweit. Die Vereinigten Staaten verurteilen diese feige Tat aufs heftigste ... Gewalt wird nur dazu beitragen, daß die Terroristen ihr Ziel erreichen ... Die amerikanischen Bürger versprechen, gemeinsam mit den Bürgern des Iraks die Goldene Moschee von Samarra wieder aufzubauen und ihr zu ihrer ursprünglichen Pracht zu verhelfen.“
Britischer Premierminister Tony Blair: „Die Täter hatten nur ein einziges Motiv. Sie wollten Unfrieden und Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten stiften, um das Land vom Weg der Demokratie abzubringen, auf dem es sich befindet. In diese Falle dürfen die Menschen nicht gehen. Es ist notwendig, daß alle Gruppen im Irak angesichts dieser eklatanten Provokation Zurückhaltung zeigen. Die britische Regierung ist dazu bereit, beim Wiederaufbau des schiitischen Schreins zu helfen.“
Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad: „Diese abscheulichen Anschläge wurden von einer Gruppe Zionisten und von Besatzern verübt, die gescheitert sind. Sie sind angesichts der islamischen Logik und Gerechtigkeit gescheitert.“
Scheich Abdul Salam al Kubaisi (Sprecher der Vereinigung muslimischer Geistlicher, einer einflußreichen sunnitischen Vertretung): „Wir beschuldigen bestimmte schiitische Autoritäten, die zu Demonstrationen aufgerufen haben ... Ich rufe Muqtada al Sadr dazu auf einzuschreiten, denn es bestehen Verbindungen zu seiner Gruppe.“
Schiitischer Großajatollah Ali al Sistani: „Wenn die Sicherheitskräfte den nötigen Schutz nicht garantieren können, können das die Gläubigen mit Hilfe Gottes selbst tun.“
Schiitischer Geistlicher Muqtada al Sadr: „Wir bitten die Iraker, sich entsprechend ihrer Verantwortung und des Ausmaßes dieser Tragödie zu verhalten und die Einheit und die Sicherheit des Iraks zu wahren. Meine Botschaft an das irakische Volk ist, solidarisch zu sein und nicht Bemühungen zum Opfer zu fallen, mit denen die Einheit des Landes gefährdet wird.
Was tun wir bloss, wenn's den Bush nicht mehr gibt?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 23.02.2006, 21:59 Uhr