07.07.2005 · Bestürzt haben Politiker in aller Welt sowie Papst Benedikt auf die Anschläge in London reagiert. Die Teilnehmer des G-8-Gipfels verurteilten sie als „absolut barbarische Angriffe“. Der „Krieg gegen Terror geht weiter“, sagte der amerikanische Präsident Bush.
Mit Bestürzung haben Politiker in aller Welt sowie Papst Benedikt auf die Anschläge in London reagiert. Die Teilnehmer des G-8-Gipfeltreffens verurteilten sie in einer gemeinsamen Erklärung als „absolut barbarische Angriffe“ und sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus.
„Wir sind vereint in unserer Geschlossenheit, dem Terrorismus zu begegnen und zu besiegen. Es ist nicht ein Angriff auf eine Nation, sondern auf alle Länder und zivilisierte Menschen überall. Wir dürfen nicht zulassen, daß Gewalt unsere Gesellschaften verändert, und nicht erlauben, daß die Arbeit auf diesem Gipfel beendet wird. Die Terroristen werden keinen Erfolg haben“, heißt es weiter in der Erklärung.
„Besonders barbarisch“
Der britische Premierminister Blair reiste von Gleneagles für einige Stunden nach London. Am Abend will er zum G-8-Treffen zurückkehren. Es sei der Wille aller G-8-Führer, daß die Konferenz in seiner Abwesenheit fortgeführt werde, sagte er. Blair bezeichnete es als „besonders barbarisch“, daß sich die Anschläge in London an einem Tag ereignet hätten, an dem in Gleneagles über die Afrikahilfe und den Umweltschutz beraten worden sei.
Die Anschläge seien so geplant worden, daß sie mit der Eröffnung des G-8-Treffen zusammenfielen. Blair hob die Entschlossenheit hervor, „unsere Werte und Lebensweise“ zu verteidigen. Die Terroristen würden niemals Erfolg haben, das zu zerstören, was Großbritannien und den anderen in Gleneagles versammelten zivilisierten Nationen wertvoll sei.
Queen: „Zutiefst schockiert“
Königin Elisabeth II. äußerte sich bestürzt über die Sprengstoffanschläge in London und bekundete ihre Sympathie für die Opfer.
„Diese schrecklichen Ereignisse in London heute morgen haben uns alle zutiefst schockiert“, hieß es in einer Erklärung der britischen Monarchin, die am Donnerstag vom Buckingham-Palast verbreitet wurde. Sie sprach allen Betroffenen sowie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten ihr Mitgefühl aus.
Nach Angaben des Vatikans betet Papst Benedikt „zutiefst traurig über die Nachrichten von den terroristischen Angriffen“ für die Opfer. Er beklage diesen „barbarischen Akt gegen die Menschlichkeit“ und versicherte den Familien der Verletzten seine geistige Verbundenheit.
Bush: „Krieg gegen Terror geht weiter“
Der amerikanische Präsident George W. Bush hat den Briten sein Beileid ausgesprochen. „Wir alle müssen jetzt sehr stark sein, wir müssen zusammenstehen“, sagte Bush beim Gipfel im schottischen Gleneagles. Bush unterstrich den Willen der G8-Gipfelteilnehmer, sich nicht von Terroristen im Ringen um „eine bessere und humanere Welt abbringen zu lassen“. Die blutigen Anschläge von London zeigten auch, daß „der Krieg gegen den Terrorismus weiter geht“, sagte Bush am Donnerstag in Gleneagles.
Er sei von der Entschlossenheit der G8-Gipfelteilnehmer, sich nicht von den Terroranschlägen beeinflussen zu lassen, tief beeindruckt gewesen. „Das ist ein terroristischer Akt“, sagte Bush.
Schröder: „Feige und heimtückisch“
Bundeskanzler Schröder (SPD) sprach von feigen und „heimtückischen Taten“ und drückte Blair sein Mitgefühl aus. Die Staats- und Regierungschefs seien sich einig, den Terrorismus mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in gemeinsamer Zusammenarbeit zu bekämpfen. Ganz offensichtlich habe die koordiniert durchgeführte Aktion auch dem Gipfel gegolten.
Wie Blair hob er hervor, daß es von besonderer Menschenverachtung zeuge, wenn der Versuch unternommen werde, ein Treffen zu unterminieren, „dessen ureigenste Ziele die Überwindung von Hunger und Armut in Afrika“ und der Klimaschutz seien. Schröder hieß es gut, daß der Gipfel fortgesetzt werde. „Feige terroristische Attacken dürfen uns nicht daran hindern.“ Zugleich wurden die Sicherheitsvorkehrungen auch in Gleneagles erhöht.
Bundespräsident Köhler bezeichnete die Anschläge als „barbarisch“. „Wieder haben Terroristen in ihrer ganzen Bösartigkeit zugeschlagen“, schrieb Köhler in einem Telegramm an die britische Königin. Außenminister Fischer (Grüne) sagte, die Terroranschläge seien menschenverachtend. Deutschland sei entsetzt über die abscheuliche Tat und empfinde tiefes Mitgefühl. Die CDU-Vorsitzende Merkel bezeichnete die Terroranschläge als „Angriff auf Demokratie und Freiheit“. Sie zeigte sich aber davon überzeugt, daß es gemeinsam zu schaffen sei, „daß die, die hinterhältig Demokratie und Freiheit in Frage stellen wollen, keine Chance haben“.
Chirac verspricht „totale Solidarität“
Die „totale Solidarität Frankreichs“ hat Präsident Jacques Chirac den Briten nach der Anschlagsserie in London zugesichert. Chirac verlieh nach den Worten seines Sprechers seinem „Entsetzen“ Ausdruck. In Frankreich wurde die zweithöchste Alarmstufe im Terrorwarnsystem, Rot, verhängt. Das gab der französische Premierminister Dominique de Villepin in Paris bekannt.
Er bezeichnete die Anschläge als „Drama für Großbritannien und das ganze Europa, das schon in Madrid im März 2004 getroffen wurde“. „Jetzt sind wir alle Londoner“, sagte der Pariser Bürgermeister Delanoë, der noch am Vortag seiner Bitterkeit über die Bevorzugung der britischen Hauptstadt für die Olympischen Sommerspiele 2012 freien Lauf gelassen hatte.
„Tief geschockt und entsetzt“
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat „tief geschockt und entsetzt“ auf die Anschläge in London reagiert. Barroso habe den Familien der Opfer die Solidarität und Unterstützung der Kommission zugesichert, sagte eine Sprecherin der Behörde in Brüssel am Donnerstag. Barroso hält sich derzeit beim G8-Gipfel im schottischen Gleneagles auf.
„Der Terror schlägt erneut im Herzen Europas zu und trifft ein Land, das die EU-Ratspräsidentschaft und den G-8-Vorsitz innehat“, sagte er italienische EU-Sicherheits- und Justizkommissar Franco Frattini.
Putin: „Vereint im Kampf gegen Terror“
Der russische Präsident Putin sagte: „Wenn solche unmenschlichen Verbrechen geschehen, ob in London, New York oder Moskau, müssen wir diese vorbehaltlos verurteilen und alle zivilisierten Staaten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus vereinen.“
Der EU-Außenbeauftragte Solana verwies darauf, daß ein solch „grausames Ereignis“ jederzeit geschehen könne. „Wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen. Wir arbeiten daran jeden Tag und in einer sehr engen Abstimmung mit allen EU-Ländern.“ Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer sagte, es könne für ein solch schändliches Verbrechen keine Rechtfertigung geben. Die Angriffe verdeutlichten die Notwendigkeit für die internationale Gemeinschaft und die Mitglieder des Nordatlantischen Bündnisses, „im Kampf gegen den Terrorismus vereint zu bleiben“.
Madrid verurteilt Anschläge
Die spanische Regierung hat am Donnerstag die „brutalen“ und „widerwärtigen“ Anschläge in London energisch verurteilt. Zugleich sicherte Madrid dem britischen Volk sowie der Regierung seine Solidarität zu und kondolierte den Familien der Opfer. Die Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero rief zur Einheit im Kampf gegen „die Barbarei des Terrors“ auf.
Die spanische Hauptstadt war am 11. März 2004 das Ziel islamistischer Anschläge geworden. Bei der Explosion von zehn Bomben in vier Nahverkehrszügen starben 191 Menschen, mehr als 1.500 wurden verletzt. „Spanien leidet seit Jahren unter der Geißel des nationalen und internationalen Terrorismus und bietet seine sofortige und bedingungslose Hilfe an, um die Urheber dieses widerwärtigen Anschlages zu verfolgen, das eine Stadt getroffen hat, die ihre Wahl zum Austragungsort der Olympischen Spiele 2012 feiert“, hieß es in der Erklärung.