23.04.2007 · Deutsche Politiker haben die Nachricht vom Tod Boris Jelzins mit Trauer aufgenommen. Bundespräsident Köhler würdigte ihn in einem Kondolenzschreiben an Präsident Putin: „Wir Deutsche sind ihm zutiefst dankbar für den Beitrag, den er durch seine mutigen Entscheidungen zur Deutschen Einheit geleistet hat.“
Der Tod des früheren russischen Präsident Boris Jelzin ist in Deutschland am Montag mit großer Trauer aufgenommen worden. Seine Verdienste zur Entwicklung der russisch-deutschen Beziehungen wurden gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Jelzin als auch „mutigen Kämpfer für Demokratie und Freiheit und einen wahren Freund Deutschlands“. Der frühere Kanzler Helmut Kohl (CDU) erinnerte zugleich an die persönliche Freundschaft, die ihn mit Jelzin verband. Die Grünen erklärten, Jelzins Name stehe für eine entscheidende Umbruchphase in der jüngeren Geschichte Russlands.
In einem Kondolenzschreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin nannte Bundespräsident Horst Köhler den Tod Jelzins einen schweren Verlust für Russland, Europa und die Welt. „Boris Jelzin hat sich als erster Staatspräsident der Russischen Föderation in ganz besonderer Weise für die Demokratie in Russland und damit für eine bessere und friedlichere Welt eingesetzt. Wir Deutsche sind ihm zutiefst dankbar für den Beitrag, den er durch seine mutigen Entscheidungen zur Deutschen Einheit geleistet hat.“ Er habe Jelzin persönlich gekannt und das Gespräch mit ihm geschätzt. „Wir trauern über den Verlust eines hervorragenden Staatsmannes und aufrichtigen Freundes“, betonte Köhler.
„Große Persönlichkeit der internationalen Politik“
Merkel bezeichnete Jelzin in einem Schreiben an Putin als „eine große Persönlichkeit der russischen und internationalen Politik“. Der Beitrag des ehemaligen russischen Präsidenten zur Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Staaten bleibe unvergessen. „Wir werden ihn in ehrendem Gedenken halten.“
Alt-Bundeskanzler Kohl erinnerte an die persönliche Freundschaft zu Jelzin und betonte: „Seine Verdienste um die russisch-deutschen Beziehungen sind nicht hoch genug einzuschätzen.“ Dass Russland heute ein geschätzter und unverzichtbarer Partner der Weltgemeinschaft sei, sei auch „in hohem Maße“ Jelzins Verdienst. Der frühere russische Präsident sei „ein verlässlicher Partner und treuer Freund der Deutschen“ gewesen.
Zwei-Plus-Vier-Vertrag mit umgesetzt
Jelzin, der 1991 erster frei und direkt gewählter Präsident Russlands wurde, erwarb sich vor allem durch sein engagiertes Auftreten nach dem Putschversuch den Ruf als „Retter der russischen Demokratie“. Nach Angaben der behandelnden russischen Ärzte starb der frühere Präsident an Herzversagen. Jelzin, der am 1. Februar seinen 76. Geburtstag beging, litt seit längerem an Herzbeschwerden und wurde auch in Deutschland behandelt.
FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle nannte Jelzin eine „Symbolfigur der Verteidigung der Demokratie in Russland“. Auch bleibe unvergessen, dass Jelzin den Zwei-Plus-Vier-Vertrag mit umgesetzt habe, mit dem Deutschland nach der Wiedervereinigung seine volle Souveränität zurückgewann.
Überzeugtes Eintreten gegen Spaltung Europas
Claudia Roth und Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, drückten den Angehörigen und vielen Freunden von Boris Jelzin ihr Beileid aus. „Sein Name und sein Vorbild bleiben in unserer Erinnerung immer mit dem mutigen Widerstand in Moskau gegen den Putsch der sowjetischen Altkader verbunden.“ Die Hoffnungen, die er weckte, seien dann teilweise enttäuscht worden, als dieser Weg in Russland nicht konsequent beschritten wurde - und mittlerweile starke und sehr bedenkliche Rückschritte in Russland festzustellen seien. „Als wichtiger Teil des Gedenkens an Jelzin wird sein leidenschaftlicher Einsatz für die deutsch-russischen Beziehungen und sein überzeugtes Eintreten für ein Ende der Spaltung Europas nach dem Mauerfall bleiben.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer betonte, Jelzin habe wesentlich mit dazu beigetragen, den Kalten Krieg zwischen den Militärblöcken zu beenden. Nach Jahrzehnten von Angst und Vorurteilen habe Jelzin es geschafft, die Beziehungen zwischen Russland und der Nato auf eine neue Grundlage der Zusammenarbeit zu stellen.