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Rau-Rede Rechtzeitiger Debattenanstoß

 ·  In einem ist sich die Öffentlichkeit einig: Die Berliner Rede von Bundespräsident Rau hat zur rechten Zeit die Debatte über die Gentechnik eröffnet.

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Mit seiner „Berliner Rede“ über Chancen und Risiken der Gentechnik packte Bundespräsident Johannes Rau - wie bereits im vergangenen Jahr - ein heißes Eisen an: Er formulierte seinen Standpunkt in der Debatte um Gentechnik, Sterbehilfe und menschliche Werte und forderte eine Grundsatzentscheidung des Parlaments zur Embryonenforschung. Dafür erntete er in der Öffentlichkeit überwiegend Lob aber auch Kritik. Einigkeit herrschte darüber, dass Rau mit seinen Worten zu diesen brisanten Themen den Anstoß zu einer breiten gesellschaftlichen Debatte gegeben hat.

Die frühere Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) fühlte sich in ihrer persönlichen Meinung weitgehend bestärkt. Raus Rede werde die Gentechnik-Diskussion sehr stark beeinflussen, war sie überzeugt. Das Parlament müsse aber letztlich einen Kompromiss finden. „Das braucht Zeit“, sagte die Ex-Ministerin. Rau unterscheide sich mit seiner Position von der des Kanzlers. Dies sei aber in einer Demokratie selbstverständlich, sagte Fischer.

Schröder schweigt

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) lehnte einen Kommentar ab. Dies gebiete der Respekt vor dem Amt. Die FDP hielt Rau vor, er betone Zweifel und Ängste. Ganz anders Michel Friedman. Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland lobte Raus Positionen als „richtig und wichtig“. Das Staatsoberhaupt habe „klare Maßstäbe“ gesetzt. Schließlich sei die Ethik unserer Gesellschaft ein wichtiger Standortfaktor. „Nach meiner Erfahrung können Menschen, wenn sie einmal anfangen, nicht mehr aufhören.“ Sie dürften nicht „wissenschaftshörig“ werden.

Lob kam auch von Grünen-Fraktionschefin Kerstin Müller. Rau habe eine „gute Rede“ gehalten. Sie hoffe, dass dies eine breite gesellschaftliche Debatte auslöse. Die Fragen zur Gentechnik dürften nicht nur in der Regierung geführt werden.

Lehmann: Brillante Rede

Der Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, nannte die Rede brillant und von „großer geistiger und menschlicher Kraft“. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, sagte, es sei „die richtige Rede zur rechten Zeit“ gewesen. Die Menschheit sei mit den jüngsten Forschungsfortschritten tatsächlich an einem Scheideweg angelangt.

CDU-Chefin Angela Merkel stimmte mit Rau überein, dass Bio- und Gentechnik einer „ethisch fundierten Weichenstellung“ bedürften. Andernfalls würden Dämme brechen, die nicht wieder errichtet werden könnten.

Schon die zweite Berliner Rede Raus

Mit seiner Rede setzte der Bundespräsident eine Tradition fort, die 1997 vom damaligen Staatsoberhaupt Roman Herzog begründet wurde. Damals hatte Herzog die Deutschen in seiner ersten „Berliner Rede“ im Nobelhotel Adlon aufgefordert, einen „Ruck“ durch das Land gehen zu lassen. Ein Jahr später hielt der finnische Präsident Martti Ahtisaari eine „Berliner Rede“. 1999 folgte ihm UN-Generalsekretär Kofi Annan. Rau folgte dieser vielbeachteten Tradition nun bereits zum zweiten Mal.

Quelle: @see mit Material von ddp, dpa, AP
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